03.09.2016

Leserbrief

Warum unterliegen 26 Hektar nicht dem Landschaftsschutzgebiet?

 

Der Firma Rohrbach wurde 1977 auf einer Fläche von 30 Hektar eine Genehmigung zum Kalksteinabbau auf dem Plettenberg erteilt. Aus Berechnungen und auch schriftlichen Bestätigungen des Landratsamtes wird auf dem Plettenberg auf einer Fläche von 56 Hektar Kalkstein abgebaut. Mir fiel eine Diskrepanz zwischen dem Genehmigungsverfahren 1977 und der derzeitigen Abbaufläche auf und ich bat das Landratsamt, mir hierfür die Berechnungsgrundlagen mitzuteilen.

Ich erhielt eine Berechnung zur Begründung, warum 26 Hektar des Abbaugebiets auf der Plettenberghochfläche nicht dem Landschaftsschutzgebiet unterliegen. Der Firma Rohrbach wurde 1977 auf einer Fläche von 30 Hektar eine naturschutz-, wasser- und immissionsschutzrechtliche Baugenehmigung zum Kalksteinabbau auf dem Plettenberg erteilt. 1982 wurde die Abbaufläche zur Rekultivierung um 12 Hektar erweitert. 1984 wurde das Landschaftsschutzgebiet Großer Heuberg“ausgewiesen, das auch die genehmigte Abbaufläche von 30 Hektar für den Kalksteinabbau beinhaltet. Die Fahrstraßen müssen von der Abbaufläche abgezogen werden. Das Betriebsgelände wird nicht der Abbaufläche zugeordnet. Aus dieser Aussage lässt sich folgende einfache Rechnung aufstellen: 56 Hektar Abbaufläche minus 12 Hektar Rekultivierungsfläche minus 6 Hektar Fahrstraße minus 1 Hektar Betriebsgelände. Das ergibt nach Angaben des Landratsamtes also 30 Hektar, die wegen Bestandsschutzes von 1984 nicht dem Landschaftsschutz unterliegen. Wenn nur die schriftlich fixierten Bedingungen des Genehmigungsverfahrens von 1977/1982 herangezogen werden, ist die Rechnung noch einfacher: 56 minus 30 ergeben 26 Hektar, für die keine Befreiung aus dem Landschaftsschutzgebiet bestehen. Solche Rechnungen werden dem Regierungspräsidium in Tübingen vorgelegt.

Da fragt man sich doch, ob unsere Bildungspolitik versagt hat. Auch wenn wir die Rechnung des Landratsamtes Zollernalb tolerieren, ergibt sich bei einer genehmigten Abbaufläche von 56 Hektar eine Überschreitung der Befreiung aus dem Landschaftsschutzgebiet um sieben Hektar, ohne dass die Kontrollbehörden eingreifen. Sieben Hektar sind 70000 Quadratmeter, das entspricht in etwa der Fläche von 10 Fußballfeldern.

Überschreitet der Normalbürger in seinem Bauvorhaben die Grenzen um nur wenige Quadratmeter, wird die Kontrollbehörde sofort aktiv und der Bau muss eingestellt werden. Vor dem Hintergrund solcher Berechnungen soll ein Teil unserer Heimat aus einem Schutzgebiet herausgenommen werden. Die Schwäbische Alb benötigte 150 Millionen Jahre, um das zu werden, was sie heute ist. Der Mensch schafft es, Teile davon in weniger als 100 Jahren zu zerstören.

Dietmar Walter,
Schömbergerstr. 35, Ratshausen

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