Die medizinische Versorgung dünnt immer mehr aus

Schömberg, 18.01.2018

Medizinische Versorgung im Schlichemtal dünnt aus

Dr. Brigitte Bayer und Dr. Harald Bayer schließen Ende März ihre Praxis. Die Stadt Schömberg will die ärztliche Struktur im Verband stärken. Mit Kommentar.

Das Schömberger Ärzteehepaar Dr. Brigitte Bayer und Dr. Harald Bayer schließt Ende März seine Praxis für Allgemeinmedizin in der Brunnenstraße. Seit nunmehr 35 Jahren bestehe die Praxis, erläuterte Dr. Brigitte Bayer am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung. Der Entschluss, die Praxis altershalber aufzugeben, sei definitiv. Einen Nachfolger habe man bisher noch nicht gefunden.

Ende März ist Schluss: Die Gemeinschaftspraxis Ders. Bayer in der Brunnenstraße in Schömberg hört auf. Damit wird die Versorgungssituation im Schlichemtal nicht einfacher.
Ende März ist Schluss: Die Gemeinschaftspraxis Ders. Bayer in der Brunnenstraße in Schömberg hört auf. Damit wird die Versorgungssituation im Schlichemtal nicht einfacher. Foto: Daniel Seeburger

Durch die Schließung der Arztpraxis könnte die medizinische Versorgung nicht nur in Schömberg, sondern im ganzen Oberen Schlichemtal leiden. Denn in der gesamten Raumschaft wird es im ungünstigsten Fall ab April nur noch zwei Arztpraxen für Allgemeinmedizin und eine Praxis für innere Medizin geben mit insgesamt fünf Ärzten – allesamt in Schömberg. Vor vier Jahren schloss die Arztpraxis in Dotternhausen, seit 2005 ist Schörzingen ohne Arzt.

Die Stadtverwaltung Schömberg ist sich der Problematik bewusst. In nichtöffentlicher Sitzung berieten die Gemeinderäte am vergangenen Mittwoch über die weitere Vorgehensweise. Mit dabei war unter anderem auch Apotheker Stefan Spindler.

Ziel sei es, die ärztliche Struktur in Schömberg und der gesamten Raumschaft nicht zu schwächen, erklärte Schömbergs Bürgermeister Karl-Josef Sprenger am Donnerstag auf Nachfrage unserer Zeitung. Deshalb wolle man auch auf Verbandsebene aktiv werden. Man müsse die Patienten, deren Hausarzt aufhört, in Schömberg halten, sagte der Bürgermeister. Dazu brauche es auch in der Zukunft eine vernünftige Kooperation zwischen Kommune, Ärzten und Apotheke. Man habe am Mittwoch die Problemlage aus Sicht der Ärzte und Apotheker angesprochen. Für die Stadt stelle sich nun die Frage, wie man unterstützen könne. Man wolle das Vorgehen von Verband, Gemeinde, Ärzten und Apotheke bündeln, so Karl-Josef Sprenger.

Von einem „schwierigen Feld“ sprach der Schömberger Bürgermeister, wohl wissend, dass das Betreiben einer Arztpraxis auf dem Land schon seit etlichen Jahren nicht mehr zu den Traumberufen zählt. Man wolle die verbleibenden Praxen auf jeden Fall stärken und gleichzeitig mit den Pfunden wuchern, die das Obere Schlichemtal vorweisen kann: Kinderfreundlichkeit, hoher Freizeitwert und günstige Bauplätze.

ZAK-Redakteur Daniel Seeburger.
ZAK-Redakteur Daniel Seeburger.

Kommentar: Es war einmal ...

Es war einmal ein Verwaltungsverband, der hatte sechs Arztpraxen in drei Gemeinden. Acht Allgemeinärzte gab es damals im Oberen Schlichemtal. Ab April geht die Zahl der Praxen auf drei zurück, in denen sechs Ärzte tätig sind. Den Gemeindeverwaltungen kann man keine Schuld geben an der Ausdünnung des medizinischen Angebots. Sie haben sich redlich bemüht. Als beispielsweise 2005 die Arztpraxis in Schörzingen verwaiste, taten Schömbergs Bürgermeister Karl-Josef Sprenger und der damalige Schörzinger Ortsvorsteher Josef Rissler alles in ihrer Macht stehende, um einen neuen Arzt zu finden. Ein Kandidat hatte sich im Januar 2007 im Ortschaftsrat in Schörzingen vorgestellt. Allein die kassenärztliche Vereinigungen Reutlingen und Freiburg spielten nicht mit. Auch den Dotternhausener Räten gelang es nicht, einen Nachfolger für den Arzt Igor Glasykin zu finden, der 2014 nach Rottweil wechselte. Das Schlichemtal mag einige Standortvorteile bieten, trotzdem wollen immer weniger Hausärzte aufs Land. Noch schlimmer: Immer weniger Medizinstudenten streben den Hausarztberuf an und präferieren eine Facharzt-Ausbildung. Dieses gesellschaftliche Problem trifft nun einmal mehr das Schlichemtal. Es war einmal ein Verwaltungsverband mit sechs Arztpraxen. Spätestens im April ist dann wahrscheinlich Schluss mit Märchen, die ja meist mit einem Happy End enden.

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