Bürgermeisterin bezieht Stellung: Respekt statt Diffamierungen

Dotternhausen, 27.07.2017

Gemeinderat wünscht sich Respekt statt Diffamierungen

Zum ersten Mal beziehen Bürgermeisterin Monique Adrian und ihr Gemeinderat Stellung zur hitzigen Debatte um den Kalksteinabbau, bei der sie vor allem Fairness und Anstand vermissen.

Seit 70 Jahren wird Kalkstein auf dem Plettenberg abgebaut. So viel darüber gesprochen wie in den zurückliegenden zwei Jahren wurde vermutlich noch nie. In Dotternhausen erhitzt das Thema die Gemüter der Bürger. Initiativen gründen sich, die Firma Holcim und vor allem die Verwaltung werden von Gegnern der Abbaupläne angegangen. Die Bürgermeisterin und ihr Gemeinderat haben nun zum ersten Mal in einem Pressegespräch selbst Stellung bezogen. Der Tenor: Fairness und Ehrlichkeit sollten den Umgang miteinander wieder dominieren, Diffamierungen und persönliche Angriffe aufhören.

Gemeinderat wünscht sich Respekt statt Diffamierungen

Bei der Bürgerfragestunde beantwortete Dotternhausens Bürgermeisterin Monique Adrian am Mittwochabend die zahlreichen Fragen aus dem ebenso zahlreich erschienenen Publikum. Es wurde immer wieder emotional und die Stimmung war angespannt. Einer der Hauptvorwürfe der Gäste: Die Verwaltung würde sie nicht ernst nehmen. „Das stimmt einfach nicht. Wir hören zu und wir hören nicht nur die, die am lautesten sind, sondern auch alle anderen“, erklärte Adrian im Pressegespräch am Donnerstag. „Der Auftrag vieler Bürger an uns lautet, endlich einen Knopf an die Verhandlungen mit Holcim zu machen. Das wollten wir in der jüngsten Sitzung tun, haben es auf Wunsch der Bürgerinitiative aber bleiben lassen“, berichtet sie weiter.

Und erklärt die Umstände der Streichung des Tagesordnungspunkts: „Am Montag war die BI, die uns schon früher aufgefordert hatte, endlich Grenzen zu ziehen, bei uns und hat die Bitte geäußert, nicht über den Punkt abzustimmen. Keine Stunde später flatterte uns eine von zwei Klagen der BI vom Verwaltungsgericht ins Haus. Sie war am Sonntag bereits eingereicht worden. Uns gegenüber hat im persönlichen Gespräch keiner ein Wort davon erwähnt“, sagt sie. Auch vom laufenden Widerspruchsverfahren gegen das für unzulässig befundene Bürgerbegehren habe sie nicht im Gespräch von Angesicht zu Angesicht erfahren.

Ihre Verbitterung über die Art des Umgangs ist deutlich zu spüren. Auch den übrigen Mitgliedern des Gemeinderats gehe die belastende Situation an die gesundheitliche Substanz. Im Pressegespräch bekommt sie Schützenhilfe von ihren beiden Vertretern Ilse Ringwald und Achim Klaiber sowie den Gemeinderäten Christine Eppler und Markus Schnekenburger. „Die Grundsätze von Vertrauen, Ehrlichkeit, Fairness und Respekt werden einfach nicht mehr beachtet“, sagt Markus Schnekenburger.

Kinderstube fehlt bei manchen

Achim Klaiber erzählt: „Vieles, was wir uns in den letzten Wochen anhören mussten, lässt jegliche Kinderstube vermissen.“ Und Christine Eppler formuliert es noch drastischer: „Wir werden persönlich angegriffen von Leuten, die Ur-Dotternhausener sind wie wir, mit denen wir zur Schule gegangen und immer ausgekommen sind.“ Jahrelang habe man den Steinbruch auf dem Plettenberg akzeptiert. „Und plötzlich stehen alle weinend vor dem Loch und fragen, wo das auf einmal herkommt“, sagt Ilse Ringwald.

Der aktuelle Gemeinderat müsse jetzt mit den alten Verträgen im Hintergrund das Beste für die Gemeinde herausholen. „Wir haben diese Verträge und den Antrag von 1986 nicht ausgehandelt und nicht unterschrieben. Um so härter trifft es uns, dass sich ausgerechnet der Dotternhausener Altbürgermeister Norbert Majer, in dessen Amtszeit der Antrag von 1986 fiel, so gegen uns stellt“, sagt Monique Adrian. „Wenn dem Antrag damals stattgegeben worden wäre, wäre eine Restrandfläche von 30 Metern übrig. Und auf einmal sind sie alle die obersten Blümles-, Wässerles- und Steinlesretter des Plettenbergs“, sagt Ilse Ringwald.

Auch ihr liegt die Situation im Dorf am Herzen. „Wir sind auch nur Menschen. Wir haben zig Jahre Vereinsarbeit gemacht, helfen mit und plötzlich schlägt uns regelrecht Hass entgegen“, erzählt sie. Dass die beiden parallel laufenden Mediations- und Dialogverfahren nicht besonders glücklich seien, da sind sich die Räte einig. „Wir haben uns aus dem von Holcim initiierten Verfahren nur deshalb rausgehalten, damit die Bürger offen mit der Firma sprechen konnten. Dass uns das als Desinteresse ausgelegt wird, konnten wir nicht ahnen“, sagt Monique Adrian.

Und sie erklärt im selben Zug, warum nun die Grenzen nicht abgesteckt werden: „Welche Grenzen sollen wir denn abstecken? Die, die die BI sich vorstellt? Die, über die wir nicht abstimmen dürfen? Oder womöglich die aus dem Antrag von 86, der noch immer nicht beschieden ist? Dann haben wir ein vielfarbiges Kuddelmuddel aus Pföstle auf dem Berg, in dem sich keiner mehr zurechtfindet“, sagt sie. Grundsätzlich spreche gar nichts dagegen, die Grenzen optisch sichtbar zu machen. „Aber erst mal müssen wir wissen, über welche wir sprechen“, erklärt die Verwaltungschefin. Trotz Druck von Landratsamt und Holcim: „Vor Oktober werden wir nichts beschließen.“ Und ob über die Abbaugrenzen letztlich nicht ohnehin ein Gericht entscheiden werde, stehe in den Sternen.

Für die Plettenberghütte indes wäre eine Entscheidung über die Abbaugrenzen auch eine Chance: „Wenn das Naturschutzgebiet kommt, darf an der Hütte nichts mehr verändert werden. Wir können sie nur jetzt sanieren oder an einem anderen Platz neu bauen. So, dass sie in Sachen Hygiene und Sanitär eine Zukunft hat“, erklärt Monique Adrian. Mit diesem Blick in die Zukunft sagt Achim Klaiber: „Der Dorffrieden und der faire Dialog sind für uns alle wichtig. Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

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Plettenbergabbau.

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