„Ich hoffe, dass sie mich mögen“

Der 18-jährige Felix Kohle fliegt am Mittwoch nach Paraguay, wo er ein Jahr arbeiten wird

Geislingen, 15.09.2010 von Rosalinde Conzelmann

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„Es war schon immer mein Wunsch, ins Ausland zu gehen“, sagt Felix Kohle. Sein Traum geht nun in Erfüllung: Am Mittwoch fliegt er nach Paraguay, um für ein Jahr in einer Schule in Limpio zu arbeiten.

Felix lebt mit seinen Eltern Bettina und Erwin Kohle und seinem achtjährigen Bruder Lukas seit Geburt in Geislingen. Er hat die Realschule Balingen besucht und vor den Sommerferien seinen Abschluss am kaufmännischen Berufskolleg in Hechingen gemacht. Der Gedanke, nach den Prüfungen ins Ausland zu gehen, um dort ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu machen, nahm vor zwei Jahren konkrete Formen an, als sein bester Freund Jakob Maucher über den Bund deutscher katholischer Jugend (BDKJ nach Paraguay ging: „Jakob hat sehr viel erzählt und wir haben über E-Mail Kontakt gehalten.“

Felix, der wie Jakob in der katholischen Kirchengemeinde Ministrant war, wandte sich ebenfalls an den BDKJ. Als die Absage kam, war der junge Katholik natürlich enttäuscht, ließ sich aber nicht entmutigen. Gemeinsam mit seiner Mutter suchte er einen anderen Weg und bewarb sich bei der Organisation APCM. Bis heute ist keine Antwort gekommen. „Ich war am Boden zerstört“, erzählt der Geislinger, der sich mit Sport, am liebsten Handball und Tennis, fit hält. Der entscheidende Tipp kam dann von privater Seite: Die Binsdorferin Friederike Abele-Nastold lebte eine Zeitlang in Paraguay und gab der Familie Kohle die Adresse einer Schule in Limpio, das Centro Educativo Naudejara, das immer wieder mit jungen FSJ'lern arbeitet. Felix setzte sich sofort an den PC und nahm Kontakt mit der Schulleiterin Monika Gutsmann auf. Die Antwort war positiv. Und nachdem seine Eltern bereit waren, die Kosten für das Auslandsjahr zu übernehmen, galt es nur noch eine Hürde zu nehmen: Das Bewerbungsgespräch mit Pastor Stürenberg in Recke bei Osnabrück, das in den Pfingstferien stattfand und „super lief“, wie Felix erzählt. Er freute sich riesig, als der Pastor der christlichen Gemeinde ihm den Abreisetag nannte. Aber auch seinen Eltern spricht der 18-Jährige ein ganz dickes Lob aus: „Ohne ihre Unterstützung wäre mein Traum nie Wirklichkeit geworden.“

Das Centro Educativo Naudejara wurde vor 20 Jahren von einem deutschen Ehepaar gegründet. An der Schule werden rund 800 Schüler vom Kindergarten bis zum Abitur unterrichtet. Felix wird Deutsch unterrichten und in der Verwaltung mitarbeiten. Er darf eine eigene Kindergartengruppe leiten. Die Kinder und Jugendlichen sprechen Spanisch oder Guarani. Seit seiner Zusage nimmt der 18-Jährige Spanischunterricht: „So dass ich mich am Anfang verständigen kann“, sagt er. Zudem hat er schon zwei Vorbereitungsseminare besucht. Dort hat er auch die anderen FSJ'ler der christlichen Kirche kennengelernt: „Mein gutes Gefühl hat sich verstärkt.“

Die Vorfreude auf die große Reise nimmt täglich zu: „Ich will nicht nur den Kindern dort was beibringen und neue Kulturen kennenlernen, sondern auch von den Südamerikanern lernen“, sagt Felix, der dieses Wochenende Abschied nehmen wird von seiner Freundin Theresa – es ist die erste lange Trennung des Paares – seinen Freunden und der Familie. Besonders seiner Mama Bettina fällt der Abschied sehr schwer. Deshalb hat ihr Ältester beschlossen, dass ihn sein Onkel zum Flughafen nach Frankfurt fahren wird, um tränenreiche Szenen zu vermeiden. Der junge Geislinger hat bereits einen Blog eingerichtet – Geislinger in Paraguay – und wird über Skype erreichbar sein. Er ist voller Erwartung auf diesen neuen Lebensabschnitt. „Das Schlimmste wäre, wenn sie mich nicht mögen würden“, wird er kurz nachdenklich. Dann aber leuchten seine Augen wieder, als er von dem „interessanten Land“ erzählt.

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