„Stuttgart 21“ zieht Polizisten aus dem Kreis ab

Gewerkschaft der Polizei übt Kritik am häufigen Einsatz bei den Demos: Die Folgen sind ein Übermaß an Überstunden

Zollernalbkreis, 16.09.2010 von Klaus Irion

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„Stuttgart 21“ als zusätzlicher Einsatz für hiesige Polizisten. Der Kreisvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt: „Die Polizei im Zollernalbkreis ist am Rand ihrer personellen Möglichkeiten.“

Demonstrationen, Baumbesetzungen, permanente Absicherung der Baustelle. Quasi rund um die Uhr ist die baden-württembergische Polizei inzwischen rund um den Stuttgarter Bahnhof im Einsatz. „Dass unsere Kollegen aus Stuttgart das nicht allein bewerkstelligen können, ist klar“, sagt der Vorsitzende der GdP-Kreisgruppe Zollernalb, Peter Heinzelmann. So sieht es auch das Polizeipräsidium in Stuttgart und rekrutiert von dort aus die Einsatzkräfte aus dem ganzen Land zum Brennpunkt in die Landeshauptstadt. „In der kommenden Freitagnacht und am darauffolgenden Montag sind wieder Beamte der Polizeidirektion Balingen im Einsatz“, erläutert Heinzelmann.

Eine Gruppe von rund 30 bis 35 Polizisten wird dann wieder die „Stuttgart 21“-Baustelle absichern. Und dies laut Heinzelmann unter katastrophalen Zuständen. So träfe der Einsatz vermehrt die Kollegen, die mit sogenannter Einsatzbekleidung ausgestattet seien. Und damit bei weitem nicht alle Polizisten, „da die Bekleidungen aus Kostengründen von der Landesregierung zurückgefahren worden sind“.

Am Einsatzort selbst fänden die Polizisten dann zu wenig Toiletten und eine schlechte Verpflegung vor. „Dafür dürfen sie im Asbeststaub stehen“, schimpft der Gewerkschafter. Die Folgen der Stuttgarter Einsätze seien „ein Übermaß an Überstunden“, weil ja auch der reguläre Dienst in den Heimatorten noch aufrechterhalten werden müsse.

Für den Sprecher der Balinger Polizeidirektion, Peter Mehler, stellt der „Sondereinsatz“ in Stuttgart „keine geringe Belastung für die hiesigen Dienststellen dar“. Es sei aber auch klar, dass die Unterstützung der Stuttgarter Polizisten nicht allein durch die Bereitschaftspolizei erfolgen könne. „Es gilt, die Last auf möglichst vielen Schultern zu verteilen.“

Zwar ist der Dienstbetrieb laut Mehler durch „Stuttgart 21“ immer wieder etwas beeinträchtigt. „Aber noch nicht so, dass die Sicherheit im Zollernalbkreis gefährdet wird.“ Letztlich bleibe den Polizeidirektionen keine andere Wahl, als die Entscheidungen, die auf höherer Ebene in Stuttgart gefällt werden, vor Ort umzusetzen.

Und so geht die Kritik des GdP-Funktionärs Heinzelmann auch nicht an die Adresse des Leiters der Polizeidirektion Balingen, Rolf Eckert. „Die Leiter der Direktionen versuchen auch nur, das eigentlich Unmögliche möglich zu machen.“ Und das noch über einen ziemlich langen Zeitraum, befürchtet Heinzelmann. Noch hoffe er, dass es doch noch zu einer Volksabstimmung und einem Baustopp komme.

„Stuttgart 21 kann für uns Polizisten aber genauso gut das werden, was in den 80er Jahren die Startbahn West am Frankfurter Flughafen war – ein Dauereinsatz“, so Heinzelmann.

Die "Demokratie" frisst ihre Kinder

Gestern hat sich gezeigt, auf welcher Seite der Terror sitzt und wie man fragwürdige Projekte noch vor dem grossen Abgang durchsetzen will.
Bitter auch, wenn einer wie Rech das Wort Demokratie in den Mund nimmt.
Ein Nachspiel im Bundestag hat es bislang wegen Blockadepolitik der BR nicht gegeben und wird es wohl auch nicht geben. Bleibt zu hoffen, dass nun auch die Schwaben aufwachen und sich bei der Wahl daran erinnern, dass "konservativ" nicht nur bewahren ist, wenn es einem in den Kram passt.
Fragwürdig bleiibt auch, weshalb der Bahnhof nur in Teilen Denkmalschutz geniesst. Ob er schön ist, mag jeder selbst für sich entscheiden, aber ein Kulturdenkmal für Industriebauten ist er allemal.
Roland Späth am 01.10.2010 14:38:40

Dumm oder dreist oder dummdreist?

