HBW erreicht „das Maximum“

Intersport Masters: Balinger Bundesligist wird Fünfter – Probleme auf der Spielmacher-Position

Sindelfingen, 16.08.2010 von Reinhard Linder

Mit dem fünften Platz beim Intersport Masters um den Kempa-Cup im Sindelfinger Glaspalast hat der HBW Balingen-Weilstetten das erreicht, was Trainer Dr. Rolf Brack „das Maximum“ nannte.

Seine Mannschaft habe sich im Laufe des dreitägigen Handball-Turniers in Sindelfingen gesteigert, stellte der Sportwissenschaftler fest, sorgenfrei könne er der am 28. August beginnenden Bundesliga-Saison aber nicht entgegenblicken. Große Probleme gebe es auf der Spielmacher-Position und im rechten Rückraum. Diese Positionen seien mit Benjamin Herth beziehungsweise Felix Lobedank nur einfach besetzt, die Ersatzleute seien kein adäquater Ersatz. Brack: „Das ist ein Ritt auf der Rasierklinge.“ Allerdings könne er sich nicht vorstellen, dass die Vereinsführung seine Sorgen zu zerstreuen versuche und ihm neue Spieler bewilligen werde.

Immerhin kommt Herth nach seiner Operation und seiner Ellbogenverletzung wieder in Fahrt. Mit ganzer Stärke werfen könne er zwar immer noch nicht, meinte der Balinger Regisseur, aber er sei inzwischen fast schmerzfrei und es gehe von Tag zu Tag besser. Der zweite Spielmacher, Mare Hojc, fällt mit seiner Schulterverletzung mindestens noch zwei Monate aus, und auch die Nummer drei, Junioren-Nationalspieler Felix König, ist derzeit nicht in der Lage in die Bresche zu springen. Wegen der Junioren-EM hat der 20-Jährige die gesamte Vorbereitung verpasst, kehrte zu allem Überfluss gesundheitlich angeschlagen vom Turnier in der Slowakei zurück und zog sich am Samstag in der Partie gegen Frisch Auf Göppingen eine Zerrung zu, die einen weiteren Einsatz verhinderte. „Eigentlich hätte er in der Sommerpause wenigstens fünf Kilo zulegen müssen“, sagt Brack über seinen Hänfling. Doch statt im Kraftraum Muskelaufbau zu betreiben, tummelte er sich bei Lehrgängen als Vorbereitung auf die Junioren-EM, welche die DHB-Auswahl als Vierter beendete und bei der König durchaus zu überzeugen wusste.

Als Notnagel in Sindelfingen musste Allrounder Sascha Ilitsch herhalten, der gegen den Schweizer Vertreter St. Otmar St. Gallen eine ansehnliche Leistung bot. „Aber Sascha fehlt dann eben auf Linksaußen und am Kreis“, sieht Brack in Ilitsch keine Dauerlösung für das Problem in der Rückraummitte. Doch noch gravierender ist das Leistungsgefälle im rechten Rückraum. Lobedank-Stellvertreter Vlatko Mitkov hat auch beim Intersport Master nicht gezeigt, dass er Bundesliga-tauglich ist. Sowohl in der Abwehr wie im Angriff unterliefen ihm viel zu viele Fehler, weshalb Brack zum Schluss kommt: „Mitkov hinkt hinterher.“ Immerhin traf der Mazedonier, der heute seinen 29. Geburtstag feiert, gegen den Zweitligisten TV Bittenfeld siebenmal, was seinem Trainer ein wenig Hoffnung gibt: „Das war ein Lichtblick am Ende des Tunnels.“

Fortschritte konnte der HBW-Coach bei den beiden Neuzugängen Roland Schlinger und Johan Boisedu im linken Rückraum ausmachen, die allerdings noch an Verletzungen laborieren und sich auch noch nicht perfekt ins taktische System eingefügt haben. Lobende Worte fand er für das Abwehrverhalten von Vladimir Temelkov, der seine Gegenspieler vom Schlage eines Pascal Hens (Hamburg) oder eines Lars Kaufmann (Göppingen) sicher im Griff gehabt habe.

