Kickschuhe erfreuen Straßenkinder
Georg Hartmann sendet Dankeschön an ZAK-Leser und erste Eindrücke aus Brasilien
Balingen/Fortaleza, 06.10.2010
„Ein herzliches „Oi, tudo bem?“ (hallo, alles klar?) – die landestypische Begrüßung – aus Fortaleza in Brasilien. Ich fühle mich hier, im Heimatland des Fußballers Cacás, schon sehr wohl. Dazu trägt die Freundlichkeit der Menschen genauso bei wie deren entspannte Stimmung und das warme Wetter.
In den ersten drei Wochen haben mich meine Vorgänger, darunter auch der Balinger Hannes Reinhardt, mit dem Projekt und der Stadt bekannt gemacht. Nun beginnt für mich langsam so etwas wie ein Projektalltag. Ich leite eine Werkstadt, in der ich zusammen mit den Jungs aus alten Büchern neues Papier schöpfe und einfärbe. Daraus werden kleine Schachteln, Briefumschläge oder CD-Hüllen gebastelt. Außerdem bauen wir Lampen aus Palmblättern und Bambus. Die Erzeugnisse werden im kleinen Rahmen verkauft.
Meine WG liegt zu Fuß nur zehn Minuten vom Projekt entfernt. Sie liegt im vergleichsweise ruhigen und sicheren Stadtteil „José Walter“. Wie in den meisten Vierteln in Fortaleza gibt es hier fast ausschließlich einstöckige Gebäude, so dass ich oft gar nicht das Gefühl habe, in einer Großstadt mit rund 2,5 Millionen Einwohnern zu leben.
Ich wohne zusammen mit meinem Mitfreiwilligen Shivam im Stadtviertel José Walter. Außerdem wird unsere WG noch von dem Clown, Entertainer, Jongleur, Mototaxifahrer Kelber, seiner Hündin Pinki, einer Katze, drei Hühnern und rund 20 000 Ameisen bevölkert. José Walter ist ein sehr ruhiges, sicheres Viertel, auch wenn die alteingesessenen Bewohner der Meinung sind, früher sei es sicherer gewesen. Wie alle Häuser, die ich bisher gesehen habe, ist unser Haus durch eine Mauer geschützt, auf deren Kante Metallspitzen eingemauert sind. Diese Spitzen heißen „Pega-ladrão“, übersetzt Fang den Dieb“. Sie sollen das Darüberklettern erschweren. Zusätzlich sind die Fenster vergittert, haben einen Laden. Glasscheiben findet man nur in Häusern derjenigen, die sich dazu eine Klimaanlage leisten können.
Wir dagegen haben eine Dusche im Haus und eine Freiluftdusche im Garten, um jederzeit sofortige Abkühlung sicherzustellen. Ich schlafe, wie die meisten Menschen hier, in einer Hängematte. Das ist gemütlicher als gedacht, da Hängematten so groß sind, dass man sich ungefähr im 45 Grad-Winkel hineinlegt. So umgeht man die Biegung der Hängematte und kann sogar auf dem Bauch schlafen.
Auf den ersten Blick weniger einladend ist die Innenstadt von Fortaleza, sie ist laut und dreckig, doch die vielen Straßenverkäufer und der traumhafte Strand machen sie trotzdem liebenswert.
Die von Bewohnern des Zollernalbkreises gespendeten Fußballschuhe habe ich bereits dem Fußballtrainer meines Projekts, der „Associação Barraca da Amizade“(ABA) übergeben. Der Trainer der „Hütte der Freundschaft“ wird die Schuhe verwalten um sicher zu stellen, das sie von ihren neuen Besitzern nicht für Drogen verkauft werden.
Die Jungs haben die Fußballschuhe natürlich gleich ausprobiert und waren begeistert. An dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an die vielen Spender und Spenderinnen, die mir ermöglicht haben, den Jungs so viele tolle und gut erhaltene Kickschuhe mitbringen zu können.“