Welchen Fortschritt soll denn ausgerechnet Stuttgart 21 bringen? Jeder andere Bahnhof bringt die gleiche Leistung, nur zu anderen, meist wesentlich geringeren Kosten.
Viele versteifen sich auf den Zugewinn von 100 Hektar mehr Stadtfläche, es wird also eine "neue Innenstadt" hinzukommen. Bekanntermassen aber ist bislang JEDES "Projekt zur wirtschaftlichen Belebung" in Stuttgart gescheitert. Die Sanierung der Calwer Strasse zur "Nobelmeile", der "Häussler Bau" am Standort Rotebühlplatz- beherbergt nunmehr ein Fitnesscenter, nachdem die gehobenen Möbel niemand haben wollte-, die Königsbaupassagen, vom "Investor Stilwerk" nach Fertigstellung und schleppender Vermietung umgehend verkauft, wurden statt zur Nobelmall zum Tand und Trödelsammelsurium. Weitere Projekte der grossen VErsicherungskonzerne sind am Start und werden kläglich scheitern, ganz einfach, weil es an tatsächlicher Attraktivität, besonders aber an der Kaufkraft auch aus dem Umland fehlt. Gebaut werden übrigens nur noch Läden über 400 qm Fläche, darunter lohnt es nicht für die Immobilienbranche, hinzu kommen aber Knebelverträge, Zwangsabgaben und Zwangsmitgliedschaften bei "Securitymassnahmen". Im allgemeinen Sprachgebrauch nennt man es Mafia, in Stuttgart nennt es sich in etwa "citymanagement". Dies als Fortschritt unter demokratischen Bedingungen zu verkaufen, ist mehr als dreist, und ausgerechnet ein Baukonzern, der vor wenigen Jahren mit Mrd. aus dem Dreck gezogen werden musste, gilt als Hauptausführender der Arbeiten. Aber wer nun auf Arbeitsplätze hinaus will, dem sei gesagt: die Arbeiten werden zum grossen Teil von Subunternehmern aus aller Welt, besonders Polen und anderen schwer kontrollierbaren Regionen mit Fremdarbeitern ausgeführt werden. Der Zoll wird gar nicht nachkommen, alle Schwarzarbeiter aufzustöbern, zumal beim Bau der Stuttgartert Messe mehr als moderat kontrolliert wurde. Klar, die Landesregierung ist weisungsbefugt und wird einen Teufel tun, Druck zu machen.
Zu guter Letzt, die Stuttgarter Neue Messe hat wahrlich nicht im Entferntesten die Prognosen erfüllt, genau so wird es auch mit dem "wirtschaftlichen Aufschwung durch Stuttgart 21" kommen. Die Mrd. sind dann allerdings verbraten und die Verantwortlichen wohl zum Grossteil "entsorgt".
Roland Späth am 27.09.2010 13:15:27

7 Kommentare, 6 gegen den Bau

Ist das das wirkliche Verhältnis in der deutschen Bevölkerung, oder auch nur auf der Zollernalb? Ich glaube das keinen Augenblick! Unter den 7 Kommentaren waren nur 2 Namen, das sagt schon alles. Wenn die "klugen Schwaben immer so gehandelt hätten, wie in S21- den Fortschritt anhalten - gäbe es heute mer Arbeitslose im Schwabeland als im nordosten unseres Landes!
In einer freien Demokratie, was Deutschland gerade noch ist, sollte man den Mut haben nicht nur zu Schreiben sondern auch sein Schreiben zu UNTERSCREIBEN , meine "kluge Schwabel".
Josef Bujtor am 17.09.2010 13:56:38

Würde den Dienst nicht antreten

Asbest ist extremst krebserregend! Sind die Polizisten zumindest mit einem Munschutz (leider auch kein kompletter Schutz, aber hilft zumindest etwas) ausgestattet? Es ist eigentlich unzumutbar unter solchen Bedingungen zu arbeiten, also wenn ich Polizist wäre würde ich den Dienst dort verweigern. Geht rechtlich auch mit Sicherheit, man kann ja schließlich nicht gezwungen werden stundenlang in krebserregendem Staub zu stehen!
besorgter Bürger am 16.09.2010 20:53:01

Beamte stehen im Asbeststaub

Wenn es stimmt was der Gewerkschhafter über Asbest sagt, dass die Polizisten im Asbeststaub stehen, ist das ein absoluter Skandal! Das ist schon nicht mehr fahrlässig, dass wäre Vorsatz!
Asbest ist hochgradig krebseregend!!!
Das hier findet man bei Wikipedia zu Sanbierung von Gebäuden mit Asbestbelastung:

Da die Beschädigung von Asbestprodukten zur Freisetzung der Fasern führt, muss die Sanierungsbaustelle in Gebäuden staubdicht von der Umgebung abgeschottet werden. Der Innenbereich muss während der Arbeiten unter Unterdruck gehalten werden. Die Arbeitsbereiche dürfen nur über Schleusensysteme betreten und verlassen werden.

