Ohne Reue kräftig zubeißen: Bei Bio-Obst ist das bedenkenlos möglich, denn beim Anbau wurde auf schädliche Pestizide verzichtet.
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„Bio“ blüht weiter auf

Biologisch, regional und bestenfalls noch saisonal: Diese Attribute sind für immer mehr Konsumenten sehr wichtig.

von Jasmin Alber   Die Kommentarfunktion ist bei diesem Artikel deaktiviert

Im vergangenen Jahr stellten rund fünf Bauern pro Tag auf „Bio“ um, fast jeder zehnte Landwirtschaftsbetrieb in Deutschland wirtschaftete 2016 bereits ökologisch. Schätzungen zufolge ist die Fläche für Ökolandbau in diesem Jahr um 96 633 auf 1 185 471 Hektar gewachsen. Diese Zahlen des Vereins Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) verdeutlichen den Wandel im Landwirtschaftssektor, aber auch das Umdenken der Verbraucher. Biologisch, regional und – bei Lebensmitteln – darüber hinaus noch saisonal: Diese drei Attribute sind beim Lebensmittelkauf für immer mehr Konsumenten Trumpf. Vereinfacht gesagt: An den Ladenkassen unterstützen die Kunden mit ihrem Kauf von Bio-Produkten den Umbau der Landwirtschaft. Das beginnt an der Fleisch- und Fischtheke, geht über die Kühltheken mit Milch-, Ei- und Molkereiprodukten, den Bäckereien bis hin zu den Gemüse- und Obstabteilungen. Ebenso sind weiterhin die sogenannten sonstigen Verkaufsplätze wie Reformhäuser, Bäckereien, Hofläden, Versandhändler und weitere auf dem Vormarsch. Auf mehreren Wegen wird die steigende Nachfrage nach „Bio“ in allen Facetten bedient. Doch nicht nur mit dem Kauf von Lebensmitteln in Bio-Qualität können Verbraucher einen Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz leisten. Das beginnt schon bei der Verpackung und dem Transport der Waren.

Pyramidenschwere Plastikberge

Laut Angaben des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) werden global bis zu 250 Millionen Tonnen Plastik hergestellt – pro Jahr. Europa ist hier trauriger Spitzenreiter: Ein knappes Viertel des weltweiten Plastikverbrauchs geht auf das Konto der Europäer. Und hier verbraucht kein anderes Land so viel Plastik wie Deutschland (11,7 Millionen Tonnen). Das entspreche ungefähr dem Gewicht von zwei Cheops-Pyramiden, veranschaulichen die Experten. Seit Mitte der Neunziger hat sich die Menge fast verdoppelt. Recycelt werden nur 42 Prozent des Plastikmülls. 56 Prozent werden verbrannt und gehen damit der Kreislaufwirtschaft für immer verloren. Wer Einwegprodukte aus Plastik vermeidet, leistet daher einen wichtigen Beitrag gegen Rohstoffverschwendung und Klimabelastung. Eines gilt es jedoch zu beachten: Wer beispielsweise die alternativen Papiertüten anstelle der Plastiktüten im Supermarkt nur einmal verwendet, hilft der Umwelt nicht besonders viel.

Ungeachtet bei dieser Menge ist das Plastik, das in den Weltmeeren „entsorgt“ wird, sowie Mikroplastikteilchen, an denen sich giftige Chemikalien binden, ein wichtiger Faktor, den es zu verhindern gilt. Nicht nur für die im Wasser lebenden Tiere und das Ökogleichgewicht der Meere sind diese Partikel schädlich bis lebensbedrohlich, sondern auch für den Menschen: Denn wer bestimmte Fischarten konsumiert, konsumiert automatisch den „Müll“ mit.

Auch Energie und Kleidung können „bio“

Wer zu einem Ökostromanbieter wechselt, leistet einen wesentlichen Beitrag zum Atomausstieg, Klimaschutz und zur Preisstabilität. Die Experten von BUND raten, sich umfassend zu informieren. Denn Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Gewissheit bringen Zertifizierungen wie beispielsweise das Label „Grüner Strom“. Energieanbieter, die mit diesem Label ausgezeichnet sind, erfüllen die Kriterien, die sieben Umwelt- und Verbraucherschutzverbände sowie Organisationen (darunter BUND, DNR und EuroSolar) aufgestellt haben. Kernkriterium der Zertifizierung ist, dass die Stromanbieter mit einem festen Betrag je verkaufter Kilowattstunde den Ausbau erneuerbarer Energien fördern. Auch lokale Anbieter erneuerbarer Energie sollten beim Wechsel berücksichtigt werden. Dasselbe gilt für „Grünes Gas“, denn umweltverträgliches Biogas ist ebenfalls verfügbar. Beim Vergleich werden Verbraucher schnell feststellen, dass sich die These „Ökostrom ist viel teurer“ nicht bewahrheitet.

Beim Kleidungskauf lohnt sich ebenfalls der Blick aufs Etikett. Auszeichnungen wie „Bio-Baumwolle“ oder das blaue „IVN Best“-Siegel gewährleisten, dass die Kleidung (oder deren Rohstoffe) umweltfreundlich und ohne Einsatz bestimmter Chemikalien produziert wurden. Des Weiteren gibt es auch bei Bekleidung das Fairtrade-Siegel. Kleidung mit dieser Auszeichnung kann überprüfte Sozial- und Herstellungsstandards garantieren. Mit weiteren Pluspunkten: Die Textilien werden umweltfreundlich produziert und die beteiligten Arbeiter, die unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten, gerecht entlohnt.

 

732 Mio. Kilogramm deutsche Bio-Milch wurden laut BÖLW 2015 produziert. Die Nachfrage nach Bio-Molkereiprodukten ist aber noch höher, sodass wie im Vorjahr dänische und österreichische Importe nötig waren.

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