Verrückte Spielweise gegen Schiffbruch
3. Handball-Liga: HBW 2 hinkt noch hinterher
Balingen, 30.08.2010 von Marcel Schlegel
Die erste Aufgabe sei mehr als ein Gradmesser für seine Truppe, die sich überwiegend aus Spielern der Jahrgänge 1990/1991 zusammensetzt, versichert Eckard Nothdurft. „Für mich gibt's in dieser Saison eine Überflieger-Mannschaft“, erklärt der Balinger Trainer, „und das ist der TSB Horkheim.“ Nothdurft hatte Mitte August beim Dröse-Cup in Bönnigheim die Gelegenheit, den Vorjahres-Zweiten zu beobachten. Der HBW 2 unterlag den Heilbronner Vorstädtern klar mit 14:22 und „Ecki“ urteilte: „Es ist unglaublich, wie gut die, auch doppelt, besetzt sind.“ Ähnlich stark schätze er allenfalls noch die SG Leutershausen ein, die im Vorjahr Rang drei belegte. „Ansonsten ist alles offen“, fährt er fort, „es gibt 13 Teams, bei denen jeder jederzeit den anderen schlagen kann.“
Auch im zweiten Drittliga-Jahr des HBW 2 könne nur der Ligaverbleib das Ziel sein, versichert der 45-Jährige: „Das wäre ein Traum.“ Nothdurft ist skeptisch, er weiß um die Schwierigkeit, die die Reform der dritthöchsten Spielklasse – von fünf Regionalliga- zu vier Drittliga-Staffeln – mit sich bringt. Sechs der 15 Südstaffel-Drittligisten müssen zum Saisonende den Gang in die Viertklassigkeit antreten. „Das wird schwer“, weiß der Diplom-Sportlehrer, welcher seine Truppe in Sachen Saisonvorbereitung ohnehin im Verzug sieht: „Ich bin mit dem Erreichten nicht zufrieden. Wir sind in unseren Einzelleistungen noch zu unkonstant.“ Dennoch, man müsse abwarten, was die erste Phase der neuen Saison für Erkenntnisse zutage fördere, „vielleicht legen sich die Schwankungen, wenn wir uns im Wettkampf befinden“.
Auch Nothdurft ist gespannt, wie sich seine Youngster aus der Affäre ziehen werden, wenn am Sonntag um 17 Uhr mit dem HVW-Pokalspiel beim SV Böblingen 2 die Runde beginnt. Fabian Schlaich oder Christian Wahl, die bisher in der A-Jugend spielten, dem HBW 2 in der Vorsaison aushalfen und nun ihrem ersten echten Aktivenjahr entgegenblicken, hätten in den bisherigen Tests gemerkt, so der Trainer, „dass es ein Unterschied ist, ob ich ab und zu aushelfe, oder ob ich jetzt Verantwortung übernehmen muss. Damit müssen sie sich momentan auseinandersetzen“. Gerade auf Wahl, auf dem nach dem Ausfall von Matthias Stocker (fällt nach Knie-OP für die Hinrunde aus) in der Rückraummitte große Verantwortung laste, komme ein „schweres Lehrjahr“ zu. „Da ist auch viel Kopfsache dabei“, räumt Nothdurft ein. Auch sei er gespannt, was passiere, würden seine Jungs zu Saisonbeginn in den Tabellenkeller rutschen: „Vor allem die A-Jugendspieler haben ja noch nie Misserfolg gehabt.“
Aus dieser, der JSG Balingen-Weilstetten, die im Juni Vierter bei der A-Jugend-DM wurde, stoßen Gregor Thomann und Fabian Kugel zum HBW 2 hinzu und verjüngen den Kader auf ein Durchschnittsalter von grob 20 Jahren. Und hier sieht „Ecki“ den Vorteil seines Teams, der es in der Vorsaison sensationell zum Herbstmeister machte. „Wir müssen wieder den Spaß am Handball finden“, fordert er, „zu unserer teils verrückten Spielweise zurückfinden.“ Das hätten die Jungs bisher vermissen lassen: „Wir spielen derzeit zu berechnend. Wir spielen wie die anderen. Das können wir nicht und müssen wir abstellen, sonst erleiden wir Schiffbruch.“
Natürlich würden die Ausfälle von Stocker und Christoph Foth (fällt nach Muskelteilabriss im Oberschenkel drei Monate aus) vieles erschweren. „Die können wir nicht ersetzen“, gesteht Nothdurft – und merkt süffisant an: „Unser Amokläufer Stocker hat in der Vorsaison mit seinen Einzelleistungen oft den Unterschied gemacht. Foth war in unserer Abwehr eine tragende Säule. Solche Spieler gibt es nicht wie Sand am Meer.“
