30.05.2015

Leserbrief

Etliches wurde umredet, verschleiert und schön dargestellt

 

Bereits 1952 hat Dotternhausen dem Zementwerk die Zusage zum Abbau des gesamten, brauchbaren Plettenberggesteins gegeben. Holcim Süddeutschland ist seit 2004 Besitzer des Werks und hat die Produktion von 400 000 Tonnen auf eine Millionen Tonnen pro Jahr gesteigert, geht aber laut eigener Aussage „schonend mit den Ressourcen um“. Gott sei Dank gibt es ein Steuergeheimnis und eine vertragliche Verschwiegenheitspflicht, hinter der sich die Gemeinde und Holcim verstecken.

Der Marktpreis von Zement liegt bei rund 100 Euro pro Tonne. Werksleiter Dieter Schillo erklärte, dass Holcim für den Kalkstein nicht mehr als 22 Cent bezahlen kann. Wobei der Schiefer kostenlos ist. Der Zementpreis gebe nicht mehr her. In der Presse war zu lesen, dass die Zementindustrie ihre ohnehin großen Gewinne im vergangenen Jahr um 46 Prozent gesteigert hat. Auch werden circa 200 000 Tonnen Ölschiefer in die Schweizer Werke zur Bearbeitung und Verkauf transportiert, ohne dass dies im Widerspruch zum Regionalplan für Rohstoffsicherung steht. Bei der Gewerbesteuer hält sich Holcim an die Gesetze und kann tun, was erlaubt ist und das ist etliches. Die Gutachten für die Erteilung der Süderweiterung werden von Holcim an ausgewählte Büros erteilt und bezahlt. Diese sind natürlich neutral und werden von den Behörden kritisch geprüft. So so. Rekultiviert wird, so wie es möglich ist, und in Abstimmung mit allen möglichen Stellen. Holcim kümmert sich um die Menschen, sponsert Gemeinden und Vereine – und so werden viele schweigen.

Fragen sollten an dem Abend nach dem Demokratieverständnis von Dotternhausen eingeschränkt werden. Mit der Offenheit und der Wahrheit war es so eine Sache. Etliches wurde umredet, verschleiert und schön dargestellt. Die Bürgermeisterin wird aber noch erklären müssen, wie sich ein angeblicher Pachtvergütungssatz von knapp unter einem Euro pro Tonne ergibt, wenn man die Jahrespacht von 220 000 Euro durch eine Millionen Tonnen teilt. Oder kommt es zur großen Nachzahlung?

Auch wird sie erklären müssen, wie sie mit Holcim zu einem optimalen Verhandlungsergebnis kommen will, wenn sie sagt: „Wir dürfen Holcim nicht überfordern, die müssen Geld verdienen“. Die Gemeinderäte haben sich bei der Info in Schweigen gehüllt. Alles klar oder Maulkorb? Die Gemeinde fühlt sich gut informiert. Die Bürger von Dotternhausen wurden mit keiner Zeile im Amtsblatt über den Ablauf der Veranstaltung informiert. Ich habe versucht, für eine Verbesserung der Sache zum Wohle der Allgemeinheit zu kämpfen. Dass ich nicht viel erreichen kann, war mir klar. Wer kämpft, kann verlieren; wer nicht kämpft, hat schon verloren. Lasst euch genügend Argumente einfallen, wie ihr der Nachwelt erklärt, wie alles abgelaufen ist, in der Zeit als Holcim in Heuschreckenmanier Zwischenstation in Dotternhausen gemacht hat.

Günter Schäfer
J.-S. Bach-Str. 15, Dotternhausen

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