Skin hat die Hosen an
25 jahre Rock am See
Konstanz, 01.09.2010 von Bernd Haase
Aber so gesehen war das Pech zum Jubiläumsfestival quasi noch sehr gnädig gestimmt, denn Attraktionen gab es im Bodenseestadion trotzdem jede Menge.
Natürlich, da waren die Toten Hosen um ihren nimmermüden Frontmann Campino. Und die brauchten keine zwei Takte, um auf Höchstgeschwindigkeit zu beschleunigen und zu zeigen, was sie seit fast drei Jahrzehnten auszeichnet: schnörkelloser Punkrock mit geradlinigen Gitarren, einfache, aber pumpende Beats, und ein Sänger, der zwar manchmal ein Reibeisen verschluckt zu haben scheint, seine Verse aber munter und immer knapp an der Gröhlgrenze unters Volk schmettert, das sichtlich erfreut mittanzt und -singt bei Hits wie "Hier kommt Alex", "Bonnie & Clyde" oder in der drei Blöcke langen Zugabe "Eisgekühlter Bommerlunder" oder "Bayern". Und von wegen alte Herren: Campino schien teilweise neue Geschwindigkeitsrekorde aufstellen zu wollen, so schnell wie er auf der Bühne von links nach rechts und wieder zurück getanzt ist.
Den Boden bereitet hatte das die jüngst wiedervereinigte Punkrock-Band Wizo aus Sindelfingen. Auch hier gab es eine geballte Ladung direkten Punkrock, nicht ganz so druckvoll wie bei den Hosen, aber dafür mit böseren und
sarkastischeren Texten. Und dazu machte Frontmann Axel Kurth gleich noch ein wenig Politik, ob es nun gegen Neonazis oder Stuttgart 21 ging.
Den absoluten Knüller aber trotz des formidablen Auftritts der Hosen aber lieferten Skunk Anansie ab, ganz besonders Frontfrau Skin. Was Wizo an politischer Direktheit und die Hosen an musikalischer Power darboten, das
scheint diese Frau problemlos in sich aufzusaugen und an purer Energie wieder auszuwerfen. Mal tigerte sie aggressiv wie eine hungrige Raubkatze über die Bühne, dann setzte sie für einen kurzen Moment ein kätzchenhaftes Schnurren auf, um schließlich die musikalischen Crossover-Krallen mal richtig weit auszufahren. Kein Wunder, dass dieser Frau die ohnehin schon riesige Bühne zu eng wurde und ein Bad im Publikum so richtig auskostete.
Dagegen war auch das Myspace-Wunder Kate Nash, die direkt vor Skunk Anansie einen hybriden Neo-Pop-Auftritt hinlegte, ein ziemlich zahnloser Stubentiger.
