29.07.2016

Leserbrief

Der Wind kommt nach wie vor von Westen

 

Zu den vorangegangenen Leserbriefen will ich Stellung nehmen: Ich bin nicht überrascht, dass Holcim in Dotternhausen nicht anders vorgeht, als in den sonstigen 90 Ländern, in denen der Weltmarktführer für Baustoffe präsent ist. Immer das Schema: Konkurrenten bedrängen und übernehmen, dann Ersatzbrennstoffe (originäre Bezeichnung = Giftmüll) kontinuierlich auf 100 Prozent Anteil steigern. Dass trotz nicht deckender Zementpreisen dennoch sehr gut Geld verdient wird, liegt im Entsorgungs- und Verbrennungsgeschäft, mit dem das Produkt Zement so subventioniert wird, dass das Unternehmen weltweit rasant wächst.

Ich will uns darauf sensibilisieren, dass Holcim nicht über den Plettenberg zu beobachten und auch nicht aufzuhalten ist. Aufgrund des lukrativen Giftmüllgeschäfts wird der Konzern seine Steine auch gerne aus dem Landkreis Tuttlingen holen und bei Widerstand den Plettenberg schnell fallen lassen. Ich finde, wir verwenden den falschen Fokus: Es ist kein lokales Problem, sondern eines unserer gesamten Region.

Der Blick zu einer Holcim-Tochter in Norddeutschland ist informativ: Auf www.biab-laegerdorf.de erfährt man, wie der Konzern dort fünf Jahre vor Dotternhausen begonnen hat, sein Schema abzuspulen. Dann erkennt man, wie professionelles Arbeiten von Initiativen Früchte tragen kann: Bestens gutachterlich und politisch vernetzt wird dort auf einem anderen Niveau diskutiert, als über den Plettenberg (welcher unbedingt seinen Naturschutzstatus behalten muss!).

Bei uns werden neuerdings Gemeinderäte wie Herr Rall, der sich klar am Gemeinwohl orientiert, in aller Öffentlichkeit von Herrn Schillo vorgeführt, dessen Arbeitgeber keine Steuern vom Gewinn bezahlen will. Auf www.biab-laegerdorf.de haben die Menschen das Spiel längst durchschaut, welches uns bevorsteht. Nun sind wir an der Reihe, unseren Dialog qualitativer zu führen, als Holcim es in der Ablenkung mit dem Plettenberg wollte: Das Thema ist jenes, was unanalysiert in die Luft geht zu benennen, nachdem die Politik nicht differenzierter messen und Holcim nicht diskutieren möchte. Der Wind kommt nach wie vor von Westen!

Johannes Schöller
Degenhartstraße 42,
Dotternhausen

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