20.06.2018

Leserbrief

Lieber bessere Filteranlagen als eine neue Seilbahn

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Zu: „Absprachen, Ausnahmen, Ängste. Wie viel Macht hat die Zementlobby“, vom 16. Juni
Der ZOLLERN-ALB-KURIER berichtete nach umfangreichen Recherchen über die wahren Hintergründe um Holcim, Plettenbergabbau, die Luftverschmutzungen und Filteranlagen. Der Dialog im Werkforum brachte erneut vieles ans Tageslicht, was bisher alles als unwahre Behauptungen und falsche Forderungen den BI-lern unterstellt wurde.
Der oberste Holcim-Verantwortliche sagt unumwunden, dass in Dotternhausen die ab 1. 1. 2019 geltenden gesetzlichen Grenzwerte (seit 2013 bekannt) ohne Ausnahmeregelungen erst ab 2027 eingehalten werden sollen. Gleichzeitig behauptet er, dass sich durch eine SCR-Filteranlage keine Reduzierung von C-gesamt (einem Bündel vieler Giftstoffe) ergebe, und sein Mitarbeiter, dass Ammoniak für beide Anlagen etwa gleich benötigt würden. Auch die SCR-Luftreinigung löse nicht alle Schadstoffprobleme.
Aber laut amtlichen Unterlagen, Eckpunktepapier des Bund-/Länderausschusses, das Holcim schon Jahre bekannt ist, können mehrere Schadstoffe um 40 bis 60 Prozent, manche sogar noch mehr, mit SCR reduziert werden. Amtlich ist dies nun Stand der Technik. Nur wenn andere Verfahren gleiche Wirkung zeigen, können diese eingesetzt werden. Natürlich lösen katalysatorische Reinigungen nicht alle Probleme. Diese halbieren aber viele Schadstoffe.
Es gibt auch noch Entschwefelungs- oder Aktivkohlefilteranlagen. In der Schweiz werden bei Holcim-Werken solche eingesetzt. In die Schweiz sollen rund 2/3 der Schieferabbrände gehen. Dort kann dadurch erheblich Kalkstein und Strom eingespart werden. Die Luftverschmutzungen müssen wir ertragen. Gewaltige Mengen.
Bevölkerung und Umwelt haben einen Anspruch zu schnellstem Handel, nicht erst in zehn Jahren. Es haut noch dem Fass den Boden aus, wenn Holcim- Sprecherin Schädle erklärt, durch SCR gebe es wegen mehr Energieverbrauch sogar zusätzliche 7700 Tonnen Schadstoffbelastungen und damit schlechtere Werte. Auf Kosten komme es Holcim nicht an. Das Nutzenverhältnis spreche sogar gegen die SCR-Anlage. Wer zieht welchen Nutzen?
Natürlich brauchen bessere Filteranlagen vielleicht auch etwas mehr Strom. Wenn man demgegenüber aber 50 Prozent von früheren über 500 000 Tonnen Stickoxiden und viel Ammoniak einsparen kann und keine Ausnahmen von gesetzlichen Grenzwerten benötigt, ist doch dies ein geringer Mehraufwand und verhältnismäßig. Die noch höheren Belastungen durch die Schieferverbrennung werden einfach übergangen.
Wir von der NUZ kämpfen lieber für bessere Filteranlagen als für eine neue Seilbahn mit 50 Prozent mehr Leistung. Wir fragen schon, ob im Abbauvertrag mit der Gemeinde geregelt ist, dass damit auch der Plettenberg nicht noch schneller abgebaut wird. Wir kämpfen für den Plettenberg, zu dem Schillo sagt, Holcim brauche mehr als 8,6 Hektar.
Norbert Majer, Siegfried Rall, Bernd Effinger von der NUZ
Schulstraße 22, Dotternhausen,

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