Offensiv und locker
Kunstradfahren: German Masters in Mainz
Albstadt-Ebingen, 07.10.2010 von Reinhard Linder
Nach zwei von drei German Masters ist das Rennen um die WM-Tickets völlig offen. Bundestrainer Dieter Maute geht sogar davon aus, dass die Entscheidung erst in drei Wochen bei der DM in Hamburg fällt. Wie berichtet, werden von den insgesamt sieben Resultaten die zwei schlechtesten gestrichen.
Die aktuelle Reihenfolge hängt vom Blickwinkel ab. Werden alle vier Resultate zusammengezählt, belegen Sandra Beck (654,25) und Anja Scheu (656,74) die Ränge vier und drei hinter Marion Kleinschwärzer (Burghausen/ 677,54) und Corinna Hein (Mörfelden/ 668,21). Greift man nur die beiden besten Wertungen heraus, ist Scheu (344,40) Zweite hinter Hein (347,43) und vor Kleinschwärzer (343,22) und Beck (341,60).
Damit der Zollernalbkreis bei der Heim-WM doppelt vertreten ist, dürfen sich weder Scheu noch Beck einen Ausrutscher leisten. Maute erwartet von beiden, dass sie in Mainz-Ebersheim zwei Läufe mit deutlich über 170 Punkten aufs Parkett legen.
Vor allem für Anja Scheu könnte die Sache prekär sein. Beim ersten German Masters in Gemünden hat sie zwei schlechte Ergebnisse erzielt, so dass sie ihre zwei Streichresultate bereits aufgebraucht hat. Bei Hein und Beck steht erst ein Strich zu Buche, Kleinschwärzer kann sogar alle vier Ergebnisse brauchen. Beim zweiten Wettbewerb in Sulzbach hat sich die zweimalige Weltmeisterin aus Tailfingen eindrucksvoll zurück gemeldet. Im zweiten Durchgang stellte sie den von Hein erzielten Weltrekord von 178,95 Punkten ein.
„In den zwei vergangenen Wochen hat Anja sehr gut trainiert“, berichtet Maute. Scheu habe vor allem das Zeitproblem besser in Griff bekommen und ihre Handstände stabilisiert. Um nichts dem Zufall zu überlassen fahren Trainer und Athletin bereits morgen nach Mainz um die Wettkampffläche zu testen. Dem Mainzer Holzboden fehle es an Grip, weiß der fünfmalige Weltmeister, „da muss man aufpassen, dass man nicht plötzlich mit den Füßen auf dem Boden steht.“ Je nach Beschaffenheit des Untergrunds werde entschieden, ob Scheu ihren zweiten Handstand in Schweizer Ausführung fahre oder nicht. Im günstigsten Fall käme die 23-Jährige auf einen Ausgangswert von 182,2 Punkten, sonst wären es 179,0.
„Das wird eine ganz spannende Geschichte, ich bin schon jetzt etwas nervös“, gesteht Maute. Schließlich könnten sich noch alle vier Fahrerinnen aus eigener Kraft die WM-Tickets sichern. Für Scheu sei es wichtig, dass sie mit dem gestärkten Selbstvertrauen nach ihrem Weltrekord offensiv und locker in den ersten Durchgang gegen 13.30 Uhr gehe und sich mit einem guten Ergebnis für das abendliche Finale qualifiziere: „Dann kann sie ihre Situation entscheidend verbessern.
