23.01.2015

Leserbrief

„Liebe Verantwortliche, schenkt reinen Wein ein!“

 

Ich bin erstaunt, über den Aufschrei aus der Bevölkerung zu den jeweiligen Zeitungsberichten. Die Rede ist von „Bombe“ oder „ Lawine“ die hier ausgelöst wurde. Mich erstaunt, wie wenig Wissen vielfach über die gesamte Thematik zu Holcim, Kalksteinabbau/Ersatzbrennstoffe und den damit eingebundenen Kommunen, vorhanden ist. Man könnte fast annehmen, für manche ist es neu, dass Holcim hier tätig ist und Steine vom Plettenberg holt. Jetzt, dass der Berg schon zu großen Teilen abgetragen ist und das ganze Ausmaß durch Luftbilder belegt wird, wird dies Jedem so richtig deutlich. Doch auf dem Plettenberg begann der Abbau des Kalksteines bereits im März 1907 mit Einweihung der Seilbahn nach Balingen. Seit dieser Zeit wird der Kalkstein aus dem vor 200 Millionen Jahren entstandenen Plettenberg abgetragen und zu Baustoffen verarbeitet. Gleiches gilt für den Schiefer in anderen Bereichen. Was auf dem Plettenberg sich langsam entwickelte, wurde größtenteils nicht richtig wahrgenommen. Der Berg ist hoch, sollte nach Möglichkeit nur zu Fuß bestiegen werden und blieb so manchem aus vielerlei Gründen verborgen.

Aber auch mancher von amtlicher Stelle hat die Sache nicht aufmerksam verfolgt. Jetzt, da es um die abbaurechtlich zu genehmigenden Restflächen geht, werden plötzlich viele aufmerksam und sehen das Werk von 107 Jahren Kalksteinabbau. Das was jetzt noch zur Verfügung steht, muss genehmigt und eingeteilt werden. Vergleichbar einem zu verteilenden Kuchenrest. Wie schnell dies geschieht bestimmt weitgehendst Holcim. Die Kommunen sagen lediglich noch, wie groß er ist. Und danach richtet sich der Verbleib von Holcim in Dotternhausen. Wenn nicht etwas andernorts hinterherkommt. Die Abbaugeschwindigkeit wurde in den zehn Jahren seit Holcim tätig ist verdoppelt, mit weiter steigender Tendenz. Holcim ist nicht irgendwer, sondern der weltweit führende Baustoffhersteller mit 56 000 Mitarbeitern in 70 Ländern. Der Umsatz liegt bei rund 13 000 000 000 Franken, Euro 13 Milliarden. Das Unternehmen ist in allen Bereichen sehr klar aufgestellt und verhält sich entsprechend den selbst auferlegten Regeln aus meiner Sicht absolut linientreu. Sie tun das, was sie dürfen und müssen.

Liebe Verantwortliche (bei Holcim/Kommunen/Behörden etc.. ), geht entsprechend vor und informiert die Bevölkerung im gesamten oder zumindest in der unmittelbaren Umgebung einfach und für jeden verständlich über alle wichtigen und relevanten Daten, Vertragsinhalte, Steuersituation, Geldliche Leistungen u.s.w.) Schenkt reinen Wein ein! Warum macht man aus vielem ein Geheimnis? Verschlossenheit weckt Vermutungen und Unglaubwürdigkeit. Es sollten Regelungen und Lösungen gegebenenfalls rückwirkend gefunden werden, mit denen alle umweltmäßig und finanziell zufrieden sind. Keiner kann nur das Maximale erwarten.

Ein absolut offener Umgang miteinander ist angesagt. Wer mit wem, muss man halt festlegen.

Lassen sie uns alle verantwortungsvoll mit den über lange Zeit entstandenen Rohstoffen Kalkstein und Schiefer umgehen. Unsere Generation steht in der Verantwortung hinsichtlich Rohstoffverbrauch gegenüber den Folgegenerationen. Ich möchte mich diesbezüglich jederzeit erhobenen Hauptes im Spiegel betrachten können.

Günter Schäfer,
Joh.-Seb.-Bachstraße 15,
Dotternhausen

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Plettenbergabbau.

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