24.06.2015

Leserbrief

Die Frage nach der Neutralität der Gutachter

 

Die Bürger werden zunehmend misstrauisch. Kann man den Gutachten, die Holcim vorlegt, Glauben schenken. Wie neutral sind die Gutachter?

Die Holcim Süd GmbH muss eine Reihe von Gutachten vorlegen beispielsweise zu Geologie, Hydrologie, Standsicherheit, Fauna und Flora, um nur einige zu nennen. Keines dieser Gutachten darf vermutlich negativ ausfallen, sonst steht die Genehmigung der Steinbrucherweiterung in Frage.

Auch für uns stellt sich bereits nach kurzer Recherche die Frage der Neutralität dieser Gutachter, wenn Holcim die Gutachter bezahlt und auch bestellt. Untermauert werden die Bedenken, wenn wir das Gutachten Fauna und Flora betrachten. Dieses wurde von Dr. Ulrich Tränkle Landschaftsplanung und Naturschutz erstellt, gleichzeitig plant und führt diese Firma die Rekultivierung durch. Also erst wenn die Natur zerstört ist, fließt das große Geld. Es ist nicht das einzige Projekt dieser Firma für die Zementindustrie. Im Steinbruch in Schelklingen kann man schon heute sehen, was die Biologen unter „erfolgreicher Rekultivierung“ verstehen.

Betrachten wir das Gutachten für Hydrologie, Geologie, Standsicherheit, welches von Dr. Köhler & Dr. Pommerening GmbH erstellt wurde. Dieser Gutachter kommt aus dem hohen Norden. Die größte Erhebung im Zehnkilometer-Umkreis von Harsum ist etwa 250 Meter über Meereshöhe. Da kommen einem spontan Fragen wie: War es womöglich der gleiche Gutachter, der Holcim in Schalkholz bescheinigte, dass keine Bedenken bestehen, wenn eine ausgebeutete Kiesgrube zur Deponie für Bauschutt und andere Stoffe wird? Bestehen keine Bedenken, wenn wie bereits berichtet, jetzt schon krebserregende Stoffe im Grubenwasser gefunden wurden und die Kiesgrube nahe einem großen Trinkwasser-Einzugsgebietes liegt? Gibt es keine Geologen in Baden-Württemberg?

Die Schwäbische Alb hat einen sehr komplexen Aufbau. Durch die Verkarstung ist es schwer zu erforschen, wohin das Wasser fließt, und somit ist auch die Bergsturzgefahr schwierig zu beurteilen.

Für alle Bürgerinnen und Bürger hoffen wir, dass die Verantwortlichen des Landratsamtes die gleichen Bedenken hegen und unabhängige Zweitgutachten fordern. Man möge bedenken, zu schnell drängt sich der Verdacht auf, dass der Abbau auf Biegen und Brechen genehmigt werden soll. Dann stellt sich die Frage, welche übergeordneten Stellen können die Bürger dann anrufen?

Martin Stussak
Sprecher BI Pro-Plettenberg
Römerweg 2, Schömberg

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