Berlin, 25.11.2010

Schwaben verkaufen sich teuer

Handball-Bundesliga: Balingen-Weilstetten unterliegt beim Tabellenzweiten Berlin mit 28:32

Schwaben verkaufen sich teuer
Die Überraschung ist ausgeblieben. Wie erwartet hat der Balinger Bundesligist gestern Abend bei den Füchsen Berlin mit 28:32 (15:18) verloren. Doch verkaufte sich der HBW an der Spree teuer.

„Wir rechnen uns nichts aus“, stapelte HBW-Manager Benjamin Chatton vor dem Duell mit dem Tabellenzweiten tief – und auch Trainer Dr. Rolf Brack hielt sich im Postulieren ehrgeiziger Ziele zurück: „Wir wollen solange wie möglich mitspielen.“

Das gelang den Schwaben, die im Fuchsbau auf den angeschlagenen Felix Lobedank verzichten mussten, überraschend gut, obwohl Brack zu Beginn einige arrivierte Akteure schonte. Roland Schlinger sorgte nach wenigen Sekunden dennoch für die HBW-Führung mit einem satten Wurf aus neun Metern. Auf der Gegenseite taten sich die Hauptstädter sehr schwer gegen die 5:1-Abwehr. Erst in Überzahl – Vlatko Mitkov hatte sich früh eine Zeitstrafe eingehandelt (1. Minute) – glich Sven-Sören Christophersen aus. Doch auch in der Folgezeit war der Tabellenelfte präsenter auf der Platte, obwohl er beste Chancen (darunter zwei Siebenmeter) ausließ.

Das rächte sich: Alexander Petersson und Ivan Nincevic sorgten für einen 4:1-Vorteil der Berliner (8.). Den Drei-Tore-Vorsprung konservierte das Spree-Ensemble zunächst und nahm langsam Fahrt auf. 8:3 lag das Team von Trainer Dagur Sigurdsson nach elf Minuten vorne, welches unglaublich effizient angriff und ebenso effektiv verteidigte. Ergo: Der HBW fiel sukzessive zurück (6:11/ 15.). Benjamin Herth hielt die Balinger mit einem Doppelpack in Schlagdistanz (11:8/ 17.) – und in Überzahl verkürzte Wolfgang Strobel vom Kreis weiter. Markant: Die Brack-Truppe spielte konsequent über die Nahdistanz. Mit Erfolg.

Der Füchse-Chef reagierte und stoppte den schwäbischen 3:0- Lauf mit einer Auszeit. Die einminütige Ansprache des Isländers zeigte Wirkung. Bartlomiej Jaszka stellte den alten Drei-Tore-Abstand wieder her (13:10/ 21.), doch die Gäste blieben weiter dran. In Schlussphase der ersten Spielhälfte hatten die Balinger die Chance auf den Anschlusstreffer (17:15/ 27.), doch Füchse-Keeper Petr Stochl fischte sich zwei Würfe und der Europapokal-Aspirant zog zur Pause wieder auf 18:15 davon.

Auch nach dem Seitenwechsel lieferten die Schwaben dem Tabellenzweiten ein Duell auf Augenhöhe – und nach einer Bankstrafe gegen die Berliner glich der HBW zum 19:19 aus (36.). Bitter für die Balinger: das 20. Gegentor durch Petersson in Überzahl. Mit wütenden Aktionen auf dem Parkett und einem gellenden Pfeifkonzert quittierten die Hauptstädter den couragierten Auftritt des Aufsteigers von 2006. Die Konzessionsentscheidungen blieben nicht aus. Michal Kubisztal sorgte schließlich für das 21:19 (38.), welcher kurz zuvor nach einem rüden Foul an Dennis Wilke ohne Strafe blieb. Die Füchse wurden noch bissiger, ehe Brack per Auszeit zumindest in die Aktionen seiner Mannschaft wieder etwas Ruhe brachte. Die war auch nach 43 Minuten noch im Spiel (23:21): durch den fünften Treffer von Johan Boisedu.

