Hommage an ein Genie

Im Geiste Picassos: Musik, Tanz und Schauspiel bei der „Spanischen Nacht“

Albstadt-Onstmettingen, 18.10.2010

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Spanische Nacht – Picasso mit allen Sinnen – eine musikalische Arena und mehr: Eine solche Ankündigung weckt höchste Erwartungen. Um es vorwegzunehmen: Sie wurden allesamt erfüllt.

Traut man das einem lokalen Blasmusikverein zu? Schon das Programm lässt ahnen, dass hier in allen Bereichen professionell vorbereitet wurde und hervorragende Gäste für verschiedene Aufgaben ins Boot geholt wurden. So wurde der in England geborene und heute in Berlin wirkende Künstler Christopher Winter verpflichtet, zu Beginn den Zuhörer in den Geist Picassos zu entführen. Der Zuhörer wartet lange auf erste Musik. Dafür belohnt das Orchester mit einem fulminanten Auftakt: Paso Doble („A la corrida!)“ von A. Reed, der im Jahre 2005 verstarb. Hier kam vitales spanisches Flair in den Saal, das Orchester überzeugte mit hoher Flexibilität und Präzision und beherrschte alle Ausdrucksnuancen souverän.

Zwischen den Musikbeiträgen erfuhren die Zuhörer vieles aus dem Leben, Denken und Empfinden Picassos, Christoph Holbein schien selbst Picasso nachzuerleben. „Malerei ist eine Waffe... kein Wohnungsschmuck...“ Fast alle Musikstücke wurden von Schülergruppen der Ballettschule Weiß getanzt. Hier waren wahre Verwandlungstalente zu bewundern. Für jedes Musikstück das passende Outfit, absolute Harmonie in Ausdruck und Gestaltung, auch die jüngsten schienen sowohl die spanische Musik als auch die Welt Picassos verinnerlicht zu haben.

Der Saxofonist Alexander Albert beherrscht sein Instrument so souverän, dass er den Solopart in Isaac Albeniz' Tango auswendig, auf der Bühne umgeben von Balletttänzerinnen mühelos spielen kann. Der Albstädter Gitarrist Josef Vinskis überzeugte mit dem Adagio aus Rodrigos Concierto de Aranjuez, begleitet vom Streichorchester der Musik- und Kunstschule Albstadt und Bläsern des Musikvereins Onstmettingen. Vinskis zeigte sich als Klang- und Sphärenregisseur auf der Gitarre, schade, dass er nur für die erste Zuhörerreihe sichtbar war. Die Flötistin Manuela Ganter brillierte in George Bizets „Habanera“, bevor zum Abschluss der stimmgewaltige Tenor Gunnar Schierreich mit dem Lied der Toreros den Saal ins Beben brachte.

Die überfüllte Festhalle Onstmettingen erlebte im Zuge dieses Kooperationsprojekts von MVO und Galerie eine Veranstaltung, die in allen Bereichen Spitzenqualität bot: Ein Programmheft, das zur aktiven Erinnerung danach geeignet ist, ein großes Musikvereinsorchester Onstmettingen, das alle Facetten spanischer Ausdruckskunst scheinbar mühelos umsetzte und in allen Registern, sogar Fagotte und Englischhorn, mit herausragenden Talenten besetzt und disponiert ist. Dazu die Ballettschule Weiß, deren Schülerinnen hier weit mehr als eine Augenweide auf die Bühne brachten.

Das alles wurde klug, präzise und umsichtig geführt von Musikdirektor Günter Flumm, der mit diesem Abend nicht nur musikalische Maßstäbe gesetzt hat. Standing Ovations ohne Ende waren ein Zeichen der höchsten Begeisterung im Saal.

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