Bauschutt vor eigener Haustür

Erddeponie „Hölderle“ bei Weilstetten soll für rund 800 000 Euro erweitert werden

Balingen, 14.10.2010 von Klaus Irion

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Seit Mai 2010 ist die Erddeponie „Hölderle“ bei Weilstetten wieder in Betrieb. Nun soll das Gelände um neue Flächen erweitert werden. Kostenpunkt: rund 800 000 Euro.

Als die Deponie „Hölderle bei Weilstetten Ende der 90er Jahre eröffnet wurde, durften an Ort und Stelle Bodenaushub, mineralischer Bauschutt und mineralischer Straßenaufbruch abgelagert werden. Erlaubt war auch, dass das angelieferte Material eine geringfügige Belastung enthielt. Inzwischen aber hat der Gesetzgeber die Vorgaben verschärft. Das geringfügig belastete Material darf auf den schon vorhandenen Flächen nur noch zum Deponiewegebau benutzt werden.

Der Erdaushub bereitet den Stadtverantwortlichen derzeit kein Platzproblem. Denn zumindest noch für drei Jahre benötigt das Dotternhausener Zementwerk „Holcim“ Auffüllmaterial im Schieferbruch. Um diesen im großen Stil zu bekommen, sind die Anlieferpreise entsprechend gering. „Die Zunahme der Entsorgung von Erdaushub aus dem Balinger Stadtgebiet im Steinbruch des Zementwerks anstelle der Erddeponie „Hölderle“ erfolgt aus wirtschaftlichen Gründen und ist durch uns nicht beeinflussbar“, erklärt Balingens Tiefbauamtsleiter Eduard Köhler.

Er rechnet aber damit, dass in einigen Jahren die Anlieferungswünsche in Balingen wieder zunehmen werden. Nun könnte die Stadt argumentieren, dass die Anlieferer dann eben selbst schauen müssen, wohin sie ihren Erdaushub bringen. Zum Beispiel auf die Kreismülldeponie in Hechingen. Doch, so Köhler, „das ist weder wirtschaftlich noch ökologisch vertretbar“.

Stattdessen will die Stadt ihren Bürgern neue Flächen auf der Deponie „Hölderle“ einrichten lassen. Und dies auch wieder für größere Mengen an geringfügig belastetem Bauschutt. Kurzfristig wäre es möglich eine Fläche so aufzurüsten, dass Bauschutt gefahrlos und gesetzeskonform deponierbar wäre. Kostenpunkt rund 70 000 Euro. Betriebsbeginn: noch Ende dieses Jahres. Außerdem könnte der Zweckverband Abwasserbeseitigung, an dem die Stadt Balingen mit 80 Prozent beteiligt ist, hier auch die Schlacke der Klärschlammvergasung lagern. „Ansonsten müssten wir dies auch nach Hechingen bringen“, betont Zweckverbands-Geschäftsführer Michael Weitzl. Allerdings wäre dieser Bereich in spätestens zwei Jahren auch wieder verfüllt. Und dann? Dann bleibt die Option eine weitaus größere Fläche innerhalb der bestehenden Deponie Bauschutt-verträglich zu gestalten. Das schlagt mit rund 730 000 Euro zubuche schlagen. Geld, dass die Stadt über Anliefer-Gebühren wieder hereinholen möchte. Derzeit liegt der Preisaufschlag für geringfügig belasteten Erdaushub bei rund zwei Euro/pro Tonne. Nach derzeitigem Stand aber würde die Gebühr im Zuge der Investitionen steigen.

Dies bestätigte gestern Abend auch der Balinger Oberbürgermeister Helmut Reitemann, als der Technische Ausschuss des Gemeinderats sich mit der Deponie-Erweiterung befasste. An der grundsätzlichen Notwendigkeit hatten die Stadträte keine Zweifel. Dr. Bernd Rewes (CDU) ließ sich aber gleichwohl noch einmal bestätigen, dass für das Grundwasser keinerlei Gefahr bestehe. Tiefbauamtsleiter Köhler verwies auf genaue Vorgaben, wie der Untergrund auszusehen hat, damit der Bauschutt überhaupt gelagert werden darf. Beim nun kurzfristig geplanten kleinen Feld ist dies quasi schon gegeben, bei der großen Fläche muss noch nachgearbeitet werden, was unter anderem zu der hohen sechsstelligen Bausumme führt. Bauunternehmer Arne Stumpp (Freie Wähler) wischte schließlich letzte Zweifel vom Tisch: Aus seiner tagtäglichen Arbeit könne er sagen, dass diese Art von Bauschutt völlig unbedenklich sei. „Der würde zum Verfüllen jedes Steinbruchs erlaubt werden“.

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