Solardach als Landefläche für Heiligen Geist

Wirtschaftsforum gibt Denkanstöße zu Ethik und Moral in der Wirtschaft

Balingen, 18.10.2010 von Julia Klebitz

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„Denkanstöße“ zu Ethik, Moral und neuen Werten in Wirtschaft und Gesellschaft gab das Wirtschaftsforum Baden-Württemberg am Samstag in der Balinger Stadthalle.

Referenten aus Unternehmen, Kirche, Medien, Politik und Gesellschaft diskutierten darüber, warum eine wertorientierte und verantwortungsvolle Unternehmensführung möglich und für die Zukunft wichtig ist.

Die deutsche Wirtschaft wächst rasant. So schnell wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Die Haushaltsschulden schrumpfen rapide. So steht es im erst letzte Woche veröffentlichten Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Die Wirtschaftskrise scheint erst einmal überwunden, auch wenn Konjunkturforscher noch zahlreiche Gefahren sehen. Vor diesem Hintergrund fanden am Samstag die vom Wirtschafts-Forum Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Ethik-Verband der Deutschen Wirtschaft, dem Deutschen Netzwerk für Wirtschafts-Ethik und dem Bund der Sparer veranstalteten „Dekanstöße 2010“ in der Stadthalle statt. Und das zu einem sehr passenden Augenblick. Oberbürgermeister Helmut Reitemann sagte in seinem Grußwort: „Gerade durch die Wirtschafts- und Finanzkrise sind die Themen Ethik, Moral und neue Werte vielfach diskutiert worden. Mit einem Blick zurück sind wir heute sicher in der Lage, realitätsnahe Modelle zu entwickeln, die durch einen kritischen Dialog nachhaltige und positive Effekte auf unsere Gesellschaft auslösen können“. Und solche Modelle wurden dann in der Stadthalle auch engagiert diskutiert.

In seinem Eröffnungsreferat forderte der Generalsekretär der Stiftung Weltethos, Stephan Schlensog „mehr Anstand“ für unsere Wirtschaft. Er stellte das vom Tübinger Theologen Hans Küng initiierte Projekt „Weltethos“ vor. Einen Versuch einen Grundbestand an Werten, Normen und ethischen Maßstäben zu beschreiben, die seit Jahrtausenden in allen großen religiösen und humanistischen Traditionen im Mittelpunkt stehen und die bis heute für alle Bereiche unserer Gesellschaft – auch für die Wirtschaft – von Bedeutung sind. In zwei Podiumsdiskussionen debattierten die Kongressteilnehmer darüber, welchen Nutzen Unternehmen von Ethik und Moral haben und wie Führung und Werte zusammenpassen.

Der Vorsitzende des Bundes der Sparer, Franz Herrmann fragte: „Warum lernen wir in der Schule nichts über Finanzen?“. Als ersten Schritt für eine Ethik in der Finanzwelt forderte er Eigeninitiative: „Wenn Sie sich mit Finanzen befassen, bricht die Macht der Banken“. Die Frage, was konkret getan werden kann, um eine „wertvolle“ Unternehmenskultur nachhaltig zu garantieren, beantworteten die Diskussionsteilnehmer mit der „Goldenen Regel“ aus der Bibel: „ Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu“. Kleine Gesten seien von Bedeutung, Vorbildsein die wichtigste Aufgabe. In einer im wahrsten Sinne des Wortes flammenden Rede forderte der Journalist, Fernsehmoderator und Autor, Franz Alt „endlich unsere Wirtschaft mit der Sonne zu organisieren“. Es gäbe kein Energieproblem, es würde nur eines geschaffen, sagte er.

Er betonte, dass die ökologische Marktwirtschaft kein Geschenk des Himmels sei. Sie setze sich nicht von alleine durch, sondern müsse erkämpft werden – auch gegen schwerfällige Unternehmer. Alt stellte zahlreiche Modelle zur Nutzung regenerativer Energien vor und wies eindrücklich auf Absurditäten wie die Ausstellung eines funktionierenden Ein-Liter-Autos im Museum hin. „Deutsche Innovationen werden in Japan produziert und von den deutschen Unternehmen abgelehnt“, so Alt. Die Überlebensfrage der Menschheit stünde am Himmel, in Form der Sonne. Es müssten einfach mehr „Landeflächen für den Heiligen Geist“, wie er eine Solaranlage auf dem Dach einer Kirche bezeichnete, installiert werden. Die Teilnehmer, die zu „Denkanstöße 2010“ gekommen waren, hatte Alt mit seinem Vortrag überzeugt.

Immer wieder wurde festgestellt, dass „diejenigen, die es betrifft, nicht zu einer solchen Veranstaltung kommen“, wie es Franz Herrmann ausdrückte. „Nur die, die schon dabei sind es zu verstehen sind da“. Dass Ethik und Moral in der Praxis bereits erfolgreich umgesetzt werden, zeigten nicht zuletzt die Informationsstände von wertegeführten Unternehmen im Foyer der Stadthalle.

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