11.06.2016

Leserbrief

Aus Liebe zur Heimat müssen wir aufbegehren

 

Jeden Tag sieht fast jeder aus dem Zollernalbkreis und über Hunderte Kilometer hinweg, die weit in die Landschaft herausragende Silhouette des Plettenbergs mit seinem Fernmeldeturm – Immerhin der siebthöchste Berg der Schwäbischen Alb.

Vor rund 40 Jahren wurden bereits Diskussionen um die Erhaltung des „Rest“-Plettenberges landesweit geführt. Zum Schutze der letzten wichtigen Hochflächen, aber insbesondere des landesweit einmaligen Naturschutzgebietes Plettenkeller am Süd-/Ost hang, wurde ein 37,5 Hektar großes Naturschutzgebiet 1984 förmlich eingerichtet. Auch damals gab es das Zementwerk.

Es wurde ein eindeutiger und einvernehmlicher Abbau- und Rekultivierungsplan genehmigt. Danach sollten die Randbereiche und der sogenannte Südgipfel mit früherer unerforschter Plettenbergburg am Steilabstieg Richtung Hausen erhalten bleiben.

Nun sollen dieses einmalige Landschutzgebiet mit einem Federstrich, gesamt 83 Hektar (!), aufgehoben, ja der ganze Albtrauf und die Silhouette des Zeugberges der Schwäbischen Alb trotz weiterer Unterschutzstellungen wie EU-Vogelschutzgebiet, Natura 2000 und UNESCAO Ausweisung plötzlich wieder in Frage gestellt werden? Ohne glaubwürdige vertiefende Gutachten? Sogar der Regionalverband verlangt diese.

Wahrscheinlich soll aber der gesamte Plettenberg durchs Hintertürchen um 60 Meter geköpft werden. Denn ohne jetzige Schutzgebietserhaltung ist künftig jeder Prüfung und Einflussnahme der Behörden die Grundlage entzogen. Gesteinsabbau hat dann Vorrang vor Naturschutz, heute ist es noch umgekehrt.

Es wird wohl in Kauf genommen, dass Ratshausen, eventuell auch Hausen a.T. unter Geröll- und Schlammlawinen des Plettenberges begraben werden. Von der Vernichtung der Trinkwasserreservoire von Hausen, Ratshausen, Dormettingen und Dotternhausen, Rosswangen ganz zu schweigen. Ein landesweit ohne Widersprüche wohl einmaliges Naturschutzgebiet wird gefährdet.

Auch bisher wurde schon Kalkstein abgebaut im Landschaftsschutzgebiet. Warum nicht weiter so mit einer Befreiung? Es wäre auch ein leichtes, wenn Holcim Kalksteinmehl aus anderen Steinbrüchen strecken würde. Holcim karrt mit Zügen und Silotransportern täglich zig Tonnen Schieferabbrand zur Umwelt- und Energieentlastung ihrer Schweizer und österreichischen Werke und zu Lasten unser Luft- und Umwelt bei uns weg.

Warum können nicht auf dem Rückweg diese Silos mit Kalksteinmehl beladen werden. Denn Kalksteinabbau wird dort eingespart. Auch so könnte man den noch ertragbaren Plettenbergabbau auf 40,60 und mehr Jahre verlängern. Selbstverständlich kostet dies etwas mehr. Gewinne sind aber genügend vorhanden.

Der Plettenbergtrauf muss zur Sicherung der Gemeinden Ratshausen und Hausen einen Hochflächenrand von mindestens 300 bis 500 Meter Breite, am Abbaufuß von 700 bis 1000 Meter erhalten. Der Plettenberg ist unsere Heimat und ein Wahrzeichen der Schwäbischen Alb, der nicht einem Schweizer Großkonzern mit Gewinnmaximierungsinteressen ganz geopfert werden darf.

Norbert Majer
Schulstraße 22, Dotternhausen

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