„Es liegen harte Wochen hinter uns“

BALINGER HANDBALL-BUNDESLIGIST SETZT SICH KLEINE ZIELE Nur zwei Neuzugänge stehen im Kader von Trainer Dr. Rolf Brack. HBW präsentiert seine Mannschaft.

Balingen, 24.08.2010 von Marcus Arndt

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Gegen den badischen Rivalen aus Mannheim startet der Balinger Handball-Bundesligist am kommenden Samstag in die Saison. Gestern präsentierte sich der HBW beim Haupt-sponsor Sparkasse Zollernalb.

Mit einer 22:24-Niederlage gegen den Schweizer Pokalsieger Pfadi Winterthur haben die Schwaben am vergangenen Freitag die Vorbereitung abgeschlossen. „Ein Rückschritt“, bilanzierte HBW-Coach Dr. Rolf Brack entsprechend enttäuscht. Auch bei der Saisoneröffnung drückte der Sportwissenschaftler gestern im Gespräch mit Sport 1- Moderator Markus Götz kräftig auf die Euphoriebremse. „Probleme bei der zweiten Besetzung“, machte der Handball-Doktor aus – und prognostiziert „einen holprigen Start“. Deshalb setzt sich der 56-Jährige vorerst „kleine Ziele“. Attraktiver spielen will er, „aber auch besser verteidigen.“ Und natürlich müsse das Konterspiel viel effizienter werden. „Zwei Tore bei acht Versuchen“, notierte der Sportwissenschaftler gegen Winterthur – zu wenig für die beste Liga der Welt. Im fünften Jahr spielen die wackeren Schwaben nun schon erstklassig – doch es wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Mit bescheidenen Mitteln stellen sich die Balinger der finanzstarken Konkurrenz.

Wie den ambitionierten Mannheimern, welche zum Saisonstart in der Balinger SparkassenArena auf die Platte gehen. „Am Samstag kracht es zum ersten Mal in Balingen“, blickte Götz voraus, „wenn es zum baden-württembergischen Derby gegen die Löwen kommt.“ Vor dem Duell mit badischen Rivalen bastelt Brack noch an einer konkurrenzfähigen Truppe. Die hat nach den Transfers von Roland Schlinger und Johan Boisedu an Qualität gewonnen – aber an Quantität verloren. „Bewusst hat der Verein zwei fertige Spieler unter Vertrag genommen“, erklärte Brack und fügte hinzu: „Wir haben uns sehr viel Mühe bei der Verpflichtung gegeben. In jedem neuen Spieler steckt allerdings auch ein Risiko.“ Unumwunden räumte er ein: „Die Neuen tun sich bei uns schwer – mit dem harten Training und der Taktik.“ Die lässt keine Undiszipliniertheiten zu, so Brack weiter, welcher Sponsoren und Gönner auf eine schwierige Saison einstellte. Nicht ohne Grund: Um zwei Transfers möglich zu machen, ließen die Balinger arrivierte Akteure ziehen. „Wir haben einen kleinen, aber feinen Kader“, meinte der HBW-Coach, „es darf allerdings nichts passieren. Und ein wenig Glück brauchen wir auch.“ Und natürlich die notwendigen taktischen Kniffe. Und so wird der Dozent der Universität Stuttgart auch in der neuen Spielzeit seine wissenschaftliche Arbeit in den Trainingsbetrieb einfließen lassen. „Das befruchtet sich gegenseitig“, dozierte Brack, der sportlich nicht mehr allzu viele Wünsche hat. Eines reizt ihn noch: „Einen Mega-Auftritt in Hamburg beim Final Four.“ Priorität habe allerdings die Punkterunde – da sind sich alle Protagonisten auf und neben dem Parkett einig.

Hoffnungsträger ist der österreichische Nationalspieler Roland Schlinger, der sich mit Boisedu die Spielanteile auf der Königsposition teilen soll. „Ich bin glücklich hier zu sein und in der Bundesliga zu spielen“, sagte der Franzose stolz – und auch der Austria-Bomber bereut seinen Wechsel nicht: „Die Mannschaft und das Umfeld machen es einem einfach, sich einzuleben.“ Dennoch braucht Schlinger noch Zeit, um sich an die Liga zu gewöhnen. „Der Unterschied ist enorm“, betonte der Ex-Bregenzer. Er hoffe dennoch auf ein tolles Jahr, tolle Heimspiele und den ein oder anderen Auswärtspunkt. Die wird der HBW auch brauchen, um den Verbleib in Liga eins zu schaffen. Dafür hat das Team um Kapitän Wolfgang Strobel in den vergangenen Monaten intensiv gearbeitet. „Es liegen harte Wochen hinter uns“, verriet der Kreisläufer am Rande der Teampräsentation, „nun müssen wir versuchen, die Belastung aus den Knochen rauszubringen, um am Samstag topfit zu sein.“

Ob der HBW mit dem gestrigen Kader in die Saison geht? Wohl kaum! Nach der Verletzung von Felix König suchen die Verantwortlichen nach einem weiteren Mittelmann. „Das wird eine befristete Sache“, verrät Brack, „bis Januar – vielleicht auch bis zum Saisonende.“ Unabhängig davon rät der Dozent der Universität Stuttgart zu einer weiteren Neuverpflichtung: „Wir müssen wirklich überlegen, ob wir im Rückraum nicht nachlegen.“ Zu stark sei die Mannschaft von Benjamin Herth und Felix Lobedank abhängig. . .


