Einbruchserie im ganzen Kreis
Drei Männer stehen wegen schweren Bandendiebstahls in Hechingen vor Gericht
Zollernalbkreis, 15.12.2010 von Hannes Mohr
Schwerer Bandendiebstahl – so lautete gestern die Anklage am Amtsgericht in Hechingen. Und das in insgesamt 30 Anklagepunkten. Genauer gesagt werden ein 21-Jähriger aus der Schweiz und sein 17-Jähriger Onkel aus einer Kreisgemeinde verdächtigt, im Zeitraum von April bis Juli 2010 bevorzugt Baucontainer auf Baustellen aufgebrochen und die darin befindlichen Baugeräte und Werkzeug gestohlen zu haben. Ein 66-jähriger Mann, ebenfalls aus dem Zollernalbkreis, soll sie dabei unterstützt haben. Die Staatsanwältin brauchte fast 15 Minuten um die Anklageschrift komplett zu verlesen. Eine große Anzahl Aktenordner mit Ermittlungsakten schmückten den Tisch der Richterin. Insgesamt 14 Mal sollen die Angeklagten im gesamten Kreis auf Beutezug gewesen sein. Daneben sollen sie mehrfach KFZ-Kennzeichen und Benzin gestohlen haben.
Der 17- und der 21-Jährige seien nachts auf Diebestour gewesen, während der 66-Jährige ihnen sein Auto, Kleidung, sowie seine Scheune als Versteck der Hehlerware angeboten haben soll. Zudem soll er Käufer für die Werkzeuge gefunden haben – darunter auch sein Bruder, der wegen Hehlerei bereits verurteilt wurde. Das Sortiment, das die beiden Jungs anschleppten, sei groß gewesen: Schlagbohrer, Kettensägen, Winkelschleifer, Trennschleifer – eben alles, was an Werkzeugen auf einer Baustelle zu finden ist.
Die beiden jungen Männer räumten alle Taten ein. Sie hatten bereits bei der Polizei ein komplettes Geständnis abgelegt. Sehr spontan sei der erste Einbruch passiert. Nach einer Feier kamen sie an einer Baustelle vorbei. Da beide kein Geld mehr zum Tanken hatten, suchten sie auf der Baustelle nach Benzin. Statt Sprit fanden sie jede Menge Werkzeug. „Wir wollten es verkaufen“, gab der 21-Jährige zu. „Es sollte eine einmalige Sache sein“. Zu der Einbruchserie sei es nur gekommen, weil die Nachfrage so groß gewesen sei.
Nach der ersten Diebestour sollen sie ihre Beute dem Nachbar des 17-Jährigen gezeigt haben. Sie behaupteten, sie stamme aus einer Insolvenz. Die beiden jungen Männer kannten den 66-Jährigen gut. Er soll die Ware dann weiter vermittelt haben.
Bei seiner Befragung bestritt der 66-Jährige alles. Er sei das Opfer. Er habe den Jungs das Auto und die Scheune nur für den Transport und die Lagerung privater Möbel überlassen. Seine Angaben unterschieden sich von denen bei der Polizei. Zudem sind bei ihm aus sechs Einbrüchen Werkzeuge gefunden worden. Auch das Protokoll einer Telefonüberwachung belastet ihn. Er war bei seiner Aussage sehr aufgebracht, beleidigte einen Mitangeklagten als „kriminelles Objekt“ und richtete seine Wut auch gegen die Richterin, bis diese und sein Anwalt ihn ermahnten.
Im weiteren Verlauf wurde ein Anklagepunkt nach dem anderen abgearbeitet. Während der 17- und der 21-Jährige jedes Mal der Richterin zustimmten, galt es noch heraus zu finden, inwiefern der leugnende 66-Jährige mit drin hängt
Der Fall wird in einer Woche weiter verhandelt. Dann soll auch das Urteil verkündet werden.
