13.01.2016

Leserbrief

Wieso gibt es Ausnahmegenehmigungen?

 

Die letzten schönen Weihnachtstage wurden genutzt, um zu wandern. Wer allerdings vom Lochen aus, in Richtung Plettenberg lief, wurde schon von weitem mit lautem Lärm begrüßt. So standen am Hohen Fels die ersten Wanderer und wunderten sich über die störenden Geräusche. Viele Fragen wurden laut. Woher kommen diese Geräusche und wie kann es sein dass nicht einmal an den heiligsten Feiertagen im Jahr von einem Abbau auf dem Plettenberg abgesehen wird? Wie ist es möglich und mit welchem Recht erteilen hier Behörden, Ausnahmegenehmigungen?

Am Zaun der Firma Holcim standen dann unzählige Schaulustige und verfolgten mit großem Unverständnis das Treiben der Bagger und Laster, die mit ohrenbetäubende, Lärm Gestein in den Brecher ausleerten. So hat sich nicht nur die Firma Holcim, sondern auch Behörden und Landratsämter mit ihrer Politik wieder einmal ein Eigentor geschossen. Keiner der Wanderer zeigte für solch eine Vorgehensweise Verständnis. So lange hier Behörden, Landratsämter und Politik Hand in Hand mit Zementwerken arbeitet, wird der Ruhe suchende Wanderer nicht gefragt.

Wer nach Gründen für solches Verhalten sucht wird im Internet fündig. Bei der Firma Holcim in Dotternhausen wurden im Jahr 2014 über 150 000 Tonnen Müll, beziehungsweise Ersatzbrennstoffe verbrannt. Was sind Ersatzbrennstoffe? Das sind zum Beispiel 64 300 Tonnen Gießereisand, 5 400 Tonnen Bearbeitungsöle, 23 700 Tonnen Dachpappe, 14 700 Tonnen Trockenklärschlamm oder 10 900 Tonnen zerkleinerte Altreifen.

Die Verbrennung von einer Tonne Müll in Zementwerken kostet rund 50 Euro, in einer Müllverbrennungsanlage 130 Euro? Haben Zementwerke die gleichen Filtertechniken für die entstehenden Abgas Gifte wie Müllverbrennungsanlagen? Haben Zementwerke die gleichen Sicherheitsstandards wie Müllverbrennungsanlagen? Warum werden hier Bürger nicht besser vor Emissionen und Immissionen geschützt? Hier hat man ganz offensichtlich eine Win-win-Situation seitens Holcim und Behörden gefunden und es geht wie immer um Geld.

Wer sich den Abbau auf dem Plettenberg in den letzten zwölf Monaten genau angeschaut hat, wird feststellen, wie extrem schnell der Abbau von statten geht. Schade nur, dass wir unsere Heimat so billig verkaufen und so wenig verteidigen. Ich möchte erneut an die Worte des Werksleiters Herrn Schillo erinnern der sagte: Der Plettenberg ist nicht das Letzte was wir abbauen. Das dürfte dann auch die Bewohner von Deilingen und Umgebung betreffen.

Roland Eppler,
Vor Tannen 14, Spaichingen

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