20.01.2015

Leserbrief

„Ich steige aus und ziehe die Konsequenzen“

 

Seit vielen Jahren bin ich im Albverein Dotternhausen engagiert und das Thema Plettenberg liegt mir sehr am Herzen. Zu dem Bericht im ZAK bei dem ich mich angesprochen fühlte, nehme ich aber nicht als Vereinsvorstand, sondern als Privatmann Stellung:

Ich nehme nicht in Anspruch, für viele Wanderer zu sprechen. Und es ist mir nicht egal, was auf dem Plettenberg passiert und ich vertraue auch nicht, dass Holcim alles richtig macht. Ich habe aber schlichtweg resigniert.

Aus diesem Grund bin ich als Vertreter der Albvereins-Ortsgruppe Dotternhausen nicht zu dem jährlichen Info-Abend gegangen. Ich war schon bei vielen dabei. Wo war da die Presse ?

Holcim präsentierte dabei gut vorbereitet und professionell die Fakten. Auf alle kritischen Fragen gibt es korrekte Antworten und man kann nichts Falsches erkennen und muss mit seiner meist begrenzten Sachkenntnis klein bei geben. Holcim macht also alles richtig.

Dass Holcim im Jahr rund eine Million Tonnen Kalkstein abbaut, ist allseits abgesichert und legal.

Eine Million, dass heißt rund 4000 Tonnen an rund 250 Abbautagen. Bedeutet, dass bei 15 Stunden Betriebsdauer der Seilbahn pro Minute rund fünf Tonnen den Plettenberg verlassen. Das tut einem Naturfreund weh! Holcim muss aufgrund der Gesetzeslage seit vielen Jahren in Dotternhausen keine Gewerbesteuer bezahlen. Das Abbaugeld oder wie dies auch immer genannt wird, beträgt rund 250 000 Euro, was eine Gebühr von 0,25 Euro pro Tonne ergibt.

Holcim habe ich seit Jahren zu einem partnerschaftlichen Miteinander aufgefordert. Ein gewisses Verständnis wurde uns vom Albverein auch entgegen gebracht. Holcim tut auch für Dotternhausen (Gemeinde/Vereine/Kulturelles etc.) immer wieder etwas. Aber gemessen an dem, was Nutzen vom Plettenberg gezogen wird, erscheint mir dies als Trostpflaster. Warum sollen sie mehr tun, wenn sie nicht müssen?

Bei meinen verschiedenen moderaten Wünschen/Anregungen und Forderungen die ich in der Vergangenheit an Holcim und über die Gemeinde vorgetragen habe, erhielt ich seitens der Gemeinde Antworten wie: „Wir dürfen Holcim nicht überfordern – Holcim muss Geld verdienen.“ Darüber kann man nun diskutieren.!! Holcim hat das Interesse des „Heuschreckenprinzips“ und praktiziert dies legal.

Wenn rund 200 Güterzüge zu 650 Tonnen, also 130 000 Tonnen mit Zement im Jahr umweltfreundlich in die Schweiz gehen, gibt es dazu Fragen.

Wenn tausende Tonnen Ersatzbrennstoffe verbrannt werden, soll dies ohne nennenswerte Emissionen erfolgen? Laut Gemeinde hat Holcim das Ziel „diese so gering wie möglich zu halten“. Also alles o.k. Die Ursache für die gesamte Schieflage würde ich an der Gesetzgebung, den Genehmigungsbehörden sowie an der Haltung der Gemeinde suchen. Diese genehmigen weiter.

Der ganze Abbau gleicht einem Zug, der mit immer größerer Geschwindigkeit fährt, dessen Weichen sind klar und legal gestellt.

Viele sitzen teilweise bequem darin (Firmenverantwortliche/Mitarbeiter/Behördenvertreter u.s.w.) und kommen gut damit zurecht. Der Zug ist nicht mehr aufzuhalten, sondern nur noch geringfügig zu korrigieren.

Manche steigen zu bestimmten Zeiten aus und gehen einer anderen Tätigkeit nach z.B. Bürgermeister. Irgendwann steht der Zug und dann?

Ich als engagierter Albvereinler habe resigniert, steige aus und ziehe die Konsequenzen.

Sich oft alleine und ehrenamtlich und über lange Zeit mit den professionellen Vertretern von Firmen und Behörden auseinander zu setzen, macht müde und daher die Resignation. Auch wenn es falsch ist. Von der Sache her sollte man die Thematik aber weiterhin verfolgen.

Warum viele andere Wanderer oder Bürger von Dotternhausen und Umgebung sich nicht für die Gegebenheiten interessieren, möchte ich nicht kommentieren.

Günter Schäfer, Johann-Sebastian-Bachstr. 15, Dotternhausen

Mehr zum Schlagwort

Plettenbergabbau.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.
counter