Einen Kompromiss finden
Rund 500 Bürgerinnen und Bürger kamen gestern Abend in die Dotternhausener Festhalle zur Informationsveranstaltung der Gemeinde zum Thema „Kalksteinabbau Plettenberg“. Nach den Vorträgen konnten die Anwesenden Fragen stellen. Weiterer Bilder auf www.zak.de.
Rund 500 Bürgerinnen und Bürger kamen gestern Abend in die Dotternhausener Festhalle zur Informationsveranstaltung der Gemeinde zum Thema „Kalksteinabbau Plettenberg“. Nach den Vorträgen konnten die Anwesenden Fragen stellen. Weiterer Bilder auf www.zak.de. Foto: Rosalinde Conzelmann

Dotternhausen, 20.05.2015

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Holcim und Gemeinde auf dem Weg zu einem Kompromiss

Informationsveranstaltung lockt Hunderte – Bürger sind besorgt und stellen viele Fragen

„Die Fragen der Bürger liegen uns am Herzen“, erklärte Holcim-Werksleiter Dieter Schillo. Am Dienstagabend nutzten viele Menschen die Gelegenheit, sich fundiert über den Plettenbergabbau zu informieren.

Einen guten Kompromiss finden, der Naturschützer, Wanderer und die Wirtschaft zufriedenstellt – das ist das erklärte Ziel von Bürgermeisterin Monique Adrian in Bezug auf den Kalksteinabbau auf dem Plettenberg. Ein weiterer Schritt in diese Richtung war die öffentliche Informationsveranstaltung gestern Abend in der voll besetzten Dotternhausener Festhalle.

Die Hausherrin erklärte, dass der genehmigte Kalksteinabbau auf dem Plettenberg auf einen Vertrag aus dem Jahr 1952 zwischen dem damaligen Unternehmen Portlandzementwerk und der Gemeinde zurückgehe. „Er gilt bis heute“, sagte Monique Adrian. Auch das Recht zum Abbau anderer Flächen auf dem Plettenberg sei darin enthalten, sofern eine öffentlich-rechtliche Genehmigung vorliege, so die Bürgermeisterin. Bereits im Jahr 1977 wurden der Abbau der Kulissen und das Niveau von 940 Metern vertraglich geregelt. Außerdem wurde die Entschädigungen für das Quellwasser geregelt. Die Gemeinde Dotternhausen erhielt 206 644 Euro zur Abgeltung der Ansprüche auf qualitative und quantitative Beeinträchtigungen der Quellen, las Monique Adrian vor. Die Vergütung für den Kalksteinabbau ist abhängig von der gewonnenen Menge und wird alle fünf Jahre bemessen. Wie viel hier die Gemeinde erhält, verriet die Bürgermeisterin nicht. Dies sei Betriebsgeheimnis von Holcim.

Werksleiter Dieter Schillo betonte in seiner Ansprache, wie wichtig der Rohstoff Kalk für Zement ist. Er zeigte den Bürgern zwei Szenarien auf: Die Rekultivierung, wenn die Kulissen in Richtung Osten im Jahr 2027 fallen und die Ansicht, wenn diese erst zehn Jahre später abgebaut werden würden. Darüber würde die Rekultivierungsgruppe entscheiden, die sich aus Vertretern des Unternehmens und verschiedenen Interessengruppen, wie Wanderern, Naturschützern und nun auch einem Mitglied der Bürgerinitiative, zusammensetzt. „Holcim ist offen für alles“, verkündete der Werksleiter. Er zeigte auch wie die sogenannte Endnaturierung im Jahr 2057 aussehen könnte. Spontan habe man sich kürzlich entschieden, eine Aussichtsplattform am Abbaugebiet anzubringen. In Zukunft sollen Passanten so in den Steinbruch schauen können. Zusammen mit der Gemeinde soll ein geeigneter Platz gefunden werden. Auch ein Modell des Abbaugebiets ist in Planung, so Schillo.

Außerdem ging Schillo auf die Sicherheit im Unternehmen ein. „Hier gibt es bei uns null Toleranz“, sagte er. Dennoch könne man nie von einer 100-prozentigen Sicherheit ausgehen. Man verbessere jedoch ständig, um das Unfallrisiko zu senken. Er sprach auch die abgestürzten Loren an. Die Fehler seien nun behoben. Dr. Ulrich Tränkle, Leiter eines Blaubeurer Büros für Landschaftsplanung und Naturschutzmanagement, stellte die Renaturierung auf dem Plettenberg vor. Er zeigte anhand von Bildern das aktuelle und geplante Aussehen der ehemaligen Abbaufläche, die sich in Wacholderheide und Bergwald aufgliedern soll (wir berichteten).

Dass Hangabrutsche in dieser Gegend, unabhängig von einem Abbau, normal sind, verdeutlichte der Geologe Professor Dr. Ralph Watzel vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau des Regierungspräsidiums Freiburg. Bei dem Plettenberg handele es sich um einen Zeugenberg des Albtraufes. Die Hangabrutsche seien natürliche Prozesse entlang des Albtraufs, die völlig losgelöst vom Abbau stünden. Die Erweiterung sei nur zulässig, wenn der Abbau die Hangflächen nicht beeinträchtige. „Es muss nach den Richtlinien geschehen, das ist normal“, erklärte Watzel.

Auch auf das Thema Wasser ging der Geologe ein. Da die Fließgeschwindigkeit vom Plettenberg hinunter sehr schnell sei und die Wassermengen teilweise sehr gering, sei ein mechanischer Schutz, wie etwa spezielle Filter, notwendig, um von dort bakteriologisch unbedenkliches Wasser zu gewinnen.

Matthias Frankenberger, erster Landesbeamte, erklärte den Ablauf des Rechtsverfahrens der geplanten Genehmigung und die dabei mögliche Beteiligung der Bürger (wir berichteten).

Regen Gebrauch machten die Bürger von der Möglichkeit, Fragen zu stellen.

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