Deilingen, 07.08.2015

Stussak: „Glauben nicht an den Zeitplan von Holcim“

BI Pro Plettenberg wird in Deilingen aktiv – Gemeinde in frühestens 25 Jahren im Visier des Zementherstellers

Rollen demnächst 200 Lastwagen täglich durch Deilingen? Diesen Eindruck vermittelt ein Rundschreiben der Bürgerinitiative Pro Plettenberg, das dieser Tage an zahlreiche Deilinger geschickt worden ist.

 

Fakt ist, dass Deilingens Gebiet Rainen als späterer Steinbruch vorgesehen ist. Fakt ist aber auch, dass sich an den im Januar gemachten Aussagen Bürgermeister Albin Raggs nichts geändert hat: Frühestes in 25, spätestens 40 Jahren soll Deilingen ins Visier des Schweizer Konzerns Holcim rücken, bestätigt Ragg auf Anfrage des Heuberger Boten in Spaichingen. Bereits im Januar hatte Ragg auch die Möglichkeit ausgeschlossen, das Gestein für das Zementwerk via Straße zu transportieren. Andere Lösungen wie Förderbänder würden geprüft. Doch die Bürgerinitiative traut dem Frieden nicht. „Wir glauben nicht an den Zeitplan von Holcim“, sagt der Sprecher der BI, der Schömberger Martin Stussak, auf Anfrage des Heuberger Boten.

Nur, so Stussak, wenn man die Geschwindigkeit bedenke, mit der Holcim seit der Übernahme vor zehn Jahren von Rohrbach Kalkgestein abbaue, könne der gegenüber Deilingen genannte Zeitplan gar nicht stimmen. 2004 seien 300.000 Tonnen abgebaut worden, jetzt sei es eine Million. „Man erschrickt, wie schnell das in zehn Jahren passiert.“ Daher erhofft sich Stussak, dass auch die Deilinger hellhörig sind gegenüber dem, womit sich inzwischen auch die Gemeinden Hausen und Ratshausen beschäftigen: Erschütterungen der Häuser durch Sprengungen, die Befürchtung, dass das jüngste Hochwasser etwas mit der Bodenverdichtung auf dem Plettenberg zu tun hat, die Angst ums Klima vor allem für Hausen durch die abgetragene Hangkante, die Gefährdung des Trinkwassers durch Sprengstoffrückstände und herabtropfendes Öl bei der Seilbahn.

Die Erfahrungen mit Holcim und unter anderem die Tatsache, dass der BI nur vier von 22 Trinkwasseruntersuchungen zugänglich gemacht worden seien, lässt die Aktivisten aufhorchen. Inzwischen, so Stussak, beschäftige man sich seitens der Initiative auch mit der Verbrennung von Müll zur Zementerstellung und die Verbrennung von Ölschiefer und die damit verbundenen Abgasgifte im Dotternhausener Werk.

Die Befürchtungen der Bürger in den Gemeinden Ratshausen und Hausen am Tann sind inzwischen gewachsen. Beim jüngsten Unwetter waren 35 Gebäude vom Hochwasser betroffen, zwölf Menschen mussten evakuiert werden, Schäden an Häusern, Straßen und Wegen sind noch nicht beziffert. Das Wasser, das sich in dem „hohlen Zahn“ Plettenberg sammelt, werde kontrolliert in die Schlichem abgeleitet. Aus dem Hang hatte es aber beim jüngsten Hochwasser massiv herausgedrückt und die Bevölkerung ist inzwischen misstrauisch geworden, bestätigt der Bürgermeister beider Gemeinden, Heiko Lebherz. Auch, weil im Schrank Gläser klirren, wenn gesprengt wird, und Schäden an alten Häusern festgestellt würden. Daher behalte sich der Gemeinderat auch ein unabhängiges Gutachten vor.

Dietmar Walter, Vertreter der BI aus Ratshausen, befürchtet noch eines: Dass die Bergkulisse durch die Aushöhlung insgesamt ins Rutschen kommen könne. Insgesamt, so Martin Stussak, wünsche man sich von Holcim Kompromissbereitschaft: eine kleinere Abbaufläche, weniger Abbau im Jahr, der Ausschluss der befürchteten Gefahren und eine schon unter der Vorgängerfirma versprochene Rekultivierung, die diesen Namen auch verdiene. Dann müssten die Schweizer Manager halt auf den ein oder anderen Franken Gewinn verzichten, so der Sprecher der Bürgerinitiative.

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Plettenbergabbau.

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