„Ich bin kein Typ für Schema F“

Balingen/Albstadt, 29.03.2018

Wolfgang Strobel: „Ich bin kein Typ für Schema F“

Wolfgang Strobel, Geschäftsführer des HBW Balingen-Weilstetten, ehemaliger Spieler und Absolvent der Hochschule, über sein Leben zwischen Studium und Sport und die Kooperation.

von Vanessa Marquardt  

Der erste Punkt ist die Entscheidung, was man überhaupt tut, sagt Strobel. Nach dem Realschulabschluss und seiner Lehre als Bankkaufmann stand der damals 18-Jährige 2002 vor der Entscheidung, wie es weitergeht. Die Ausbildung beendete er zeitgleich mit dem Aufstieg in die 2. Liga. Ihm war klar, dass ein „normaler“ Job nicht mit einer Handballkarriere kompatibel ist.

Wolfgang Strobel hat an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen studiert. Aus Sicht des heutigen HBW-Geschäftsführers ist es wichtig, jungen Menschen die Chance zu geben, Studium und Sport zu vereinbaren.
Wolfgang Strobel hat an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen studiert. Aus Sicht des heutigen HBW-Geschäftsführers ist es wichtig, jungen Menschen die Chance zu geben, Studium und Sport zu vereinbaren. Foto: Hochschule

„Von klein auf war der Sport ein wichtiger Faktor in meinem Leben“, sagt er. Abhängig machen wollte er sich davon aber nicht. Zahlen und Wirtschaft hätten ihn auch schon früh fasziniert. Daher beschloss er, die Fachhochschulreife zu machen und zu studieren. Er entschied sich für ein BWL-Studium in Sigmaringen. Die ersten drei Semester studierte er ganz klassisch in Vollzeit. Dann folgte der Aufstieg in die erste Liga. „Damit war klar, das geht so nicht mehr.“

Er führte Gespräche mit dem Rektor und seinem Studiendekan und erhielt die Möglichkeit, sein Studium zeitlich anzupassen. So konnte er an zwei bis drei Tagen studieren und sich die restliche Zeit auf den Sport konzentrieren. „Das hat mir natürlich wahnsinnig viel erleichtert, ohne dass mir etwas geschenkt wurde“, betont Strobel. Er musste die gleichen Prüfungsleistungen erbringen wie seine Kommilitonen, war aber in der zeitlichen Gestaltung etwas flexibler.

Im Endeffekt hat er für sein Studium zwei Semester länger gebraucht und musste auf manches verzichten. „Das Wichtigste ist ein großes Interesse und Spaß an der Sache“, so Strobel. Ohne das und den Support der Familie seien Zeitmanagement und Organisation nicht möglich. Außerdem müsse man Prioritäten setzen. Der Sport habe ihm aber auch im Studium geholfen. „Viele Dinge, die ich im Sport gelernt habe, konnte ich auf das Studium transportieren und umgekehrt.“

Aus dem Studium mitgenommen habe er vor allem bestimmte Kompetenzen, wie das selbstständige Erarbeiten von Dingen. „Ich bin kein Schema F-Typ“, sagt Strobel. Im Studium habe er das Werkzeug erhalten, anwenden würde er es aber lieber eigenständig statt in Schablonen zu denken. Nach seinem Abschluss 2011 dachte er sich: „Ich mache jetzt neben dem Sport mal nichts.“ Lange hielt er das aber nicht aus. Nach einem halben Jahr suchte er einen Arbeitsplatz, um erste Praxiserfahrung zu sammeln. Im Juni 2015 beendete er seine Sportlerkarriere beim HBW und übernahm im Juli 2015 den Posten des Geschäftsführers.

Die Bildung der Spieler, die hierher kommen, ist dabei ein wichtiges Thema. „Es gab bereits Kooperationen mit Schulen, aber dann war Schluss. Für mich war klar, hier müssen wir weitermachen und habe daher das Gespräch mit der Hochschule gesucht.“ Die Kooperation kann für alle Seiten eine Win-win-Situation sein, ist Strobel überzeugt, „für Schüler, Spieler, Studierende oder Unternehmen“. Für seine Spieler sei das Studium eine Option. Insbesondere in der 2017 an der Hochschule beschlossenen Satzung für ein Studium in individueller Teilzeit sieht er eine attraktive Möglichkeit.

Ein Studium sei nicht für jeden Spieler geeignet, aber wenn es passt, dann seien die Möglichkeiten danach einfach größer. Bereits jetzt studierten zwei der Spieler in Albstadt. Mit anderen Spielern, die sich für ein Studium interessieren, führt er in Kürze Gespräche. Ausbildung als Ganzes sei für die Region wichtig. „Wir engagieren uns hier im Bereich Handball und bilden dafür aus.“ Dabei lege man Wert darauf, dass die Spieler parallel in den Schulen, der Ausbildung oder im Studium vorankommen. Von der Kooperation profitiert auch die Hochschule. So erhalten im April Studierende über den Förderverein der Hochschule die Möglichkeit, mit Strobel und Lukas Saueressig die Gegebenheiten vor Ort zu besichtigen und einen exklusiven Einblick in den HBW zu bekommen.

 

Zur Person

Wolfgang Strobel Von 2001 bis 2015 spielte Strobel beim heutigen Zweitligisten HBW Balingen-Weilstetten. 2006 war ihm mit dem Verein der Aufstieg in die erste Bundesliga gelungen. Parallel zu seiner Handballkarriere studierte er dabei an der Hochschule in Sigmaringen. Heute setzt sich Strobel für eine Kooperation zwischen der Hochschule und dem Verein ein. Im Juni 2015 beendete er seine Sportlerkarriere beim HBW und übernahm im Juli 2015 den Posten des Geschäftsführers.

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