Lust und Leidenschaft auf dem Bodensee
Foto: Claudia Renz

Bregenz, 12.08.2018

Lust und Leidenschaft auf dem Bodensee

George Bizets Oper Carmen begeistert die Teilnehmer der ZAK-Leserfahrt zu den Bregenzer Festspielen. Ein Blick hinter die Kulissen der Seebühne stieß auf großes Interesse. Mit Fotostrecke

von Claudia Renz  

Wenn man einmal ein Opernspiel auf dem See erlebt hat, ist man infiziert. So die Aussage vieler Besucher der Bregenzer Festspiele. Ein herrlicher Sommertag machte Lust auf den Abend und die Stimmung der ZAK-Reisenden war gut. Auf der weltweit größten Seebühne von Bregenz zieht die vom Dänen Kasper Holten inszenierte Oper „Carmen“ bei jeder Aufführung 7200 Menschen in ihren Bann zog.

Lust und Leidenschaft auf dem Bodensee

Die Bühnenbildnerin Es Devlin ist in der Szene ein Star. Sie entwirft Bühnenbilder für renommierte Opernhäuser auf der ganzen Welt. 2012 verlieh sie der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in London ein ganz besonderes Flair. Die Britin findet überall Inspiration, manchmal ist es ein Schatten der auf eine Blume fällt, manchmal sind es spielende Kinder und manchmal ist es der Zufall der ihr in die Hände spielt, so wie bei Carmen. Unzählige Ideen hatte sie gemeinsam mit Regisseur Kasper Holten schon ausprobiert doch die zündende Idee war noch nicht dabei. Frustriert warf sie Spielkarten in die Luft und der Funke sprang über.

Nichts ist geplant und alles wird dem Zufall überlassen. Genau wie im Stück. Anarchie und Chaos, Liebe und Leidenschaft, Glück und Schicksal. Mit dieser Kulisse wird die Geschichte von Carmen und José erzählt. Diese beeindruckende Kulisse, bestehend aus zwei riesigen 18 und 21 Meter großen Händen greifen in den Bregenzer Himmel. 62 Teile zählt das „Kartenspiel für Riesen“ und schweben wie durch Zufall geworfen zwischen den Händen und auf der Bühne. Jede 2500 Kilogramm schwer und 4,30 mal 7 Meter groß. 28 Karten bilden die Hauptspielfläche.

Rund sieben Monate waren 37 Firmen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz damit beschäftigt, Carmens Welt zu schaffen. Mit einem Blick hinter die Kulissen starteten fast 100 ZAK-Leser in den Abend. Eindrucksvoll und informativ wurde der große Konzertsaal, Technik, Seebühne, und das unglaubliche Bühnenbild erklärt und konnte aus nächster Nähe unter die Lupe genommen werden.

Sängerische Qualitäten

Das fast schon tropisch anmutende Sommerwetter und der goldene Sonnenuntergang über dem glitzernden Bodensee schufen die perfekte Kulisse. Sanft begann das Spiel, fröhliche Kinder und Lea Katharina Hölzl, die Carmen als Mädchen darstellt, schlenderten über die Bühne bevor das Schicksal seinen Lauf nahm. Von allen begehrt, zwischen Rauchen und Kartenspielen, gefangen in ihren eigenen Gefühlen, verliebt Carmen sich in den Soldaten Don José, dem es schwer fällt seine Aggressionen und Launen unter Kontrolle zu halten.

Sängerisch besticht Lena Belkina als ausdruckstarke, rassige Carmen, stimmgewaltig und eindrucksvoll ergänzt David Pomery als Don José das Spiel perfekt. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Eigentlich soll der Soldat die Schönheit verhaften, doch sie wickelt ihn um dem Finger und wirft ihm eine Blume zu, die er als Zeichen ihrer Liebe deutet, und voller Leidenschaft die Seiten wechselt und sich mit Carmens Schmugglerbande in den Bergen verschanzt. Verschmäht Micaélas, mit der brillanten Stimme von Corinne Winters, Worte und sieht sich sogar dem stolzen Stierkämpfer Escamillo, ausgezeichnet interpretiert von Andrew Foster-Williams, überlegen. Dieser hat aber längst die freiheitsliebende Carmen erobert und bringt Don Josés Eifersucht zum Rasen.

Georges Bizets mitreißende Musik eroberte das Bregenzer Publikum. Carmens Habanera und Segudilla sind ebenfalls wie Escamillos Couplet in allen Ohren. In herrlichen Kostümen machen die faszinierenden Hauptdarsteller sowie Zuniga, Moralés, Le Remendado, Lillas Pastia, Soldaten, Prostituierte, Zigarrenarbeiterinnen und Schmuggler, das zweistündige Spiel auf dem See zu etwas Einzigartigem. Die Projektionen der Künstlerin Es Devlin, die die Karten mit feurigen Farbspielen und Bildern belebt, verleihen der Inszenierung eine knisternde, begeisternde Faszination. Schon während des Stücks bildete der wunderschöne Bodensee auch zum Schluss die perfekte Kulisse. In einer dramatischen Szene findet Carmen das von den Karten vorausgesagte Schicksal. Das Ende in den Fluten des Sees.

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