Petition als letzter Notnagel
An die 250 Menschen beteiligten sich am Sonntagmorgen am Sternmarsch auf den Plettenberg und trotzten der sengenden Mittagshitze.
An die 250 Menschen beteiligten sich am Sonntagmorgen am Sternmarsch auf den Plettenberg und trotzten der sengenden Mittagshitze. Foto: Rosalinde Conzelmann

Dotternhausen, 31.08.2015

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Petition als letzter Notnagel

„Plettenberg-Rebell“ fordert 250 Menschen zum Widerstand gegen Holcim-Abbaupläne auf

„Was können wir tun, um unsere Heimat zu retten? Auf diese Frage hatte der „Plettenberg-Rebell“ Martin Stussak am Sonntag eine klare Antwort. Die BI pro-Plettenberg will eine Petition an den Landtag richten.

Die Bürgerinitiative hatte gestern morgen alle Naturfreunde und Menschen aus den umliegenden Plettenberggemeinden zu einem Sternmarsch auf die Berganhöhe aufgerufen. Über 250 Menschen aus Schömberg, Dotternhausen, Ratshausen, Hausen am Tann, Roßwangen und Deilingen hatten die Wanderschuhe geschnürt und waren bei tropischer Hitze zu ihrem Hausberg aufgestiegen. Die größte Gruppe mit rund 100 Menschen, darunter auch viele Familien, kam aus Ratshausen. Beschämend wenig Dotternhausener waren zu sehen, ebenso bekundeten auch keine Bürgermeister aus den Schlichemtalgemeinden oder Mandatsträger ihre Solidarität mit den Abbaugegnern.

Während die ersten Wanderer nach rund einer Stunde ihr erstes Ziel, die Plettenberghütte, erreichten, hatte das Fahrzeug des von Holcim beauftragten Sicherheitsdienstes bereits mehrfach die Zufahrt zum Kalksteinbruch passiert. „Der fährt hier schon zum vierten Mal vorbei“, stellte ein Wanderer kopfschüttelnd fest, während eine Bürgerin aus Hausen am Tann ein schattiges Plätzchen suchte. „Früher war man stolz, wenn man im Zementwerk arbeitete und wie stehen wir heute da?“ stellte sie dies Frage unbeantwortet in den Raum. „Holcim hat eine Heuschreckenmentalität, das ist doch bekannt, und das Schlimmste ist das Tempo des Abbaus“, so ein Bürger aus Ratshausen.

Petition als letzter Notnagel
Foto: Rosalinde Conzelmann

Hier hakte Bernd Walter von der Bürgerinitiative ein. Ihm war es wichtig klarzustellen, dass die Bürgerinitiative den Abbau nicht stoppen, jedoch mit aller Kraft verringern möchte und sich für eine ordentliche Rekultivierung einsetzen will. Weitaus deutlichere Worte fanden BI-Sprecher Martin Stussack, der, wie er bekannte, zwischenzeitlich von vielen als „Plettenberg-Rebell“ angesprochen wird, und Günter Schäfer vom Albverein Dotternhausen.

Geduldig hatten die Sternmarschteilnehmer auf Stussak gewartet, der für den Aufstieg von Schömberg länger gebraucht hatte als erwartet. Um kurz nach halb eins griff er dann zum Mikrofon, zuvor hatte Günter Schäfer die Wanderer begrüßt und Mineralwasser für alle geordert.

Auf dem Plateau forderten der Sprecher der Bürgerinitiative pro-Plettenberg, Martin Stussak (am Mikrofon,) und Günter Schäfer aus Dotternhausen die Wanderer zum Protest auf.
Auf dem Plateau forderten der Sprecher der Bürgerinitiative pro-Plettenberg, Martin Stussak (am Mikrofon,) und Günter Schäfer aus Dotternhausen die Wanderer zum Protest auf. Foto: Rosalinde Conzelmann

Stussak forderte seine Zuhörer auf, den mit einer Schranke verschlossenen Kalksteinbruch der Firma Holcim nicht zu betreten. Die Werksführung habe angedroht, das Zuwiderhandlungen mit eine Anzeige geahndet würden. Es sei wichtig, dass sich jeder selbst ein Bild von der immensen Zerstörung des Plettenbergs mache, meinte er und verwies auf die von der BI ausgesteckten Abbaugrenzen. Im Folgenden ging er auf die Gefahren ein, die der Abbau birge: Verstärkte Hochwassergefahren für die Orte Ratshausen und Hausen am Tann; die Verunreinigung des Trinkwassers durch Sprengstoffe und deren Rückstände; das Versiegen der Trinkwasserquellen und die mögliche Gefährdung von Wasserlebewesen hervorgerufen durch die Ableitung von Grubenwasser. „Das Fischsterben in der Jagst dieser Tage zeigt die Gefahren von Ammoniumnitratdünger“, betonte er. Die Instabilität des Berges wachse mit jeder Sprengung und die Naturzerstörung schreite voran,. Wo bleiben die Proteste der Sportfischer, der Wandervereine und der Naturschützverbände?“, wunderte sich Stussak, der auch die Holcimauswahl der Gutachten (geologisch und hydrologisch) bezweifelte: „Gibt es keine Gutachter in Baden-Württemberg?“

Luftschadstoffe, ein weiterer Themenkomplex, den der BI-Sprecher beleuchtete. Während von den Bürgern eine Reduzierung verlangt werde, habe Holcim den Ausstoß an giftigen Gasen sogar teilweise verdoppelt. Allein der an einem Tag erfolgte Quecksilberausstoß würde reichen, um 17 Menschen krank zu machen, lautete seine Aussage.

Am Ende seiner kämpferischen Rede stellte er die Frage, was weiter passieren soll. Die Antwort: „Eine Petition an den Landtag von Baden-Württemberg ist der letzte Notnagel.“ Dabei zähle jede Unterschrift. Während Beifall aufbrandete, gingen die ersten Listen reihum und die Menschen setzten ihre Unterschrift auf das weiße Papier.

Auch für die Ausführungen von Günter Schäfer, der nicht nur auf die Geschichte des Dotternhausener Zementwerks einging, sondern auch die Verträge zwischen der Gemeinde Dotternhausen und der Firma beleuchtet, die Steuerpolitik kritisch betrachtete und die mangelnde Informationspolitik der Gemeinde Dotternhausen an den Pranger stellte, gab es immer wieder Zwischenapplaus.

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