10.08.2016

Leserbrief

War weder Saulus noch zum Paulus geworden

 

Nach Rückkehr aus dem Urlaub muss ich verwundert einige Leserbriefe der Eheleute Menholz zur Kenntnis nehmen “vom Saulus zum Paulus“. Mit Saulus meinen wohl Beide mein Verhalten bei den Abbaugenehmigungen 1977/82 und meinen/unseren Kampf heute um die Erhaltung der Plettenbergsilhouette und Erhaltung des Landschaftsschutzgebietes auf dem Plettenberg.

Ich hätte damals den Abbau akzeptiert, keine Berufung eingelegt und versäumt, eine Verdoppelung der Abbaugebühren durchzusetzen, weshalb man heute nicht die doppelte Gebühren hätte. Ich hätte mehr erreichen können/müssen. Zum einen wurde 1977 eine relativ großzügige, mit dem Naturschutz einvernehmliche Genehmigung mit einem klaren Rekultivierungsplan erteilt, auch mit dem Hinweis, dass damit mit Ausnahme der starken Abflachung der Hochfläche des südlichen Gipfelns von Ratshausen/Hausen der Abbau zu Ende ist.

Dies würde selbst heute trotz des erheblichen Mehrabbaues von Holcim noch bis etwa 2030 reichen. Schon damals hat Rohrbach-Zement weitschauend eine weitere Gesteinsentnahmemöglichkeit bei Deilingen über Ausweisungen im Regionalplan Baar/Heuberg ins Auge gefasst und die technischen Möglichkeiten untersucht. Die Abbaugebühren auf dem Plettenberg wurden auch zu meiner Amtszeit, die seit Abbauanfang erhoben wurden, angepasst. Warum nicht verdoppelt, hat Herr Scherer in seinem Leserbrief sachlich erklärt, dass nämlich Rohrbach immer hohe Gewerbesteuern zahlte, so dass die Gemeinde fast immer zu den Steuerstärksten im Landkreis zählte.

Zu einer Verdoppelung der Abbaugebühren war kein Anlass und hätte gegebenenfalls in den letzten 25 Jahren ohne mein Zutun auch in der Amtszeit von Gemeinderätin Menholz erfolgen können, ja spätestens mit der Holcim-Übernahme vor rund 12 Jahren erfolgen müssen.

Wenn durch bewusste Verschiebung der Besteuerung der hier erwirtschafteten Erträge die Gemeinde und ihre Einwohner, auch der Landkreis, benachteiligt werden, kann und darf man wohl kaum erwarten, dass bei einer anderen Einnahmegenerierungsmöglichkeit ein Entgegenkommen zu erwarten ist. Oder soll eventuell die Festhalle oder Sporthalle geschlossen oder noch höhere Kindergartengebühren erhoben werden?

Auch bei einer Anhörung zu einer Entscheidung kann der Gemeinderat ein klares Ja oder Nein formulieren, zumal die Gemeinde Eigentümerin der abzubauenden Flächen ist.

Die Hoffnung, das Landratsamt oder der Regionalverband werden es schon richtig machen, ist zu einfach. Ich war weder Saulus, noch bin ich zum Paulus geworden. Mein Einwand und meine Bedenken, die vom Regionalverband bestätigt sind: Ist der ganze Plettenberg einmal als Vorranggebiet für den Gesteinsabbau ausgewiesen, wird er auch abgebaut, denn Holcim hätte dann darauf einen Rechtsanspruch nach dem Landesplanungsgesetz.

Ein Schelm, der glaubt, dass die Konzernspitze auf billigsten Abbau irgendwann verzichten würde. Ein Dank an die Umweltverbände NABU, Bund, Schwäbischer Albverein und TV Naturfreunde für die klaren eindeutigen Stellungnahmen (siehe www.naturschutzbuero-zollernalb.de)

Norbert Majer
Bürgermeister a.D
Schulstraße 22
Dotternhausen

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