13.05.2015

Leserbrief

Es sind noch viele Fragen offen

 

Ein Bürger schickte ein Schreiben an sein zuständiges Rathaus. Sinngemäß lautete die erste Frage, wie es denn um die Grenzwerte der Luftschadstoffe bestellt sei, wenn das Zementwerk von Holcim zukünftig 100 Prozent Müll verbrennen würde? Aus dem Rathaus war zu hören, es sei kein Müll, es seien Ersatzbrennstoffe (EBS), die dort verbrannt werden sollen.

Zuerst muss man wissen, was EBS sind. Eine kurze und sicher nicht vollständige Auflistung hier: Klärschlamm, Papierfaser, Autoreifen, Altöl, Industriealtöle, Fotowasser, Kunststoffe, Dachpappe, Tiermehl usw. Eben alles, was Entsorgungsbetriebe einsammeln und sonst teuer entsorgen müssten. Auch die Kläranlagenbetreiber freuen sich über kostengünstige Klärschlammentsorgung. Auf die Äcker und Wiesen darf das giftige Zeug nicht mehr ausgebracht werden. Das Rathaus sagt: So gelten für die Zementwerke die gleichen Grenzwerte wie für Müllverbrennungsanlagen. Wenn der Antrag von Holcim genehmigt wird, gelten für das Dotternhausener Zementwerk dann sogar deutlich niedrigere Grenzwerte. Die Anlagengrenzwerte für Müllverbrennungsanlagen liegen wesentlich unter denen eines Zementwerkes.

Was man im Rathaus gänzlich vergessen hat: das Zementwerk besteht aus mehreren Emissionsquellen (Öfen / Schornsteine). So gelten für die vier Wirbelschichtöfen die alten Grenzwerte. Was soll also wesentlich besser sein, wenn der Grenzwert vom Drehofen, beim Schwefeldioxid von 100 mg/Nm³ auf 50 mg/Nm³ (Milligramm pro Kubikmeter Abgas) gesenkt wird und jeder der vier Wirbelschichtöfen 800 mg/Nm³ ausstoßen darf? Wenn man dann die Abgasmengen betrachtet, wird es einem schwindelig. Der Drehofen stößt pro Stunde circa 160 000 m³ und jeder Wirbelschichtofen noch einmal circa 25 000 m³ Abgase aus.

Es ist für jeden Bürger einfach, mit dem Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) in Kontakt zu treten. Dort erhält man Daten über die Schadstoffquellen und Verteilung der Schadstoffe auf Landesebene, Kreisebene, Gemeindeebene und Verursacher.

Die BI Pro-Plettenberg ist bereit, Informationsdefizite auszuräumen, gerne auch in einem Gespräch im Rathaus Dotternhausen. Informationen sind für die Gemeindevertreter sehr wichtig, wenn sie auf dem Podium der Infoveranstaltung von Holcim sitzen. Es sind noch viele Fragen offen.

Martin Stussak,
Römerweg 2, Schömberg
Sprecher BI Pro-Plettenberg

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