19.06.2018

Leserbrief

Eine Beleidigung der Bürger

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Die Berichterstattung um den Plettenberg wird auch an anderer Stelle aufmerksam verfolgt. In der Beurteilung einer Streitfrage steht nicht zuletzt die Frage nach dem jeweiligen Motiv. Im juristischen Sinne spricht man von der Motivforschung. Den Gegnern der Erweiterung des Steinbruchs können wohl keinerlei eigene Interessen unterstellt werden. Lediglich die Sorge um Natur und Umwelt.
Etwas anders sieht es bei Mandatsträgern aus. Es ist hinlänglich bekannt, dass Verwaltungen gegenüber Unternehmen und deren Interessen sich recht dienerisch verhalten. Was bisher von der Verwaltung in der Sache vorgebracht wurde, ist kaum vertrauensbildend. Dazu, dass Gemeinderäte nachplappern, was ihnen von der Verwaltung vorgesetzt wurde, ist ebenfalls nicht neu.
Neu ist allerdings, dass eine Bürgermeisterin anlässlich einer Sitzung die Zuhörer demonstrativ auffordert, sich „anständig und vernünftig“ zu verhalten. Das stellt eine Beleidigung der anwesenden Bürger dar. Schlicht: eine Unverschämtheit ersten Ranges. Dass dazu die Gemeinderäte in die gleiche Kerbe schlagen, verrät allenfalls deren Hilflosigkeit und Mangel an Sachargumenten.
Dazu, dass man einzelne Vertragspassagen aus Gründen des „Betriebs- und Geschäftsgeheimnisses“ schwärzen musste, kann nur noch unter dem Begriff Volksverdummung verstanden werden. Im Rechtssinne nennt man dieses letzte Aufgebot „Nebelschießen“. Das bedeutet, wenn man über keine Argumente verfügt, greift man zu diesem Hilfskonstrukt, um den Gegner zu verunsichern und in die Irre zu führen.
Kurz zusammengefasst: Dieses Dotternhausener Gremium hat mit seiner Vorgehensweise den Grundsätzen demokratischer Willensbildung schweren Schaden zugefügt. Die Abneigung, solche Zeitgenossen noch einmal mit einem Amt zu betrauen, dürfte nur allzu verständlich sein.
Abrecht W. Maier
Marktstraße, Winterlingen

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