18.06.2016

Leserbrief

Keiner soll sagen, er hätte nichts gewusst

 

Viel wurde in den letzten Monaten beim Thema Zementherstellung/Kalksteinabbau unternommen. Die hierzu gegründete BI hat viel recherchiert. Was mir bewusst wurde ist, dass sich alle am Beteiligten am Genehmigungsverfahren alles möglichst geheim abstimmen und gut gefiltert an die Öffentlichkeit weitergeben. Bei unseren umfangreichen Fragen an Holcim, Gemeinden, Landratsamt, RP Tübingen und Freiburg kam man zu dem Eindruck, es sei alles richtig gemacht worden.

Wir sind jedoch zu anderen Erkenntnissen gekommen. Egal wo wir etwas aufdecken, wird unter Ausschluss der BI beraten und nach Erklärungen gesucht. Erkennbar nimmt Holcim Einfluss auf Regionalverband, Ämter, Behörden und am Prozess Beteiligen. Bisher wurde von Holcim erklärt, die genehmigten Abbaumengen reichen für einen Betrieb bis 2029. Nun kommt die Aussage, dass wegen der unterschiedlichen Gesteinsqualitäten diese lediglich bis 2018 reichen. Und das merken sie erst jetzt? Diese Tatsache ist eine Begründung dafür, warum Holcim einen ernormen Druck auf die Entscheidungsträger ausübt. Die weitere Genehmigung soll unter Umgehung von sonst üblichen Vorgehensschritten beschleunigt werden. Der Regionalverband lehnte eine Vorortbesichtigung ab. Auch der Kreistag hat es bisher nicht für nötig befunden, sich ein Bild zu machen. Der Albverein hat bisher keine Stellung bezogen. Einige vom Gemeinderat Dotternhausen geben zu, dass sie zwar schon auf dem Berg waren und sie nun über das Ausmaß überrascht sind. Es scheint so, als ob Holcim die Spielregeln und die Grenzen selbst vorgibt. Die Bürgermeisterin, die im Regionalverband und im Kreistag ist, spielt in diesem Geflecht eine wichtige Rolle. Die von ihr mir gegenüber gemachte Äußerung „Wir dürfen Holcim nicht überfordern, die müssen vorrangig Geld verdienen“, könnte dies bestätigen.

Im Hintergrund werden Tatsachen geschaffen, bei denen vielen Bürgern noch die Augen aufgehen werden, fürchte ich. Hinterher ist aber nichts mehr zu machen. Keiner soll später sagen, er hätte nichts gewusst. Auch die Argumente mit den Arbeitsplätzen kann man diskutieren. Fakt ist: Holcim hat den Abbau in zehn Jahren um 200 Prozent gesteigert. Schieferabbrand wird in die Schweiz transportiert. Zurück kommt schrecklichster Müll aus der Schweiz. Gesamtbrennmenge 600 Tonnen täglich. Die Schienenstrecke wird durch die öffentliche Hand mitfinanziert. Das Betriebsergebnis des Werkes nach 84 Millionen Umsatz ist seit Jahren Null. Gewerbesteuern werden andernorts bezahlt. Sollen und wollen die Bürger dies alles gut heißen? Das Leben sollte ein gerechtes Geben und Nehmen sein. Das war einmal so. Davon sind sie bei Holcim weit entfernt. Aber die kümmert das nicht.

Günter Schäfer,
Joh.-Seb.-Bach Str. 15,
Dotternhausen

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