Es ist wie so oft im Leben: Der Blickwinkel ist entscheidend. „Zumindest bleiben uns die Reisestrapazen erspart“, sagt Balingens Trainer nach der gestrigen Auslosung in Dortmund. Unwumunden räumt der Sportwissenschaftler von den Fildern allerdings ein: „Es hätte auch einfacher sein können.“ Dieser Meinung schließt sich Axel Geerken gerne an. „Es hätte natürlich besser kommen können. Erstens gegen einen Erstligisten und zweitens auswärts, das ist nicht unbedingt ein Glückslos“, so der Gummersbacher Geschäftsführer, „aber es ist wie es ist, wir haben auch in Balingen die Chance zu gewinnen und wollen weiterkommen.“ Übrigens: Sport 1 übertragt die Pokalpartie in Balingen live.

Über die zweite Runde im nationalen Pokalwettbewerb, die en gros am 22. September ausgespielt wird, hat sich Brack noch keine allzu großen Gedanken gemacht. Sein Fokus gilt dem Saisonstart gegen die Rhein-Neckar Löwen am kommenden Samstag (28. August, 19 Uhr, SparkassenArena). Dass es eine Woche später im Punktspiel bereits gegen die Oberbergischen geht, sieht der 56-Jährige nicht unbedingt als Nachteil. „Mit Robert Gunnarsson und Viktor Szilagy haben zwei Leistungsträger den VfL verlassen“, fährt der Balinger Kommandogeber fort, „ich kann momentan nur sehr schwer einschätzen, wie stark Gummersbach ist.“ Auf den ersten Blick etwas schwächer als in der Vorsaison, so Brack weiter, „aber das kann auch täuschen. . .“ Schließlich hat sich der EHF-Cup-Sieger mit Josip Valcic und Vjenceslav Somic von RK Zagreb sowie Igor Anic (früher Kiel) und Patrick Wiencek (Essen) gezielt verstärkt und sinnvoll ergänzt – und ist in der Breite besser besetzt als in der Vorsaison. „In der Abwehr sind wir sicherlich nicht schwächer“, urteilt VfL-Coach Sead Hasanefendic, „aber im Angriff haben wir an Durschlagskraft verloren. Das war unser Herzstück.“ Und so hält sich der „Trainer des Jahres“ im Postulieren ehrgeiziger Vorgaben zurück. Einzig im Pokalwettbewerb sei es das große Ziel, sagt Hasanefendic, „zum dritten Mal in Folge das Final Four zu erreichen!“


Saisoneröffnung beim Balinger Bundesligisten: Allerhand bestens gelaunte Prominenz

Live auf Sport 1 wird am 21. September das Zweitrundenspiel im DHB-Pokal zwischen dem HBW Balingen-Weilstetten und dem VfL Gummersbach übertragen. „Die Entscheidung fiel am frühen Nachmittag“, erklärte Markus Götz. Während der Hinrunde sind die Schwaben allerdings nie live auf dem Spartensender zu sehen. „Schade eigentlich“, meinte HBW-Coach Dr. Rolf Brack. Und nicht so richtig nachzuvollziehen, schließlich erzielte die Live-Übertragung zwischen den Balinger und den Füchsen Berlin in der Vorsaison die viertbeste Quote. . .

Beim Plausch mit Moderator Markus Götz blickten die Weltmeister Arno Ehret und Markus Baur auf die Entwicklung des deutschen Handballs zurück. In seiner Anfangszeit in den 70er-Jahren sei der Sport nur wenig beachtet worden, so Ehret, der Weltmeistertitel von 1978 habe viel dazu beigetragen, dass sich Handball heuer zum zweitbeliebtesten Sport der Deutschen entwickelt habe. Der WM-Triumph von 2007 habe jene Stellung gefestigt, sagte Baur. Dennoch brauche es weitere Erfolge, so Ehret, um diese Attraktivität erhalten zu können.

In der vergangenen Saison habe er den HBW-Verantwortlichen seine Dienste als Linkshänder angeboten, scherzte Markus Schmid. Die Funktionäre des Erstliga-Klubs hätten abgelehnt, den Verbleib in der Bundesliga aber geschafft und deswegen recht behalten. „Zeigen Sie uns, dass Sie dies erneut ohne Schmid schaffen“, rief der Sparkassen-Vorstandvorsitzende HBW-Coach Dr. Rolf Brack zu, ehe Klub-Präsident Arne Stumpp das Wort ergriff: „Keine Sorge, auch ich habe mich beworben – und bin ebenfalls nicht zum Zuge gekommen.“

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