Weltklasse zu Gast im Balinger Au-Stadion
Leichtathletik-Höhepunkte vor 50 Jahren: Rekorde und Titel für Otto Hipp und Eugen Stumpp
Balingen, 17.08.2010 von Martin Schuler
Zu Ehren von Sepp Hipp wurden von der TSG Balingen 1960 die zweiten Sepp-Hipp-Gedächtniswettkämpfe vor 3000 Zuschauern im Au-Stadion in Balingen durchgeführt. Sehr erfreulich war, dass mehr Spitzenkönner an den Start gingen, als angekündigt waren. In einem hochklassigen Feld zeigten zehn Olympia-Teilnehmer, welche bei den Olympischen Spielen in Rom fünf Medaillen erringen konnten sowie weitere Top-Athleten Leistungen auf hohem Niveau. Eberhard Eiche betonte in seiner Begrüßungsrede, dass die TSG mit Dankbarkeit an seinen größten Leichtathleten, Sepp Hipp, denkt, der ein Jahr zuvor, für alle unfassbar, im Alter von nahezu 32 Jahren verstorben ist.
Martin Lauer vom ASV Köln, der 1959 über 110-Meter-Hürden mit 13,2 Sekunden in Zürich Weltrekord lief, ließ als 100-Meter-Sieger in 10,6 Sekunden sowie mit der Sprintstaffel vom ASV Köln in Balingen sein Können aufblitzen. Lauer, der in Rom als Vierter über die Hürden knapp eine Medaille verpasste, holte mit seinen Staffel-Kameraden Cullmann, Hary und Mahlendorf als Schlussläufer in 39,5 Sekunden Gold mit der Sprintstaffel, die mit 39,5 Sekunden den damaligen Weltrekord einstellte.
Carl Kaufmann vom Karlsruher SC, Europarekordmann über die Stadionrunde, setzte sich über 200 Meter in 21,3 Sekunden vor seinem Staffel-Kollegen Johannes Kaiser (ASV Köln) durch. Kaufmann und Kaiser schafften mit der 4 x 400-Meter-Staffel in der Europa-Rekordzeit von 3:02,7 Minuten Silber in Rom. Eine weitere Silbermedaille errang Carl Kaufmann zeitgleich mit Olympiasieger Otis Davis (USA) mit dem neuen Weltrekord von 44,9 Sekunden über 400 Meter.
Anni Biechl (München), die in Balingen bei den Frauen über 100 Meter vorne lag und in Rom mit Staffel-Silber glänzte, wurde 1960 in 11,6 Sekunden deutsche Meisterin über 100 Meter. Mit Kriemhild Hausmann (Preußen Krefeld), mehrfache deutsche Meisterin im Diskuswerfen und Vierte in Rom sowie der Weltrekord-Inhaberin über 80-Meter-Hürden, Zenta Kopp-Gastl (München), waren in Balingen weitere Olympia-Teilnehmerinnen vertreten. Bei den Männern standen die deutschen Meister, die im Au-Stadion weitere Siege einfahren konnten, Klaus Gerbig (Rüsselsheim) über die Hürden, Manfred Molzberger (Köln) im Weitsprung und Dietrich Urbach (München) im Kugelstoßen ebenfalls im deutschen Olympia-Aufgebot. Zwei Siege bei den zweiten Sepp-Hipp-Gedächtniswettkämpfen gingen an Athleten aus der DDR. Peter Laufer (Leipzig) ebenfalls Olympia-Teilnehmer, sicherte sich mit 4,20 Metern den Stabhochsprung und Eckhard Zugehör (ASK Vorwärts Berlin) mit 70,53 Meter das Speerwerfen.
1960 wurden auch für zwei Leichtathleten aus dem Kreis beachtliche Erfolge notiert. Bei den Junioren kam Eugen Stumpp vom TSV Lautlingen mit 65,62 Metern im Speerwerfen und 3130 Punkten im Fünfkampf auf württembergischer Ebene zu Titelehren. Bei den deutschen Meisterschaften stellte Stumpp als Vizemeister hinter Manfred Bock (Hamburg), Olympia-Teilnehmer im Zehnkampf, mit 3157 Punkten einen neuen württembergischen Rekord im internationalen Fünfkampf auf. Im Diskuswerfen der männlichen Jugend A errang Otto Hipp von der TSG Balingen mit 43,80 Metern einen weiteren Titel bei württembergischen Meisterschaften. Hipps Bruder warf 1960 bei einem Sportfest in Lindau mit 47,74 Metern Kreisrekord im Diskuswerfen der A-Jugend. Mit dieser Weite hält Otto Hipp seit nun 50 Jahren den ältesten Kreisrekord. Der Weilstetter Karl Merz kam mit 46,66 Metern 1975 dieser Uralt-Rekordmarke am nächsten.
Interessantes Nachschlagwerk
Der Leichtathletik-Kreis Zollernalb brachte zum 75-jährigen Jubiläum 2009 eine Chronik heraus, in der in einem Rückblick zahlreiche Höhepunkte, alle Meister ab der württembergischen Ebene aufwärts sowie die Top-Zehn seit Bestehen des Kreises in den Klassen der Männer und Frauen, der Jugend sowie der Schülerklasse A verewigt sind. Das interessante Nachschlagewerk, das viele Erinnerungen zurück bringt, sollte sich kein Sportsfreund entgehen lassen. Weitere Infos: www.gerhardvogt.de.
