Der Albstädter Biber muss umziehen
Verstopfter Regenwasserkanal soll geflutet werden – Keine Gefahr für den kleinen Baumeister
Albstadt-Ebingen, 21.10.2010 von Dagmar Stuhrmann
Seit gut einem Jahr lebt der Biber am Ortsrand von Onstmettingen (wir berichteten), wo er in der Schmiecha einen prächtigen Damm gebaut hat und sich in seinem Revier auch sichtlich wohlfühlt. Doch weil er so fleißig ist und reichlich Holz gemacht hat, muss er jetzt weichen: „Der Regenwasserkanal wird durch das Holz in der Röhre aufgestaut,“ erklärt Bernd-Michael Abt vom Albstädter Amt für Bauen und Service. Bis jetzt funktioniert der Abfluss noch unbeeinträchtigt. Weil der verstopfte Kanal bei starken Niederschlägen aber zu Problemen führen kann, hat die Stadt Albstadt vom Regierungspräsidium eine Ausnahmegenehmigung für den Eingriff in das Leben der geschützten Art erhalten: „Wir müssen den Biberbau räumen, weil sonst der Ablauf nicht mehr gegeben ist.“
Deswegen soll der Kanal zeitnah geflutet werden. Die Biberfamilie – vermutlich hat das Pärchen zwei Junge – wird dies unbeschadet überstehen. Das versichern zumindest die Biber-Fachmänner Heinz-Dieter Wagner, ehrenamtlicher Biberbeauftragter im Kreis, und Kreisökologe Dr. Werner Ludwig. „Da wir nicht sicher wissen, ob der Biber sich dann gerade in dem Kanal aufhält, wenn wir ihn durchspülen, oder ob er in einer anderen Erdhöhle ist, muss darauf geachtet werden, dass er – sollte er sich im fraglichen Teilstück befinden – auch tatsächlich hinausgespült wird,“ sagt Heinz-Dieter Wagner. Auf jeden Fall müsse sichergestellt sein, dass er nicht im Kanal eingesperrt wird. Denn nach der Spülung wird dessen Zugang mit einem Gitter verschlossen. Es gehört zu den Eigenheiten des nachtaktiven Bibers, dass er sich mehrere Behausungen schafft. Deswegen schätzen die Biber-Kenner die Chance hoch ein, dass der possierliche Baumeister samt Anhang nach der Zerstörung seiner behaglichen Schlafstelle im Schacht auf die andere Seite der Schmiecha umziehen wird, wo er auch jetzt schon zeitweise wohnt. „Dort gibt es einen stillgelegten Kanal, der ideal wäre,“ sagt Bernd-Michael Abt, „und dort gäbe es auch keine Probleme.“ Was der Biber im übrigen überhaupt nicht mag, ist Besuch von Menschen, die ihm zu nahe kommen. Dr. Ludwig empfiehlt: Wer den Tieren etwas Gutes tun will, sollte sich aus ihrem Revier fernhalten.
