21.06.2018

Leserbrief

Im Vordergrund steht die Gewinnmaximierung eines internationalen Großkonzerns

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.
 
Zu: „Absprachen, Ausnahmen, Ängste: Wie mächtig ist die Zementlobby?“ vom 16. Juni
Gestatten Sie mir
1. Der technisch-wissenschaftliche Bereich zur Müllverbrennung und Filtertechnologie: Hierbei ist man auf Expertenmeinungen angewiesen, die für den Laien schwer überprüfbar sind. Bestellte und bezahlte Gutachten der Zementindustrie und ihrer Lobbyvereinigungen sind mit äußerster Vorsicht zu genießen und fallen in der Regel im Sinne des Auftraggebers aus. Hierbei wird verschleiert, getrickst und auch gelogen.
2. Wirtschaftliche Aspekte des Unternehmens: Deutlich im Vordergrund stehen die gnadenlose Gewinnmaximierung eines internationalen Großkonzerns und die Bedienung von Aktionärsinteressen. Dotternhausen und Umgebung ist den Verantwortlichen schnurz piep egal.
3. Sekundäre wirtschaftliche Aspekte: Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen, Steuerabgaben und Sponsoring. Bei Holcim finden 230 Personen Arbeit. Wenn man jedem Arbeitnehmer ein familiäres Umfeld von vier bis fünf Personen zurechnet, dann ist mindestens die Hälfte der Dotternhausener Bevölkerung direkt oder indirekt von Holcim abhängig. Hinzukommen Beschäftigte der der Dotterhausener Infrastruktur. Dass dies, neben dem Steueraufkommen (Gewerbesteuer) und einem großzügigen Sponsoring jeglicher Art, Auswirkungen auf das Handeln der Bürgermeisterin, Zusammensetzung und Abstimmungsverhalten des Gemeinderats hat, liegt auf der Hand.
4. Gesundheitliche Gefahren und Verminderung der Lebensqualität: Täglich werden in der werkseigenen Müllverbrennungsanlage unter anderem 6000 Altreifen verbrannt. Hierzu sind die Aussagen und Bewertungen des Regierungspräsidiums Tübingen eindeutig. „Dem Recht der Bevölkerung auf gesunde Wohnverhältnisse ist stärkeres Gewicht beizumessen, als dem wirtschaftlichen Interesses Holcims an der Einsparung von Investitionskosten für die SCR-Technologie“, so das RP im Jahre 2015. Aber leider erscheint das RP bei der Nichtdurchsetzung ihrer Vorgaben an Holcim wie ein zahnloser Papiertiger, der erbärmlich vor der Konzernmacht in die Knie zu gehen scheint, nicht zu reden vom grünen Holcim-Schutzengel, Umweltminister Franz Untersteller.
5. Eng zu Punkt 4 gehörend: Naturschutz, Umweltzerstörung, gesetzliche Vorgaben zum Umweltschutz. Wenn es hart auf hart geht, bleibt wie immer der Natur- und Umweltschutz auf der Stecke. Großkonzerne bestimmen in allen Bereichen die Musik, nach der getanzt wird. Staatliche Behörden sind hierbei die Kapelle. Sie sind nur dann besonders aktiv und „erfolgreich“, wenn es gegen kleine Betriebe, Einzelpersonen oder zum Beispiel den betrogenen Diesel-Fahrer geht.
6. Widerstand der betroffenen Bevölkerung gegen die Firmenpolitik von Holcim: Holcim spaltet eine ganze Gemeinde. Wieder einmal kämpft David gegen Goliath, aber diesmal wird David verlieren. Holcim verpestet nicht nur die Luft, sondern auch die Atmosphäre eines einvernehmlichen Zusammenlebens in einer kleinen Gemeinde.
Rainer Rehfuss
Grünewaldstraße 155
Balingen

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