„Ich höre auf meinen Körper: er bestimmt den Rhythmus“
„Sparkasse Trans Zollernalb“: Henry Maas ist mit 67 Jahren der älteste Teilnehmer beim dreitägigen Etappenrennen
Hechingen, 03.09.2010 von Zora Bombach
Mit Jahrgang 1942 ist er zwar bisher der älteste Teilnehmer, dennoch fährt Henry Maas in seiner Altersklasse nicht außer Konkurrenz. „Für mich ist es nur wichtig, dass ich durchfahren kann“, erklärt der pensionierte Elektriker. „Da bin ich froh, wenn es mehrere Fahrer auf meinem Level gibt. Die ziehen mich mit“.
Eigentlich ist der Hechinger ein Läufer. Mit den Zollerburgläufern war er acht Jahre aktiv und spezialisiert auf Langstreckenläufe. Dass ihm dann vor zwei Jahren sein Knie Probleme bereitete, bedeutete für Maas aber nicht das Sport-Aus. Er stieg kurzerhand um aufs Mountainbike. „Ich fahre am liebsten abseits der Straße, in der Natur und gerne auf der Alb“, begründet er die Entscheidung für die Stollenreifen.
40 Jahre lang saß der Pensionär auf keinem Fahrrad. „Es braucht noch eine Weile, bis ich mich gänzlich darauf umgestellt habe“, sagt Maas. Trotzdem will er es gleich richtig wissen: „Für mich ist es die Erfüllung, wenn ich am höchsten Punkt der Strecke angelangt bin und merke, dass ich's geschafft habe“, erklärt er seinen Drang nach sportlichen Herausforderungen. Gemütliche Trekkingtouren mit dem City-Rad hebt er sich „für später auf“.
Um fit zu sein für die Trans Zollernalb, hat er sich früh angemeldet und der Mountainbike-Abteilung des SC Hechingen angeschlossen. „Das passt einfach“, erzählt er vom Mittwochs-Training in der Gruppe. Vier Mal pro Woche schwingt er sich zusätzlich alleine aufs Rad. „Noch mehr zu fahren wäre eindeutig besser“, weiß der 67-Jährige. Eine Baustelle ums Haus hat ihm da einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Ich hätte mehr tun müssen“, ist er sich zwei Wochen vor dem Start des dreitägigen Etappenrennens sicher. So hat er sich als Ziel das Durchhalten gesetzt, „die Zeit ist zweitrangig“. Maas sieht sich durchweg „eher im hinteren Feld“.
Auf die Zuschauer an der Strecke freut sich der MTB-Fahrer. „Wenn die Leute Beifall klatschen, dann ist das motivierend. Mann will ja nicht schlecht aussehen“, erläutert er mit einem verlegenen Lächeln. Beim Wettkampf wie beim abendlichen Training habe aber auch das Alleinfahren einen Vorteil: „Ich lasse meinen Gedanken freien Lauf und schalte ab“, verrät er. So bewältigte er auch den diesjährigen Albstadt-LBS-Bike-Marathon. Sein Ziel waren etwa fünf Stunden – dass es knapp unter sechs Stunden wurden, schreibt er der Hitze zu. „Das war eines meiner härtesten Erlebnisse, seit ich Sport treibe“, erinnert er sich an den heißen Tag im Juli.
Im Training und beim Rennen hat der Pensionär noch nie einen Pulsmesser benutzt. „Ich horche auf meinen Körper: Der bestimmt den Rhythmus“, erläutert er seine Technik. Die hat er sich beim Langstreckenlaufen angeeignet.
Sein Alter macht Maas ungern zum Thema. „Man wird ab und zu nach dem Alter gefragt, unter Sportlern taugt das aber selten als Gesprächsstoff“, meint er. Dann aber kann er sich ein Grinsen nicht verkneifen: „Wenn die Jüngeren hinter mich zurückfallen, freut mich das“, gibt der Pensionär zu.