Es war ein offener Schlagabtausch mit vielen Nicklichkeiten auf beiden Seiten, welche die Unparteiischen Martin Harms und Jörg Mahlich nicht konsequent geahndet haben. Logische Konsequenz: Die ohnehin aufgeheizte Atmosphäre drohte zu eskalieren. „Es war ein sehr hartes Spiel“, bilanzierte der siebenfache Torschütze Benjamin Herth und fügte hinzu: „Berlin hat viele Pfiffe bekommen, die wir in dieser Saison zuhause noch nicht bekommen haben.“ So war es auch in den Schlussminuten, als die rüde Gangart der Hauptstädter toleriert wurde – und Petersson mit seinem sechsten Treffer zum 30:26 schließlich für die Entscheidung sorgte. „Wir sind dennoch nicht enttäuscht“, betonte Allrounder Sascha Ilitsch und Spielmacher Herth ergänzte: „Auf diese Leistung lässt sich aufbauen.“ So sah es auch der Balinger Coach, der mit dem Ergebnis durchaus leben konnte und mit der Leistung seiner Schützlinge zufrieden war.

Nach einwöchiger Spielpause erwarten der HBW am kommenden Mittwoch (1. Dezember, 20.15 Uhr, SparkassenArena) Kellerkind Melsungen, das gestern überraschend Lemgo bezwang (27:26). „Dann gilt’s!“, betonten die HBW-Protagonisten unisono. Und Brack setzte noch einen drauf: „Ein absolutes Vier-Punkte-Spiel.“

 

„Füchse“ Berlin – HBW Balingen-Weilstetten: Teams & Tore

Füchse Berlin: Heinevetter (ab 48., bei einem Siebenmeter, 7 Gegentore/ 4 Paraden), Stochl /1. – 48., 21/ 15; Nincevic (10/5), Petersson (6), Jaszka (6), Christophersen (2), Laen (2), Bult (2), Kubisztal (2/1), Spoljaric (1), Richwien (1), Vatne, Wilczynski, Sellin.

HBW Balingen-Weilstetten: Marinovic 25. – 30. und ab 40., 12 Gegentore/ 7 Paraden), Zoubkoff (1. – 25. und 30. – 40., 20/ 7); Herth (7/2), Schlinger (5), Boisedu (5), Ilitsch (3), Strobel (2), Bürkle (2), Temelkov (2/2), Ettwein (1), Mitkov (1), Sauer, Wilke, Lobedank (n. e.).

Schiedsrichter: Harms/ Mahlich (Magdeburg/ Stendal).

Zuschauer: 6324.

Spielfilm: 2:1 (5.), 6:2, 9:4, 11:7 (16.), 14:11, 15:12, 17:15 (27.), 18:15 – 19:19 (36.), 21:19, 23:19, 24:22 (46.), 24:24, 27:25, 30:26 (57.), 32:28.

Siebenmeter: 5/5:6/4 (Herth scheitert an Stochl/ 2., Wilke wirft über das Tor/ 3.).

Zeitstrafen: 10:10 Minuten (Riechwien, Laen, Nincevic, Christophersen – Ilitsch/ 2, Ettwein/ 2, Mitkov).

Nächstes Spiel: HBW Balingen-Weilstetten – MT Melsungen (1. Dezember, 20.15 Uhr, SparkassenArena Balingen ar

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Kommentare unserer Leser


Balingen gegen Füchse

Wenn man davon ausgeht das die Balinger Spieler wie Fliegen umgefallen sind und durch Schauspielerei auffielen und die harte Gangart der Balinger hier nicht kommentiert wird, ein sehr netter Bericht.
Die Schiedsrichter waren aufbeiden Seiten überfordert.
von Sven am 25.11.2010 14:28:47

Antwort auf Balingen gegen Füchse

Sehe ich auch so. Das schlimmste Spiel, das ich seit langem in der Schmeling-Halle gesehen habe. Unheimlich viele Unterbrechungen und zwei verunsicherte Schiris, die durch inkonsequentes Pfeifen zur Eskalation beigetragen haben. Manchmal passen aber auch Mannschaften nicht zusammen. Und dann kommt eben so etwas dabei raus.
von Zuschauer am 25.11.2010 14:41:49

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