Häuschen Marke Eigenbau
Zwei Jungs aus Dotternhausen bauen jahrelang eigenes Gartenhäuschen
Dotternhausen, 17.08.2010
Alles begann mit einem kleinen Bretterhäuschen namens „Villa Kunterbunt“ im Garten der Familie Neher in Dotternhausen. Als Mathias Neher sich an seinen ersten Versuch heranwagte, war er acht Jahre alt – und wusste bereits, was er einmal werden wollte: Zimmermann. Inspiriert durch die Farbenpalette seines Vaters, der Maler ist, strich er die kleine „Villa“ kunterbunt an und baute weiter bis er eines Tages mit elf Jahren beschloss, das „Anfängerprojekt“ abzubrechen um sich dem neuen Vorhaben zu widmen, ein größeres Gartenhäuschen zu zimmern.
Seit Ende Juli steht es im Garten mit allem drum und dran: Stromanschluss, eine Treppe, die zum Dachboden mit Schlafplatz hinaufführt, Glasfenster, ein Hirschgeweih, das am Dachgiebel befestigt ist, sowie eine Tür aus dem Wohnzimmer der Familie Neher. Mathias ist nun 16 Jahre alt und arbeitet schon fast wie ein Profi. „Er stiehlt viel mit den Augen“, erklärt seine Mutter. In den Ferien macht er Praktika in Schreinereien und Zimmereien und guckt sich dort die Ideen für sein zwei Meter breites, drei Meter langes und hohes Häuschen ab. Doch Baupläne oder Skizzen verwendet er kaum. Schrittweise stellte er das Gartenhäuschen binnen fünf Jahren fertig. Zuerst wurde der Boden angelegt. Dazu wurde ein Stück Rasen geebnet, mit Splitt und Holzbalken und Pressspanplatten bedeckt. Die Wände und das Dach wurden aus Platten errichtet, sind innen mit Streichgips verputzt und hellblau bemalt. Die Fassade hat Baumarktkunde Mathias mit Nut-und Federbrettern verkleidet. Das Dach deckte er mit Biberschwanzdachschindeln. Nur die Tür sitzt seiner Meinung nach noch nicht so perfekt. Sein gesamtes Taschengeld investierte er in das Material und in die Geräte für seine Bauarbeiten. Vor einem Jahr hat sich der Allround-Tüftler ein Mofa zugelegt, es repariert und richtig „aufgemotzt“. Das darf jetzt im Häuschen, das Mathias auch gerne „Mofa-Werkstatt“ nennt, „wohnen“.
Seine Begeisterung für handwerkliche Tätigkeiten teilt er mit seinem besten Freund Nico Hahn, der ebenfalls ein Mofa besitzt und im August 2008 mit dem Bau eines Gartenhäuschens - inklusive Ofen - angefangen hatte, das jetzt in den kommenden Wochen fertig sein wird. Die Häuschen, die Mathias und Nico je für sich und ohne die Hilfe des anderen konstruiert haben, werden mittlerweile auf einen Wert von zwei-bis dreitausend Euro geschätzt.
Beide Jungs besuchen die Schlossbergschule in Dotternhausen, wo sie sich ehrenamtlich beim „Leader-Projekt“ zur Dorfverschönerung engagierten: dabei fertigten sie auf dem Schulgelände neue Spielgeräte an, unter anderem einen Kletterturm, eine Balancierstange und eine Rutsche. Momentan streichen sie das Büro des Schulhausmeisters Martin Schobel.
Von Konrektor Wolfgang Rothfuß wurden sie für ihr handwerkliches Geschick zu den „Junghausmeistern des Jahres“ gekürt. Nächstes Jahr kommen sie in die neunte Klasse. Nico ist sich noch nicht ganz sicher, ob er Industriemechaniker oder Schreiner werden möchte. Für Mathias ist klar: er möchte nach seinem Hauptschulabschluss eine Zimmermannslehre beginnen. Sein größter Traum ist es, eine Ausbildung bei einem bekannten regionalen Fertighaushersteller machen zu können. Der junge Tüftler ist fest davon überzeugt, dass er es mit seinem handwerklichen Talent und seinen kreativen Ideen weit bringen wird.
