Autobiografisches Werk für die Nachwelt

Lesung aus Bodo Diemers „Geschichts“-Buch – Riesenandrang in der Villa Haux

Autobiografisches Werk für die Nachwelt

Albstadt-Ebingen, 26.11.2010

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Vergangenen Dienstag fand in der Villa Haux die Lesung von Bodo Diemers Werk „Überlebenschancen gleich Null. Vom sinnlosen Sterben der Torpedoflieger“ statt. Eine Art Neuaufarbeitung der Geschichte.

Gegen 19 Uhr versammelten sich die Interessierten im Vortragssaal der Villa Haux. Man rechnete mit rund 40 Personen, doch war das Interesse so groß, dass gar nicht genügend Stühle zur Verfügung standen. Rose Diemer, die Ehegattin des Autors, eröffnete mit gefühlvoll treffenden Worten die Lesung und übergab anschließend das Wort an Dr. Dietrich Uffhausen. Bodo Diemer selbst war aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend, doch hielt stellvertretend eine Büste, gefertigt von seiner Schwester Sonja Diemer, die Stellung. Das gesamte Ambiente war „Diemerisch“, denn es war eben Bodo Diemers Vater, der als junger Architekt von Stuttgart nach Ebingen kam, um an der Villa Haux zu arbeiten und ihre Form zu gestalten.

Die autobiografische Schrift, die zunächst als Manuskript kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges vorhanden war und Diemers unmittelbare Erfahrungen festhielt, wurde erst einige Jahrzehnte später als Buch veröffentlicht (wir berichteten ausführlich).

Dietrich Uffhausen vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg verlieh an diesem Abend dem Werk seine Stimme und gab der Niederschrift ein akustisches Adäquat. Uffhausen begann mit einem Gedicht Diemers „Vom Fliegen“. Das Fliegen ist mitunter das Prägendste in Bodo Diemers Leben gewesen. Beginnend mit der Passion für das Segelfliegen, welches er in der Hitlerjugend leidenschaftlich ausüben durfte, bis hin zur freiwilligen Meldung für die Wehrmacht, wo er ab 1944 bis Kriegsende 18 Einsätze bei den Torpedofliegern bewältigte.

Bodo Diemer geht es in seinem Werk vordergründig darum, die Frage neu zu beantworten, wie es möglich war, dass Hitler mit wenigen Ausnahmen so viele Anhänger für sich gewinnen konnte. Den Antritt der NSDAP als Staatsmacht erfährt Diemer in sehr jungen Jahren und kann sich den manipulativ propagandistischen Idealen der Nationalsozialisten nicht entziehen. Für ihn und für die meisten Deutschen scheint Hitler die Antwort auf alle bestehenden Probleme zu sein. Mit dem Kalkül der Verführung gelingt es der NSDAP die Gesellschaft auf ihre Seite zu ziehen. Dies ist der Beginn der Schilderung von Erfahrungen, die Diemer rückblickend zusammenfasst. Bei der Lesung übersprang Dietrich Uffhausen ca. 300 Seiten und trug anschließend aus dem Schlusskapitel vor, das von Diemers Kriegsgefangenschaft und dem Ende des Krieges – gleichsam eine Erfahrung des Verlorenseins – berichtet.

Es ist ein Werk für die Nachwelt. Ein Thema der Deutschen Geschichte, das nie in Vergessenheit geraten darf, jedoch auch von verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden muss, um den nachfolgenden Generationen verständlich machen zu können, warum es zu solchen Taten kommen konnte. Ein Werk, das zum Lesen anregt. Es ist nicht die typisch dokumentarische Auseinandersetzung mit der Geschichte, sondern eine einfühlsame Fassung der Ereignisse aus der Sicht und mit der „Sprache eines einfachen Fliegersoldaten“ – um es mit Worten Diemers zu sagen.

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