Trotz Belohnung keine Täterhinweise

„Mühlengeist“-Besitzer Siegfried Reiter hofft inständig, dass der Brandstifter dennoch gefasst wird

Balingen, 02.09.2010 von Rosalinde Conzelmann

Siegfried Reiter ist zum Warten verdammt. Er sitzt in Frankreich wie auf heißen Kohlen und wartet auf den Anruf der Polizei, dass die Brandstiftung in seinem Balinger Lokal „Mühlengeist“ aufgeklärt ist.

Die Ermittlungsgruppe „Mühlengeist“, die bei der Balinger Kriminalpolizei angesiedelt ist, arbeitet nach wie vor mit Hochdruck, sagt Polizeisprecher Peter Mehler. Allerdings wurde die Zahl der Ermittler bereits zurückgefahren, nachdem in den ersten Wochen nach dem Brand kein Durchbruch erzielt wurde. Auch jetzt, nach weiteren vier Wochen, gibt es keine heiße Spur, die zur Täterermittlung führen könnte, betont Mehler. Trotz der hohen Belohnung in Höhe von 25 000 Euro ist kein Hinweis aus der Bevölkerung eingegangen. „Die Befragungen gehen aber weiter, die Kripobeamten ermitteln in alle Richtungen“, sagt Mehler.

Für „Mühlengeist“-Besitzer Siegfried Reiter ist diese Ungewissheit nur schwer zu ertragen. Zumal er die gleiche Situation zum zweiten Mal durchleben muss. Denn bereits im Sommer 2009 hatte es im „Mühlengeist“ gebrannt. Ursache war ein technischer Defekt, der Schaden ging in die Hunderttausende. In der Nacht vom 1. auf den 2. August brannte es in dem wieder aufgebauten Gebäude nur vier Wochen nach der Eröffnung erneut – dieses Mal eindeutig das Werk von Brandstiftern. Reiter, der seit ein paar Jahren in Frankreich lebt, war sofort angereist und hatte erklärt, dass er das gut frequentierte Ausflugslokal an der Eyach wieder aufbauen will – gemeinsam mit dem bisherigen „Mühlengeist“–Pächter Jürgen Horschke. „Wir wollen das erneut zusammen durchziehen, in einem Jahr könnten wir wieder aufmachen“, bekräftigt Reiter diese Aussage auch heute. Schließlich sei der „Mühlengeist“ nicht irgendein Lokal. Der gebürtige Balinger erinnert an all die Antiquitäten, die er in drei Jahrzehnten zusammengetragen hat und die den besonderen Charme des 185 Jahre alten Gemäuers ausmachten.

Durch die Brandstiftung ist die Sachlage nun aber anders. Reiter braucht für einen Wiederaufbau die Zusage der Versicherung auf Schadensübernahme. Die aber wartet die weitere Ermittlungsarbeit der Polizei ab. „Es geht ja nicht nur um mich“, sagt Reiter. Horschke und sein ganzes Team seien betroffen und würden in der Luft hängen.

Der Gedanke, „dass es jemanden gibt, der den Mühlengeist für immer ausschalten will“, verursacht ihm großes Unbehagen. Zumal die heiße Spur noch fehlt und mögliche Täterhinweise bislang „nur Spekulationen sind.“

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