Ohnehin sei er mit dem Verlauf des Turniers nach der Klatsche gegen Hamburg einigermaßen zufrieden. Die Stammsieben liege im taktischen Bereich bei ungefähr 85 Prozent, die Zweitbesetzung falle mit etwa 40 Prozent allerdings deutlich zurück. Während die 3:2:1-Standard-Abwehrformation recht gut funktioniere, gebe es bei der 5:1-Variante noch gewaltige Probleme. So habe letztere gegen St. Otmar St. Gallen in der zweiten Halbzeit 15 Tore kassiert, genauso viele, wie der zweite Block in diesen 25 Minuten geworfen habe.

Übrigens verloren die Schweizer alle Gruppenspiele und mussten sich gestern auch dem französischen Vertreter Dunkerque mit 19:29 beugen. Mit einem klaren 41:24-Sieg gegen den Zweitligisten TV Bittenfeld verabschiedete sich der HBW gestern aus Sindelfingen. „Heute war ich sehr zufrieden“, lautete Bracks Fazit. Sein Team habe sich während des Turniers sukzessive gesteigert, „allerdings hat die Gegnerqualität auch abgenommen“. Im Spiel um Platz drei trafen die Bundesligisten Göppingen und Wetzlar aufeinander, das Duell wurde zu einer knappen Angelegenheit. Favorit Frisch Auf bezwang die Hessen am Ende mit 21:20. Wie erwartet bestritten die Topklubs Hamburg und Rhein-Neckar Löwen das Finale. In diesem unterstrichen die Hanseaten ihre hervorragende Frühform und gewannen den Kempa-Cup, wenn auch knapp, mit 32:31.

 

Das Intersport Masters um den Kempa-Cup in Zahlen

{ Vorrundenspiele, Gruppe A: HSV Hamburg – HBW Balingen-Weilstetten 36:26, FA Göppingen – TSV St. Otmar St. Gallen 37:24, FA Göppingen – HBW Balingen-Weilstetten 22:19, HSV Hamburg – TSV St. Otmar St. Gallen 29:20, TSV St. Otmar St. Gallen – HBW Balingen-Weilstetten 24:29, HSV Hamburg – FA Göppingen 30:23.

{ Vorrundenspiele, Gruppe B: Rhein-Neckar Löwen – TV Bittenfeld 49:30, HSG Wetzlar – USDK Dunkerque Handball 26:25, Rhein-Neckar Löwen – USDK Dunkerque Handball 28:19, HSG Wetzlar – TV Bittenfeld 25:20, Rhein-Neckar Löwen – HSG Wetzlar 20:17, TV Bittenfeld – USDK Dunkerque Handball 26:21.

{ Finalspiele:

Spiel um Platz sieben: TSV St. Otmar St. Gallen - USDK Dunkerque Handball 19:29.

Spiel um Platz fünf: HBW Balingen-Weilstetten – TV Bittenfeld 41:24.

Spiel um Platz drei: FA Göppingen – HSG Wetzlar 21:20.

Endspiel: HSV Hamburg – Rhein-Neckar Löwen 32:31.

Optionen

Bilder (1)

Schlagworte

Ähnliche Artikel

Brack zutiefst enttäuscht

Sindelfingen, 15.08.2011

Artikel lesen

Personalsorgen ohne Ende

Balingen-Sindelfingen, 19.08.2009

Artikel lesen

Brack fordert Konstanz

Balingen-sindelfingen, 10.08.2007

Artikel lesen

Antworten auf offene Fragen

Balingen/Sindelfingen, 09.08.2006

Artikel lesen

HBW News auf´s Handy

Fußball

Anzeige

Meist gelesen