Kehls Kader offeriert Klasse
Oberliga: TSG Balingen gastiert morgen nur als Außenseiter in der Ortenau
Balingen, 20.08.2010 von Ralph Conzelmann
Der erste Heimauftritt hat Spuren hinterlassen – körperliche wie seelische. Doch die Zeit, um ihre Wunden zu lecken, erhält die TSG Balingen nicht. Nach der schmerzvollen 0:1-Derbyniederlage gegen Villingen folgt schließlich schon morgen das zweite Auswärtsspiel in der noch jungen Runde: Es geht zum aktuellen Tabellensechsten Kehler FV.
Immerhin: Die bisherige Bilanz liest sich aus Balinger Sicht makellos – vier Spiele, vier Siege. In der Aufstiegssaison 2008/2009 gewann die TSG in Kehl mit 2:0, das Rückspiel endete 2:1. In der vorigen Runde gab's einen 3:2-Heim- und einen 3:1-Auswärtserfolg.
Die Kehler starteten mit einer 1:3-Niederlage beim derzeitigen Spitzenreiter FC Nöttingen in die Spielzeit 2010/2011. Ordentlich Wiedergutmachung betrieben die Südbadener beim anschließenden 5:1-Kantersieg gegen den hoch gehandelten Neuling Spvgg Neckarelz. „Meine Mannschaft hat einen unglaublichen Willen gezeigt und war vor allem in den Zweikämpfen stark“, strahlte der langjährige Kehler Coach Bora Markovic. Am dritten Spieltag folgte ein 2:2 beim ASV Durlach.
Den fünf Abgängen – meist zu unterklassigen Klubs – standen im Sommer sieben Neuzugänge gegenüber. Als Saisonziel geben die Kehler eine Platzierung im oberen Mittelfeld aus. 2008/2009 wurde der KFV 15., 2009/2010 Elfter – eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung ist unverkennbar. „Wir haben uns in dieser Liga etabliert und wollen uns Stück für Stück weiterentwickeln“, gibt der KFV-Präsident Claus Haberecht die Marschroute des Vereins aus.
Traditionell setzt der Klub, der im schmucken, 12 000 Zuschauer fassenden Rhein-Stadion seine Heimspiele austrägt, auf eine starke französische Fraktion. Spielmacher Alexander Maisonneuve gilt als Dreh- und Angelpunkt im Markovic-Team, hatte zuletzt aber mit Verletzungen zu kämpfen.
Als Star tritt allerdings auch der Trainer auf: Seit zwölf Jahren schwingt Bora Markovic (59) in der Ortenau das Zepter. Und nach wie vor sprüht der charmante Serbe vor Ehrgeiz: „Hier ist einfach alles attraktiv, angefangen von der Vereinsführung, über die Fans bis zu allen Leuten im Umfeld. Wir sind wie eine große Familie. Ich will jedenfalls so lange bleiben, wie man mich hier haben will.“ Mit Blick auf die personellen Veränderungen in der Sommerpause behauptet Markovic: „Der Kader ist ein wenig stärker geworden.“
Die TSG Balingen tritt in Kehl als Außenseiter an, zumal die Mannschaft von einer Topverfassung weit entfernt scheint. Zum einen schlägt die 0:1-Pleite gegen Villingen heftig aufs Gemüt, zum anderen nahmen die Maier-Schützlinge als Erinnerungen ans Derby nicht nur den dreifachen Punktverlust, sondern auch drei verletzte Spieler mit. Mit Karsten Scheu und Ümit Oytun fielen beide „Sechser“ aus, zudem erwischte es Fabian Fecker.
„Wir treffen auf eine spielstarke Mannschaft“, sagt Balingens Trainer Karsten Maier. Schon das 5:1 gegen Neckarelz habe gezeigt, zu was Kehl in dieser Runde fähig sei. Die Forderung ans eigene Team: „Wir müssen die Grundordnung viel besser beibehalten und die Schwächen im Spiel nach vorne abstellen.“ Desweiteren, so Maier, gelte es, den Torabschluss „entscheidend zu verbessern.“
Das Kehler Rheinstadion bietet 12 500 Zuschauern Platz
Der Kehler FV spielt wie die TSG Balingen seit zwei Jahren in der Oberliga Baden-Württemberg. Zuvor pendelte die Mannschaft meist zwischen der Landes- und Verbandsliga, in den 60er- und 70er-Jahren gehörte Kehl der damals drittklassigen 1. Amateurliga Südbaden an.
Die späteren Profis Rainer Schütterle und Dieter Eckstein kickten einst für die Ortenauer, die ihre Heimspiele im 12 500 Zuschauer fassenden Rheinstadion (1000 Sitzplätze, sechs Umkleidekabinen, Vereinsgaststätte, VIP-Raum, Geschäftsstelle) austragen.
Gemeinsam mit zwei regionalen Kreditinstituten engagiert sich der Verein im sozialen Bereich: Ein Euro pro Heimzuschauer fließt in eine Bürgerstiftung, die Jugend-, Kunst- und Kulturprogramme, aber auch Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen und ein vom KFV getragenes Ganztagesschulprojekt unterstützt.
Gut 1000 Mitglieder zählt der KFV, der neben Fußball fünf weitere Sportarten anbietet. 15 Nachwuchsmannschaften bilden den Unterbau zu den Aktiven, auch eine Frauenmannschaft nimmt am Spielbetrieb teil.
