Amokpol ZAK

Winterlingen, 02.04.2018

Familiendrama an Ostern erschüttert Winterlingen

In einer Wohnung in Winterlingen ist am Sonntagabend eine 41 Jahre alte Frau erschossen worden. Die Polizei nahm den Ehemann fest.

von Michael Würz  

Um kurz nach 19 Uhr greift der 48-Jährige am Sonntagabend zur Waffe, schießt auf seine Frau, für die die Rettungskräfte, die kurze Zeit später in der Ebinger Straße eintreffen, nichts mehr tun können – sie stirbt noch am Tatort. So zeichnet sich die brutale Tat nach den bisherigen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft ab. Die 17 Jahre alte Tochter erlitt leichte Verletzungen. Sie soll Informationen unserer Zeitung zufolge versucht haben, den Mann von seiner Tat abzuhalten.

Schwere Helme, schusssichere Kleidung: Polizisten am Tatort in der Ebinger Straße tragen sogenannte Amokschutzausrüstung, um sich bei einem möglichen Schusswechsel zu schützen. Fotos: Sven Maurer
Schwere Helme, schusssichere Kleidung: Polizisten am Tatort in der Ebinger Straße tragen sogenannte Amokschutzausrüstung, um sich bei einem möglichen Schusswechsel zu schützen. Fotos: Sven Maurer

Polizeibeamte nahmen den Tatverdächtigen noch am Sonntagabend am Ort des Geschehens fest – ein deutscher Staatsangehöriger mit serbischen Wurzeln, der Ehemann der Getöteten. Am Tatort kursierten Gerüchte, wonach es sich um eine Tat unter jugendlichen Flüchtlingen handeln solle. Diese Information erwies sich schnell als falsch, wurde aber dennoch unter anderem vom Schwarzwälder Boten im Internet verbreitet (siehe auch untenstehende Info).

 

Polizei unter Amokschutz

Der Einsatz hatte zuvor für Aufsehen in der Winterlinger Ortsdurchfahrt gesorgt. Einsatzkräfte hatten sich Amokschutzausrüstungen angelegt und sich schwer bewaffnet, bevor sie in das Haus vorgingen.

Auch das Rote Kreuz startete nach der Tat einen Großeinsatz: „Mehr als 15 Helferinnen und Helfer des DRK richteten sich auf eine längerfristige Betreuung ein“, sagte Dietmar Dieter, Pressesprecher des Roten Kreuzes im Zollernalbkreis. Die Helfer kümmerten sich um mehr als 12 Familienangehörige, darunter mehrere Kinder. Einsatzkräfte aus Winterlingen, Harthausen und Balingen rückten am Sonntagabend aus.

Ein Ermittler im Spurensicherungsanzug begutachtet nach der Festnahme des Ehemanns den Tatort.
Ein Ermittler im Spurensicherungsanzug begutachtet nach der Festnahme des Ehemanns den Tatort.

Wenig bekannt ist bislang zum Hintergrund der Tat. Die Behörden geben sich dazu aus ermittlungstaktischen Gründen bislang zugeknöpft. Nur so viel: Staatsanwaltschaft und Polizei gehen nach aktuellem Stand der Ermittlungen von einem sogenannten Familiendrama aus. Um den Ablauf genau rekonstruieren zu können, seien noch umfassende kriminaltechnische Untersuchungen erforderlich, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit. Die Kriminalpolizeidirektion Rottweil hat zur Klärung des Sachverhalts noch an Ostern eine eigene Ermittlungsgruppe zusammengestellt, die den Fall nun minuziös aufklären soll.

 

Falsche Gerüchte

Schnell zur Stelle waren nur kurze Zeit nach der Tat am Sonntagabend Internet-Kommentatoren, die das Familiendrama als eine Tat unter jugendlichen Flüchtlingen sahen. Dieses Gerücht, verbreitet von Nachbarn, hatte auch der Schwarzwälder Bote auf seiner Internetseite ungeprüft kolportiert. Tatsächlich ist in dem Wohn- und Geschäftsgebäude in Winterlingen eine Wohngruppe jugendlicher Flüchtlinge untergebracht. Sie allerdings haben mit der Tat nichts zu tun, wie das Polizeipräsidium Tuttlingen klarstellte. Das Tötungsdelikt trug sich in einer anderen Wohnung in dem Gebäude zu – wie berichtet unter einem Ehepaar.

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