Matchball für Gerechtigkeit
25.08.2010 von Volker Bitzer
Gerechtigkeit und Gleichheit sind zwei bedeutende Pfeiler unserer Gesellschaft. Auch die Wehrpflicht wird seit vielen Jahrzehnten davon getragen. Von Wehrgerechtigkeit ist in der deutschen Verfassung die Rede, von gelebter Wehrgerechtigkeit kann allerdings in der heutigen Zeit – zwanzig Jahr nach dem kalten Kriege – keine Rede mehr sein. Vielmehr herrscht totale Wehr-Ungerechtigkeit. Und das gleich in zweierlei Hinsicht....
Zum einen, was die Einberufungspraxis junger Männer anbetrifft. Wenn mittlerweile nur noch ein Teil eines Jahrgangs den „Dienst am Vaterland“ ableistet, während eine Mehrheit sich gleich um Berufsausbildung oder Studium kümmern kann, dann ist das ungerecht. Zum anderen, wenn in unserer modernen Gesellschaft, die längst auch Frauen den Dienst an der Waffe ermöglicht, der Staat per Gesetzespflicht nur den Männern einen Teil ihres Lebens beraubt, dann ist das ungerecht.
Wenn ich an meine Zivildienstzeit denke, welche mich unglaubliche 20 Monate in meiner freien Entfaltung hinderte, dann kann ich das auch im Nachhinein nur ertragen, weil ich weiß, dass einst von meinem Jahrgang wohl über 90 Prozent der Jungs „gedient“ haben. Bekäme ich heute als junger Mann einen Einberufungsbescheid, so würde ich alle juristischen Instanzen bemühen, um im Zuge des Gleichbehandlungs-Grundsatzes ebenfalls „verschont“ zu bleiben. Der Vorstoß Guttenbergs ist also längst überfällig. Wenngleich nur halbherzig durch eine Aussetzung statt grundsätzlicher Abschaffung, aber immerhin ein Anfang. Das Schöne daran ist aber, dass der CDU-Mann in eine Kerbe schlägt, welche längst Grüne, SPD und FDP vormarkiert haben, und deshalb zu erwarten ist, dass die Wehrpflicht parteienübergreifend mit großer parlamentarischer Mehrheit aufs Abstellgleis geschoben wird. Es ist allerhöchste Zeit.
