18.03.2016

Leserbrief

Doppelmoral bei Holcim

 

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Rohstoffabbau zwischen Zementwerk und Gemeinde festgelegt. Das Werk lieferte Baustoffe, schaffte Arbeitsplätze. Die Beschäftigten konnten unter guten Bedingungen arbeiten. Die Gemeinde und das Umfeld haben Zugeständnisse gemacht und eine gute Infrastruktur für das Zementwerk geschaffen. Dafür kam Gewerbesteuer zurück.

Dann wurde das Werk von Holcim übernommen. Der Zementgigant hat einen Umsatz von rund 30 Milliarden Euro. Die optimale Rohstoffversorgung der Region bietet dem Werk viele Möglichkeiten für maximale Ergebnisse. Beispiel Kalkstein vom Plettenberg: Steigerung des Abbaus in den letzten zwölf Jahren um 400 Prozent auf eine Million Tonnen jährlich. Täglich 160 Lastwagenladungen Ölschiefer – Steigerung in gleichem Umfang. Vergütung jährlich: Null Euro. Versorgung der Schweizer Werke mit rund 150 000 Tonnen gebanntem Ölschiefer, um die dortige Produktion wirtschaftlicher zu gestalten. Vergütung: Null Euro. Der Strom wird aus kostenlosem Ölschiefer gewonnen, der nicht benötigte Teil verkauft. Für die Zementproduktion werden jährlich rund 200 000 Tonnen Abfallstoffe verbrannt, pro Tonne erhält Holcim rund 50 Euro. Die Politik ist daran interessiert, dass dies beibehalten wird, weil die Entsorgung in einer Müllverbrennungsanlage 130 Euro kosten würde.

Was gibt Holcim im Gegenzug? Es besteht ein Beherrschung- und Gewinnabführungsvertrag und der Gewinn wird mit Null Euro ausgewiesen. Diese Null Euro sind Basis für die Gewerbesteuer, was wiederum Null Euro Gewerbesteuer bedeutet. Lediglich ein unbedeutender Betrag wird bezahlt. Früher hatte Dotternhausen ordentlich Gewerbesteuer bekommen. Heute ist es ein Krümel. Holcim macht einige Spenden und etwas Sponsoring und glaubt, damit alles beruhigen zu können. Holcim sagt: Wir sorgen uns um die Menschen und Umwelt in Regionen wo wir tätig sind. Was für eine Scheinmoral !

Es zeichnet sich nun ab, dass man schnell eine Erweiterung des Abbaugebietes benötigt. Mit behördlichen Stellen ist man bestens verbunden und vernetzt. Gemeinde und Landratsamt haben sich bisher wenig um die Überprüfung der bisherigen Vorschriften gekümmert. Die Rekultivierung ist inakzeptabel. Und da stehen nun einige starrsinnige Bürger aus der BI und stellen unangenehme Fragen und wollen zudem kontrollieren. Wo wir nachfassen, stoßen wir auf massiven Widerstand.

Günter Schäfer,
Joh.-Seb.-Bachstraße. 15,
Dotternhausen

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