Mir fällt dazu nix mehr ein...
Sandra am 16.09.2010 19:52:43

Kluge Schwaben

Es gibt so viele sachliche Gru¨nde, die gegen dieses Projekt sprechen: Die völlig unkalkulierbaren Kosten, die nachgewiesene
bahntechnische Unzulänglichkeit des neuen Tiefbahnhofs, die objektive Verschlechterung des Regional- und Gu¨terverkehrs, die
riskanten Tunnelbohrarbeiten im quellfähigen Stuttgarter Gipskeuper, die Zerstörung des mittleren Schlossgartens, die weitere Bebauung der Frischluftschneisen, die drohende nicht abzuschätzende Gefährdung der zweitgrößten Mineralquellen Europas, das riskante Grundwassermanagement zur Gru¨ndung des neuen Tiefbahnhofs im Sumpfgebiet tief unterhalb des
Grundwasserspiegels, die unnötige Zerstörung eines Baudenkmals, etc.pp. Das ist's, was die klugen Schwaben auf die
Palme und auf die Straße bringt. Da nützt auch der größte Polizeieinsatz nix!
kluge Schwaben am 16.09.2010 17:17:04

Baustopp

Mit einem Baustopp bräuchte man sofort weniger Polizisten, da die Gegner dann Ihre Protest einstellen würden (siehe Aktionskonsens!).

Der Rechtsstaat sollte tatsächlich erhalten und geschützt werden ! Eine Baugenehmigung bedeutet aber keinen Bauzwang !
Im Gegensatz verstossen die Bauherren nachweisbar gegen Vorschriften, Gesetze und Bauauflagen, z. B. Fledermausschutz, Asbest, Abgasemissionen der Baufahzeuge usw. Versuchen sie mal mit einer roten Plakette in die Stuttgarter Innenstadt zu fahren. Die Baufahrzeuge mit roter Plakette werden von der Polizei eskortiert !
Leider ist hier niemand zständig ! Jede behörde schiebt es auf die andere !
Hier wird das Recht gebeugt !
SteBle am 16.09.2010 13:45:17

au weia

Mit nem Baustop würden sich die Einsätze ja nur noch weiter in die Länge ziehen - von den Mehrkosten am Bau ganz zu schweigen. Wer soll den die Zig- oder hunderte von millionen Kosten tragen? Herr Stocker vielleicht, wel der werte Herr ohne Baustop nicht geruht, zu einem Gesprächstermin zu kommen?
Das einzige, was sinnvoll gemacht werden kann, ist die Arbeiten so zu bündeln, das weniger Polizisten benötigt werden, also z.B. Ausweiten des Bauzauns, verwenden von mehr LKW auf einmal, aber dann nach kurzer Zeit Arbeit hinter geschlossenem Bauzaun.
Dem "gesunden Volksempfinden" freien Weg zu lassen kann keine Lösung sein - ein Rechtsstaat muss ein Rechtsstaat bleiben, auch wenn das manchmal mit Arbeit verbunden ist.
Guber am 16.09.2010 12:53:15

Antwort auf au weia

Wo ist denn die zitierte Rechtsstaatlichkeit? Das Projekt wurde "unter der Hand" durchgeboxt, die Bevölkerung war zu keiner Zeit wirklich involviert, schon gar nicht informiert. Dass irgendwo im Hauptbahnhof mal ein "Architekturmodell" ausgestellt ist, macht doch den "Deal" nicht transparent. Wenn alle grossen Parteien "partizipieren", ist die demokratische Legitimation sowieso dahin. In wenigen Jahren, wenn die Dreckslers und Co. aus dem Amt scheiden, wird sich zeigen, welche Aufsichtsrats-Posten- siehe Gerhard Schröder, Clemens, Fischer's Joschi, Rezzo Schlauch, etc.- sie einnehmen. Dann allerdings ist es zu spät, die Mrd. in den Sand gesetzt und die Wirtschaft in der Stadt vollends in den Händen von Banken und Versicherungen.
Roland Späth am 27.09.2010 13:38:48

Antwort auf au weia

Super Idee! Am besten den Talkessel komplett sperren und evakuieren. So ein Blödsinn. Wäre das Projekt vernünftig und wirtschaftlich, würden sich nicht so viele Leute dagegen wehren.
Oder glauben Sie vielleicht, Herr Stocker steht alleine bei den Demos. Erst dadurch, dass so viele Menschen Bedenken äußern, kommen doch die ganzen Ungereimtheiten und Mauscheleien ans Licht. Entweder man ist für S21 oder man ist gut informiert!!!
kluge Schwaben am 16.09.2010 17:11:19

Alles vermeidbar gewesen...

jetzt werden hier die polizisten abgzoegn..na super..das wäre alles nicht nötig gewesen, wenn die politik transparenter und offener gewesener wäre...sie muss endlich begreifen, dass sie krass gegen den volkes willen agiert...nur, weil sie einmal gewählt wurden, legitmiert sie das nicht, das volk zu ignorieren..hier mal eine interessante debatte zum thema:

http://www.theeuropean.de/debatte/4238-stuttgart-21
Sabine Bauer am 16.09.2010 12:02:34
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