09.04.2015

Leserbrief

Wenigstens am Ostersonntag hätte der Kalksteinabbau ruhen können

 

Bedingt durch die Lage meines Wohnhauses, sehe ich zwangsläufig täglich auf die Materialseilbahn vom Plettenberg. Dabei hat es mir am Ostersonntag fast die Sprache verschlagen. Holcim baute zwischen etwa 7 und 19 Uhr bis zur Tagesbedarfsmenge von 4000 Tonnen weiterhin den Plettenberg ab. An der Seilbahn stehen ja zwischenzeitlich mehrere große Schilder, die auf die Gefahren hinweisen. Denn wie vor kurzem geschehen, könnten ja mal ein oder zwei Transportloren mit einem Gesamtgewicht von etwa zwei Tonnen in der Nähe eines Wohngebiets herunterfallen und bei der Eiersuche stören. Trotz ausgiebiger Versuche konnte Holcim dieses Vorkommnis damals nicht geheim halten.

Der Abbau am Ostersonntag geschah drei Tage nachdem Holcim in einem umfangreichen Infojournal, das im gesamten Oberen Schlichemtal verteilt wurde, mit großen Worten den pfleglichen und schonenden Umgang mit der Ressource Kalkstein und die soziale Verantwortung propagiert hat. Vielleicht hat es sich noch nicht bis zu den Verantwortlichen bei Holcim Dotternhausen oder in der Schweiz herum gesprochen, dass an diesem Tag Ostern ist.Vielleicht kam Ostern auch völlig überraschend und man konnte sich von der Materialdisposition nicht rechtzeitig darauf einstellen. Oder könnte es gar sein, dass beim weltweiten Betrieb von 70 Zementwerken, Holcim die Feiertage der jeweiligen Kultur- und Glaubenskreise nicht mehr richtig zuordnen kann?

Ich habe jedenfalls große Probleme, den von Holcim errechneten Abbauplanungen für die nächsten 40 Jahre Glauben zu schenken, wenn sie in den Wochenbedarfsplan den Ostersonntag mit einbeziehen müssen. Wie kann ich allen sonstigen großartigen Aussagen auch dem Journal vertrauen? Holcim predigt Wasser und trinkt Champagner. Sie vergleichen sich gerne mit dem früheren Betreiber Rohrbach. Aber da ist sehr viel unterschiedliches erkennbar. Es gibt Dinge, die dürfen einfach nicht passieren und lassen sich auch nicht rechtfertigen. Dass an Heiligabend, wenn die meisten schon unterm Christbaum sitzen, noch bis gegen 18 Uhr die Seilbahn betrieben wurde, kann man mit einem zugedrückten Auge noch nachsehen. Aber ganztägig an Ostern, das haut dem Fass den Boden aus.

Schönen Worten von Holcim folgen spontan solche Taten. Welche Behörden lassen das zu oder tolerieren dies? Mir wurde bei meinem Wunsch nach Vertragseinsicht seitens der Gemeinde nichts vorgelegt, das ausgesagt hätte, wo so etwas erlaubt wäre. Es ist endlich an der Zeit, dass einige Zeitgenossen aus Verwaltung, Politik und Gesellschaft sich erheben und sagen: So nicht!

Günter Schäfer
Joh.-Seb.-Bach Str. 15,
Dotternhausen

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