31.01.2015

Leserbrief

Konzernbesteuerung ändern

 

Holcim informiert derzeit die Standort- und Umlandgemeinden über die Erhöhung des Einsatzes von Ersatzbrennstoffen. Gleichzeitig wurde bei der Infoveranstaltung im Werkforum über die vorgesehene Erweiterung des Kalksteinbruches auf dem Plettenberg berichtet. Vorweg ist festzustellen dass das Zementwerk seit 1939 zur Gemeinde Dotternhausen gehört und sichere Arbeitsplätze sowohl für die direkten Mitarbeiter wie auch für die im Auftrag des Zementwerkes tätigen mittelständischen Unternehmen bietet. Unbestritten ist, dass in einem Werk in dem jährlich 150 000 Tonnen Ersatzbrennstoffe (Altreifen, Gummi, Kunststoffe, Dachpappe, Klärschlamm, Bearbeitungsöle usw.) verbrannt werden, Emissionen auftreten.

Wer garantiert der Bevölkerung, dass dadurch keine Gefährdung auftritt? Über die Zuverlässigkeit der Lieferfirmen solcher Ersatzbrennstoffe wird in der Presse immer wieder negativ berichtet.

Durch die Klinkerproduktion (Einsatz von ca. 1 Mio. Tonnen Kalkstein vom Plettenberg) im Drehofen und dem Verbrennen ähnlicher Mengen Ölschiefer in den Wirbelschichtöfen des Kraftwerkes treten weitere größere Emissionen auf allein schon durch die geogene Vorbelastung des Kalksteines und des Schiefers. Tatsache ist auch, dass Holcim den Schadstoffausstoß bei den Stickoxiden um über die Hälfte zurückführen muss, aber nur weil die EU-Grenzwerte entsprechend angepasst werden. Wer garantiert uns, dass alle Grenzwerte die für Zementwerke derzeit bindend sind, sich in einigen Jahren nicht als zu hoch erweisen? Für unsere Gesundheit kann es dann zu spät sein.

In den Umweltberichten von Holcim sind immer die Emissionsgrenzwerte und die aktuellen Emissionen in mg/Nm³ aufgeführt. Die Nichtfachleute interessieren vor allem die Emissionen in to/Jahr, und zwar für den Drehofen und für die Wirbelschichtöfen. Nicht nur Naturliebhaber sehen in dem rasant schnellen Abbau von Kalkstein und Ölschiefer immer größere Wunden in der Natur die auch durch eine noch so gute Rekultivierung nicht wiederherzustellen sind.

Ist es notwendig, dass jährlich 200 000 Tonnen GÖS (gebrannter Ölschiefer) in die Schweiz exportiert werden? Wir nehmen mit Murren solche Einschränkungen und Belastungen an. Allerdings müssen dann auch die gesamten Rahmenbedingungen stimmen.

Wir müssen uns alle mit allem Nachdruck für eine geänderte und gerechte Konzernbesteuerung einsetzen. Hier sind auch unsere Politiker gefordert. Die Erträge müssen dort versteuert werden, wo sie anfallen. Die von den Belastungen eines Zementwerkes betroffenen Standortgemeinden müssen über die Gewerbesteuer einen entsprechenden Ausgleich erhalten.

Sofern dies auf steuerrechtlichen Gründen derzeit nicht möglich ist, bietet sich für Holcim an, z. B. die Entschädigung für den Kalksteinabbau auf dem Plettenberg entsprechend freiwillig angemessen deutlich zu erhöhen, damit die Akzeptanz für das Zementwerk erhalten bleibt.

Bereits Rudolf Rohrbach, Gründer des Zementwerks, stellte fest, alles ist ein Geben und Nehme. Derzeit hab ich den Eindruck dass es nur ein Nehmen ist. Schade. Zum Schluss noch eine Anmerkung, wie wichtig die Führung von Holcim die Infoveranstaltung nimmt.

Wo war Herr Urs Kern, Geschäftsführer von Holcim Süddeutschland. Die Leiterin der Unternehmenskommunikation Holcim Zentraleuropa, angereist aus Zürich und von Herrn Schilo vorgestellt, die ebenfalls an der Infoveranstaltung teilnahm, hat die Infoveranstaltung vorzeitig verlassen. Herr Massini als Leiter der Technischen Planung referierte über den Einsatz der Ersatzbrennstoffe und die Einhaltung der Grenzwerte recht schulmeisterlich. Diesen Eindruck hatte nicht nur ich.

Otto Scherer
Zinkenstraße 6/2, Dotternhausen

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Plettenbergabbau.

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