Bild Politiker im Netz: „Wir tragen Verantwortung für das, was wir sagen“
„Persönliche Angriffe sind tabu“: Thomas Bareiß über Kommunikation im Netz. Foto: Pascal Tonnemacher
„Persönliche Angriffe sind tabu“: Thomas Bareiß über Kommunikation im Netz. Foto: Pascal Tonnemacher
„Persönliche Angriffe sind tabu“: Thomas Bareiß über Kommunikation im Netz. Foto: Pascal Tonnemacher
„Persönliche Angriffe sind tabu“: Thomas Bareiß über Kommunikation im Netz. Foto: Pascal Tonnemacher

Zollernalbkreis, 08.03.2018

„Wir tragen Verantwortung für das, was wir sagen“

Thomas Bareiß (CDU) ist einer der bundesweit erfolgreichsten Twitterer in der Union. Ein Gespräch über neue Medien, Verantwortung und Populisten im Netz.

von Michael Würz  

Spahn, Tauber, Altmaier, Bareiß: Eine Berliner Agentur für Meinungsforschung hat dem Bundestagsabgeordneten aus dem Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen dieser Tage bescheinigt, im Netz ganz vorne mitzuspielen.

Thomas Bareiß auf Twitter (hinten), Thomas Bareiß zu Gast beim ZOLLERN-ALB-KURIER.
 „Manchmal überlegt man sich vielleicht, ob man dieses oder jenes hätte schreiben sollen.“
Thomas Bareiß auf Twitter (hinten), Thomas Bareiß zu Gast beim ZOLLERN-ALB-KURIER. „Manchmal überlegt man sich vielleicht, ob man dieses oder jenes hätte schreiben sollen.“ Foto: Pascal Tonnemacher

Herr Bareiß, alleine bei Twitter folgen Ihnen rund 8500 Menschen. Warum, glauben Sie, sind Sie da so erfolgreich unterwegs?

Vielleicht, weil ich manchmal etwas provokativ zu tagespolitischen Themen twittere und dabei auch recht direkt meine Meinung sage. Mir macht das einfach Spaß, man bekommt dann mit der Zeit automatisch einen ziemlich großen Kreis von Followern.

Wann greifen Sie zum Smartphone, um zu twittern?

Wenn ich zum Beispiel etwas in der Zeitung lese, das mich umtreibt, überlege ich kurz, ob ich das wirklich kommentieren möchte und dann twittere ich das. Politiker können kurzfristig und direkt Position zu einem Thema beziehen. Das wird auch stark von Journalisten wahrgenommen.

Twittern Sie selbst oder lassen Sie Mitarbeiter für sich sprechen?

Grundsätzlich twittere ich selbst. Mein Büro hat allerdings Zugänge zu allen Accounts, um im Notfall reagieren zu können.

Wie hat sich die politische Kommunikation in den vergangenen Jahren geändert?

Alles ist viel schneller geworden. Wenn heute ein Thema in den sozialen Medien rumgeht, ist das manchmal nur eine Sache von Minuten oder Stunden, bis es groß wird. Da müssten wir uns alle etwas entschleunigen, auch um Fakten zu klären und Informationen zu kontrollieren. Die Selbstdarstellung einzelner Politiker hat teilweise zu stark zugenommen. Andererseits bekommen Bürger die Möglichkeit, viel näher an Politiker ranzukommen. Dadurch wird Politik spannend, das ist mir sehr wichtig.

Sind die sozialen Medien für Sie eher Last oder Bereicherung?

Unterm Strich ganz klar eine Bereicherung. Wir können Politik erlebbar machen. Wir können eher junge Leute für Politik begeistern, aber auch Menschen erreichen, die sich sonst nicht so für unsere Arbeit interessieren.

Insbesondere Populisten nutzen die sozialen Medien virtuos. Die AfD ist auf Facebook (viel) erfolgreicher als alle anderen Parteien. Was bedeutet das für Sie?

Die AfD nutzt alle Möglichkeiten des Netzes, leider aber auch oft, um Stimmungen zu erzeugen. Oftmals verbreiten sich deren Posts millionenfach, man kann aber die Fakten oft gar nicht so schnell prüfen. Das schafft ein Klima der Verunsicherung.

Stichwort Fake-News: Tübingens OB Boris Palmer sagte kürzlich im SWR, er könne nicht alles überprüfen, was er auf Facebook schreibt – und sehe sich da eher als Privatmann. Hat er Recht?

Nein. In diesem Punkt widerspreche ich Oberbürgermeister Palmer ganz entschieden. Wir Politiker tragen selbstverständlich Verantwortung für das, was wir sagen. Das gilt bei Twitter und Facebook genauso wie wenn mich jemand an der Kinokasse erkennt und zu einem Thema anspricht. Wir dürfen uns da nicht rausreden.

Als Ihr langjähriger Follower weiß ich: Sie teilen im Netz ganz munter aus – gegen politische Gegner, auch mal gegen Medien. Wo liegt Ihre persönliche Schmerzgrenze?

Ich finde, im politischen Betrieb müssen wir ein hartes Fell haben, da teile ich gerne auch mal aus. Aber es muss um Inhalte gehen. Persönliche Angriffe sind absolut tabu, da ich auch Politikern anderer Parteien unterstelle, dass sie im Sinne des Gemeinwohls handeln.

Haben Sie im Nachhinein schon mal einen Tweet bereut?

Manchmal überlegt man sich vielleicht, ob man dieses oder jenes hätte schreiben sollen. Aber richtig bereut habe ich bislang keinen Tweet. Kürzlich habe ich auf Facebook zur Situation am Sigmaringer Bahnhof einen Beitrag gepostet. Die Diskussion verlief dann sehr heftig, was nicht ganz einfach war, aber so merkt man eben, wo den Menschen der Schuh drückt.

Ein frotzeliger Tweet, ein pointiertes Posting bei Facebook: Das führt heute oftmals nicht zu politischen Debatten, sondern schnell zu Hass und Hetze in den Kommentaren. Wie gehen Sie damit um?

Ich glaube, dass ich es aushalten muss, wenn andere sich mit mir auseinandersetzen. Aber wenn ausschließlich Kommentare mit Hass, Hetze oder Beleidigungen gepostet werden oder es ganz dubiose Accounts sind, wo nicht nachzuvollziehen ist, wer dahinter steckt, sperre ich Kommentatoren auch auf meinen Profilen.

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