Einstiger Balinger Schultes wäre heute 125 Jahre alt

Erinnerung an Bürgermeister Hermann Rommel – Der Bau der Sicherschule fällt in seine Ära

Balingen, 30.09.2010

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Ein Straßenname erinnert heute in Balingen an einen Mann, der einst in dieser Stadt sehr anerkannt und beliebt war: Hermann Rommel, Stadtschultheiß in den Jahren 1919 bis 1936. Heute wäre er 125 Jahre alt geworden.

In einer Pressemitteilung erinnert die Stadtverwaltung Balingen an Hermann Rommel, geboren am 30. September 1885 in Schwaikheim:

„Von 1919 bis 1936 leitete Hermann Rommel als Stadtschultheiß (später Bürgermeister) die Geschicke der Stadt. Die DDP, damals stärkste Fraktion im Balinger Gemeinderat, hatte den Stuttgarter Verwaltungsbeamten als Kandidaten zur Wahl gestellt. Der bisherige Amtsinhaber, Friedrich Hofmann, war vom Amt zurückgetreten, weil ihm, wie er es ausdrückte, „die Widerwärtigkeiten und Aufregungen“ der Nachkriegszeit zu stark zu schaffen machten.

Für den mit großer Mehrheit zum Nachfolger gewählten Kandidaten Rommel waren die Bedingungen des Amtsantrittes also denkbar schlecht. Versorgungsnotstand und Arbeitslosigkeit bestimmten den Alltag der Bevölkerung. Zentrales Anliegen des neuen Stadtoberhauptes war es nun, nach besten Kräften seitens der Stadt Hilfe und Unterstützung zu gewähren. Vor allem auf sein Betreiben hin wurde so z.B. von der Stadt auch ein Notstands-Arbeitsprogramm ins Leben gerufen. Arbeitslose hatten wieder einen Verdienst, und auch die Stadt hatte ihren Nutzen davon, wurden im Rahmen dieses Programms doch auf billige Weise Flüsse begradigt, Gräben ausgehoben, Straßen- und Wasserleitungen gebaut.

Zweifellos als Rommels Hauptwerk anzusehen ist die Sichelschule, deren Bau der Gemeinderat von der Schulraumnot getrieben 1921 beschloss. Trotz der bereits 1922 einsetzenden und 1923 ihren Höhepunkt erreichenden Inflation gelang es dem Stadtschultheißen die Gemeinderäte zu überzeugen, dass man deshalb nun nicht billig oder kleiner bauen dürfe, denn dies würde der Stadt auf Dauer mehr Kosten verursachen. Der Bau dieser Schule war ein finanzieller und organisatorischer Balanceakt sondergleichen und offenbarte Rommels besondere Fähigkeiten als Stadtoberhaupt.

Sehr zufrieden scheinen die Balinger mit ihrem Schultheißen zu dieser Zeit gewesen zu sein – 1929 wählten sie ihn mit großer Mehrheit wieder. Mit dem Einzug der Nationalsozialisten in den Gemeinderat begann für Rommel jedoch eine lange Leidenszeit. Als standfester, überzeugter Demokrat war er ihnen bei ihrer Machtentfaltung in dieser Stadt ein besonderes Hindernis, das es aus dem Weg zu räumen galt, egal mit welchen Mitteln. Vor allem durch auf die Öffentlichkeit zielende Verleumdungskampagnen versuchten sie die Arbeit des Stadtoberhauptes zu diskreditieren. Rommel erwies sich allerdings als überaus widerstandsfähig. Dem mit der Machtübernahme 1933 stärker werdenden Druck konnte er noch bis Ende 1934 entgegentreten, dann schien er mit seiner Widerstandskraft am Ende. Mit dazu beigetragen hat sicher auch die Tatsache, dass verschiedene Beamten der Stadtverwaltung glühende Nationalsozialisten waren, denen Rommel nun nicht mehr trauen konnte. Viele Geschäfte erledigte der Bürgermeister daher nun selbst, was letztlich zu einer totalen Überarbeitung und psychischen Krise führte. Im November des Jahres 1934 meldete er sich krank.

Doch die nationalsozialistischen Gemeinderäte fuhren fort in ihrem Bestreben Rommel zu Fall zu bringen, indem sie beim Innenministerium eine von sämtlichen Gemeinderäten unterschriebene Beschwerdeschrift einreichten, welche eine Untersuchung gegen den Bürgermeister nach sich zog. Zwar erwiesen sich die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als nicht haltbar, dennoch wurde er im Februar 1936 in den Ruhestand versetzt. Im Juni 1936 verließ die Familie Rommel ihre Wohnung im Gebäude Friedrichstraße 35 und zog wieder nach Stuttgart.

Die äußerst undankbare und ungerechte Art, wie man mit ihm umgesprungen war, mochte Hermann Rommel den Balingern auch später nicht nachsehen. So schlug er z.B. im Dezember 1945 eine erneute Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters aus. Robert Wahl, der das Amt noch bis September 1946 bekleidete, hatte ihn zur Kandidatur aufgefordert. Rommel muss dies als Provokation empfunden haben. In seinem Antwortschreiben stellte er daher ohne Anrede und Gruß nur kurz und bündig fest: „Bekanntlich befinde ich mich seit 1936 in Ruhestand.“

Mittlerweile war Rommel jedoch von der amerikanischen Militärregierung als Bürgermeister der Stadt Winnenden eingesetzt worden. Nach dem, was ihm in Balingen zugefügt worden war, kann man es ihm kaum verdenken, dass er kein Interesse daran hatte, sich nochmals als Bürgermeister zu bewerben.“

Ein Jahr später, am 12. November 1946 starb Hermann Rommel und wurde in seiner Heimatstadt Schwaikheim beerdigt.

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