01.08.2015

Leserbrief

Landkreis braucht zwei Häuser

 

Auffällig war in der Kreistagsdebatte um die Vergabe eines Gutachtens zum Medizinkonzept der zukünftigen Krankenhausversorgung im Kreis, wie einhellig die Stimmung durch die Geschäftsführung, die Balinger Räte und die Chefärzte schon in Richtung eines Zentralklinikums in der Balinger Stadtmitte gelenkt wurde. Fast scheint es, dass das zukünftige Schicksal des Albstädter Hauses bereits besiegelt ist und dass man eigentlich auf die Erstellung des Gutachtens verzichten könnte.

Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Auch wenn das offensichtlich niemand so richtig hören wollte, ist nämlich Fakt, dass das vor zehn Jahren nach intensiver Debatte und Abwägung ,beschlossene, und dann mit dem Neubau des Klinikums in Balingen auch umgesetzte Zweistandortmodel ganz klar ein Erfolgsmodel war und noch immer ist.

Seit 2009, seit der Schließung von Hechingen, was zu dem defizitverursachenden Fallzahleinbruch (ca. 3000 Patienten) geführt hatte, konnten kontinuierlich von Jahr zu Jahr wieder mehr Patienten behandelt werden – bis zuletzt in 2014 wieder über 20 000 Fälle erreicht waren, annähernd so viele wie vor der Schließung von Hechingen. Damit konnten auch von Jahr zu Jahr die Defizite reduziert werden (entgegen der Darstellung des Artikels auf zuletzt noch 3,9 Millionen Euro). Gut die Hälfte dieser 3,9 Millionen entfallen dabei auf Rückzahlungsverpflichtungen an die Krankenkassen, im übrigen wie auch schon in den Vorjahren, weil das Klinikum nicht zu wenige, sondern zu viele Leistungen erbracht hat, also zu erfolgreich war, und keinesfalls, weil irgendwelche Fehlentscheidungen getroffen wurden.

Auch daran kann ersehen werden, dass die ausgewiesenen Schwerpunkte von den Menschen im Kreis angenommen wurden und weit hinein in die Fläche des Kreises erfolgreich waren. Zur ganzen Wahrheit gehört dann auch die Tatsache, dass die zurückliegenden Fallzahlen und Fallzahlausweitungen zu einem großen Teil durch das Klinikum in Albstadt erbracht wurden, da in Balingen durch die Umbaumaßnahmen viele Patienten ausblieben und über die ganze Zeit in Balingen bis heute über 70 Betten nicht für eine Belegung zur Verfügung standen.

Angesichts einer solchen Verankerung des Albstädter Klinikums und dem nachweislich großen Vertrauen, das es in der Bevölkerung des Kreises genießt, fällt es schon sehr schwer, sich vorzustellen, dass darauf in der Zukunft verzichtet werden soll.

Bei aller nebulösen Beschwörung unkalkulierbarer Risiken durch den Gesetzgeber und den völlig im Unverbindlich gebliebenen angeblichen Vorgaben durch das Sozialministerium, blieb das Allerwichtigste für den wirtschaftlichen Erfolg eines Klinikums nahezu ungenannt, nämlich, dass es für das Überleben der Krankenhausversorgung im Kreis essenziell ist, möglichst viele Patienten aus dem Kreis zu erreichen und dieses durch hohe Qualität dauerhaft binden zu können.

Die Zweistandortlösung hat bewiesen, dass sie dazu in der Lage ist – davon jetzt wieder zugunsten einer halbgaren Zentralklinik, die dann irgendwie halt doch keine ist, da sie einseitig den unteren Bereich des Kreises begünstigt und überdies auch noch sehr teuer ist und viele Millionen Euro kosten würde, würde man dagegen Gefahr laufen, bei weitem nicht mehr alle Einwohner aus dem Kreis ansprechen zu können, und das darf so nicht passieren.

Deshalb sind zwei gleichwertige Häuser Balingen und Albstadt unbedingt erforderlich.

Marianne Roth
Flandernstraße 35
Ebingen

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Klinikdebatte.

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